Alle freuen sich, wenn gute Leistungen passieren

Interview mit Jan Müller, der am 25./26. Mai 2019 beim TUS Ost in Bielefeld ein Kompakt-Overallturnier durchführt.

DFV: Jan, was genau ist ein Overall-Turnier und was erwartet dabei die Teilnehmenden?

JM: Overall-Turniere, bei denen 7 verschiedene Frisbee-Sportarten gespielt werden, sind super spannend – aber auch zeitaufwändig! Beim Kompakt-Overall reicht wegen einer begrenzten Teilnehmerzahl auf 24 Leute ein Wochenende, um alle 7 Disziplinen zu spielen: Die „großen“ Disziplinen Discgolf, Double Disc Court und Freestyle, sowie die 4 „kleinen“, nämlich Discathon (Hindernislauf mit Scheibe), Self Caught Flight (selbst geworfene Scheibe wieder fangen mit möglichst langer Flugzeit), Accuracy (präzises Werfen) und Distance (weites Werfen). Overall ist spannend, weil man quer durch diese Vielfalt gute Leistungen zeigen muss, um an Ende ganz oben zu stehen! Weil die meisten Leute eine Herkunftsdisziplin haben, ist es für alle ein Einlassen auf etwas Neues – und diese offene, neugierige Energie merkt man auch bei den Turnieren.

DFV: Wie ist der aktuelle Stand der Anmeldungen? Gibt es für Kurzentschlossene noch Restplätze?

JM: Leider hatten wir ein paar kurzfristige Absagen, sodass wir momentan noch Plätze frei haben! Die Anmeldung findet man unter http://overallfrisbee.de/kobi-2019/

DFV: Für die Durchführung hast Du im Vorjahr in Köln bereits erste Erfahrungen sammeln können. Was sind dabei die größten Herausforderungen?

JM: Naja, sieben Disziplinen gut zu stemmen ist in der Planung schon eine Herausforderung… deshalb glaube ich, dass man für jede Disziplin jemanden braucht, der oder die durch die Disziplin führt. Wenn man pro Tag nur eine Disziplin betreut, geht das ganz gut. Darüber hinaus ist es so, dass die meisten Leute Overall zum ersten Mal spielen, da gibt es natürlich viele Fragen. Aber das erledigt sich natürlich über die Jahre von selbst, wenn (hoffentlich) immer mehr Leute zum zweiten, dritten und vierten Mal dabei sind!

DFV: Ändert sich (evtl. auch im Vergleich zum Vorjahr) etwas an der Reihenfolge der einzelnen Events oder an den Events selber?

JM: Bei der Reihenfolge muss man einiges bedenken. Die Disziplinen brauchen ja unterschiedliche räumliche Bedingungen, Discgolf zum Beispiel braucht einen Parcours, Distance braucht Platz, Discathon braucht Hindernisse, DDC braucht ebenen Untergrund… so entstehen ganz natürlich gute Paarungen. Diesmal spielen wir am Samstag rund um den Bielefelder Discgolf-Parcours Distance, Accuracy, Freestyle und natürlich Discgolf, und am Sonntag dann Self Caught Flight, DDC und Discathon in und vor der Radrennbahn.

Geändert wird nur das Freestyle-Event – hier haben wir in Köln ein Throw and Catch gespielt, wo Vielfalt belohnt wurde. Dieses Jahr spielen wir ein „Super Pro“ im K.-O.-System, wo man drei Versuche hat, seinen besten Trick zu zeigen! Das scheint uns ein besserer Mittelweg, der sowohl Freestyle-Profis anspricht aber auch Neulinge eine Chance haben, mit einem guten Trick in die nächste Runde zu kommen.

DFV: Welche Events sind aus Deiner Sicht am anstrengendsten, sowohl was die Durchführung, aber auch, was das Meistern der jeweiligen Herausforderung betrifft?

JM: Discathon ist, obwohl jede Person nur ungefähr 10 Minuten dran ist, in der Vorbereitung und in der Ausübung sehr anstrengend. Werfen, laufen, stoppen, bücken, werfen… das übt man eigentlich nie! Beim DDC braucht man viel Platz, damit alle Teilnehmenden gleichzeitig spielen können (was wichtig ist, um im Zeitrahmen zu bleiben) und beim Discgolf hat sich gezeigt, dass man besser einen existierenden Parcours nutzt, anstatt selber noch Körbe aufzubauen. Das haben wir dieses Jahr zum Glück!

Das eigentlich Schwierige ist eigentlich, bei allen Disziplinen gute Leistung abrufen zu können – aber das ist auch genau der Reiz.

DFV: Marc Pestotnik, Teilnehmer im Vorjahr und auch schon Teilnehmer bei WFDF Overall-Weltmeisterschaften, bezeichnet Overall als die „Krone des Frisbeesports“. Kannst Du das bestätigen oder nachvollziehen?

JM: Oh, obwohl ich das natürlich schön finde, dass er das sagt, will ich mich da zurückhalten… immerhin darf ja jeder Mensch seine eigene Lieblingssportart finden. Trotzdem ist natürlich was dran, weil fast alles abgefragt wird, was man mit einer Scheibe so machen kann: Wirf weit, wirf genau, wirf strategisch, stell hübsche Tricks an, triff den Korb, stell die Scheibe in den Wind, fang sie wieder… das ist schon toll! Ich schätze vor allem die Community. Bei der Overall-Weltmeisterschaft in Basingstoke, wo ich Marc kennengelernt habe, war ich von der Stimmung total beeindruckt. Alle lassen sich ein auf ganz viel Neues, lernen voneinander und freuen sich, wenn gute Leistungen passieren. Das ist schon toll!

DFV: Im Nachgang zum Kölner Overall-Turnier 2018 hattest Du sogar Kontakt zu WFDF. Wie ist es dazu gekommen?

JM: Rob McLeod, Vorsitzender des WFDF Overall-Gremiums, hatte mitbekommen, dass ich versuche, Overall an einem Wochenende auszutragen. Mich hatte es – um ganz ehrlich zu sein – in Basingstoke ein bisschen genervt, dass die Disziplinen stundenlang ausgetragen werden, obwohl man bei den meisten selbst nur ungefähr 10 Minuten dran ist! Discathon: 1 Durchgang. Accuracy: 7 Minuten Zeit für alle Würfe. Distance: 2,5 Minuten! Das wollte ich straffen, denn mir war klar: wenn das neue Interessierte in Deutschland finden soll, dann kann man nicht erwarten, dass Leute sich 4 oder 5 Tage freinehmen.

Offenbar ist dieses Kompakt-Format weltweit bislang einzigartig, und deshalb hatte Rob gefragt, ob ich bereit wäre, eine Dokumentation zu erstellen, was bei einem Kompakt-Overall zu beachten ist. Ich hoffe, es findet Nachahmer – gerne auch in Deutschland!

DFV: Der DFV schlägt den Landesverbänden vor, ebenfalls Overall-Turniere anzubieten, als eine neue Erfahrung für viele Mitglieder. Glaubst Du, dass das gut funktionieren könnte?

JM: Ich glaube, dass Overall zwei Sachen leistet, die sonst schwer sind: Es ermöglicht neuen Neugierigen, sehr verschiedene Sachen auszuprobieren und dabei zu merken, welche Sportart man vielleicht vertiefen möchte. Klar, Ultimate ist nicht dabei, aber da Ultimate ziemlich gut aufgestellt ist, glaube ich, dass Overall die kleineren Sportarten näherbringen kann. Zweitens bringt Overall die Frisbee-Community zusammen. Ich finde es fast ein bisschen schade, dass die meisten Leute nur eine Frisbeesportart spielen und nicht mehr so gern über den Tellerrand schauen. Anders als bei Ballsportarten gibt es ja einen sehr guten Techniktransfer zwischen den Disziplinen – gute Würfe beim DDC zu lernen hilft auch beim Ultimate. Gute Pässe beim Ultimate helfen auch beim Accuracy. Accuracy zu üben ist nützlich beim Discgolf. Discgolf zu können ermöglicht gutes Stellungsspiel beim Discathon… Dieses Miteinander sportlich zu leben gelingt beim Overall total schön. Ich zum Beispiel habe durch die Overall-Turniere angefangen, Discgolf zu spielen und auch ein bisschen Freestyle!

DFV: Selbst bist Du bekanntlich vor allem auch ein großer DDC-Fan, daher auch der DFV-Beauftragte für DDC. Ist das Overall-Turnier in Bielefeld geeignet, auch die besondere Faszination des DDC gut zu vermitteln?

JM: Heimlich bin ich ja der Meinung, dass DDC das Hauptevent beim Overall – denn eine einzelne Person verbringt beim DDC am meisten aktive Zeit, kurz vor Discgolf – insofern hat man reichlich Gelegenheit! Durch das Format, das wir spielen (zufällige Teampartner, nach jeder Runde wird anhand der Ergebnisse neu zugeteilt, mit wem und gegen wen man spielt) sortiert sich das Feld sehr schnell zu ausgeglichenen Partien. In Köln hat das dazu geführt, dass alle viel Spaß beim DDC hatten. Zwei Leute waren danach auch direkt beim Bielefelder Discival! Trotzdem ist beim Overall DDC nur eine von 7 Disziplinen – ich freue mich aber, dass alle sie mitspielen, obwohl wir 5 Disziplinen als Mindestzahl festgelegt haben. Aber das ist auch genau richtig, der Geist des Overalls ist es ja auch, alles zu spielen.

DFV: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg beim Durchführen des Kompakt-Overallturniers in Bielefeld am 25. und 26. Mai 2019! [Das Interview führte Jörg Benner.]


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