Beste europäische Ultimate-Nation

Rückblick auf die U24 Ultimate WM 2018 in Perth – von Christian Hedenius, im Vorstand der DFV Ultimate-Abteilung Vorsitzender des Nationalteamkomitees

Für die Spielerinnen und Spieler der Jahrgänge 1994 und jünger fand vom 7. bis 13 Januar 2018 im australischen Perth die U24 Ultimate-Weltmeisterschaften statt. Deutschland entsandte in allen drei ausgetragenen Divisionen (Women, Mixed, Men) jeweils ein Team. Das Ergebnis waren zwei 6. Plätze und damit beste europäische Mannschaften in den Divisionen Women und Mixed, sowie ein hervorragender 4. Platz in der Männer Division.

U24 Frauen Deutschland

Den kleinsten Kader entsandte Deutschland in der Frauen-Division mit nur 19 Spielerinnen, dafür aber mit höchster Qualität und dem erfahrenen Trainerduo Marco Müller und Max Leibersberger.

Bei den Frauen wurde als einzige Division unter den elf Mannschaften ein kompletter Round Robin gespielt, also jede gegen jede. Die deutschen Frauen hatten eine anderthalbjährige Vorbereitung hinter sich, in der sie auf ihrem Weg nach Australien sehr gute Ergebnisse einfahren konnten (z.B. Turniersieg beim Tom’s Tourney 2017). Es war daher zu erwarten, dass sie stark gegen die europäische Konkurrenz spielen würden. Im Turnierverlauf schlugen sie Österreich 15-9 und Großbritannien 15-11 (Foto rechts). Damit blieb ein großes Feld an internationalen Gegnern, bei denen unklar war, wo Deutschland steht. Im Turnierverlauf setzte sich eine Vierergruppe klar ab, bestehend aus den Teams aus den USA, Kanada, Kolumbien und Australien. Letztmaliger Weltmeister Japan tat sich schwer, konnte aber den Deutschen einen 15-10 Sieg abringen. Dennoch ist in einem Round Robin alles möglich und am letzten Spieltag hatte Deutschland die Möglichkeit vom 6.Platz noch ins Halbfinale der Top 4 zu springen. Dazu mussten aber die zu der Zeit auf Rang zwei liegenden Kolumbianerinnen und die Australierinnen geschlagen werden – und das an einem Tag.

Die Deutschen zeigten ihre beste Turnierleistung, als es zählte im Spiel gegen Kolumbien. Sie trotzten dem Wind und der Hitze des australischen Sommers und konnten das Spiel gegen Kolumbien auf Augenhöhe führen. Am Ende jedoch reichten die Kräfte nicht ganz, um die kleine Sensation zu schaffen und den Sieg einzufahren. Die 12-10 Niederlage gegen Kolumbien ist als hervorragendes Ergebnis einzuschätzen. Im Anschluss waren allerdings die Kräfte weg und Australien zu stark. Die deutschen Frauen verloren ihr letztes Spiel mit 15-9.

Nach diesem Turnier bleibt die Erkenntnis, dass der deutschen Frauen-Nachwuchs europaweit Top ist. Die Weltspitze kann herausgefordert werden. Aber für ganz große Ergebnisse fehlt noch immer die Masse und Leistungsdichte an der Spitze. Diesem U24 Team mit all den Mühen, Kosten, Höhen und Tiefen, möchte der Verband seinen herzlichsten Dank für die gezeigten Leistungen aussprechen. Wir hoffen, dass die getane Arbeit weiter Früchte trägt und auch in den Erwachsenen Nationalteams, sowie den Heimteams Gewinn aus den Erfahrungen der jungen Frauen gezogen werden kann.

U24 Mixed Deutschland

In der Mixed Division entsandte der Verband ein Team von 24 Spielerinnen und Spielern, zusammen mit dem Trainergespann Allen Clement und Nathalie Guimard, das auch das Erwachsenen Mixed Team betreut.

Die Mixed-Division war in zwei Pools mit je 7 Teams aufgeteilt. Im deutschen Pool warteten Dänemark, die USA, Großbritannien, China, Kolumbien und Hong Kong. Der deutsche Pool stellte sich als kleine Wundertüte heraus. Während am Anfang alles wie erwartet lief, mit einem Sieg gegen Dänemark und einer doch recht klaren Niederlage gegen die USA, wurde es am Dienstagabend dramatisch. Die Deutschen trafen auf Großbritannien und hätten mit einem Sieg nicht nur die Rangfolge in Europa geklärt, sondern auch einen wichtigen Gegner im Rennen um eine gute Ausgangsposition fürs Viertelfinale aus dem Weg geräumt. Beide Teams kannten sich gut, da sie in der Vorbereitung mehrfach gegeneinander gespielt hatten und sogar ein gemeinsames Trainingslager in Dänemark abgehalten hatten. Das Spiel endete in einem dramatischen Universpoint mit 11-10 für Großbritannien.

Danach gab es einen klaren Plan gegen 2 Neulinge und ein etwas schwächer einzuschätzenden Kolumbien. Diese drei Siege sollten den Einzug ins Viertelfinale sichern. Das Viertelfinale erreichten die Deutschen dann auch, aber mit einer überraschenden Niederlage gegen Kolumbien. Dadurch wurden die Deutschen Mixer Vierter in ihrer Gruppe und mussten ihr Viertelfinale gegen die ungeschlagenen Japaner bestreiten. Die überragenden Japaner, die sonst eher in den beiden anderen Divisionen für Furore sorgen, waren aber eine Nummer zu groß für die deutschen Mixer und gewannen das Spiel 15-8 (Foto rechts).

Die Deutschen konnten noch fünfter werden und zeigten diesen Willen auch in ihrem besten Spiel des Turnieres im Rematch gegen die Briten. Diesmal wurde es ein überragendes Spiel auf beiden Seiten, doch die Deutschen behielten die Oberhand und gewannen am Ende 14-12 und sorgten somit dafür, dass auch in dieser Division Deutschland das stärkste europäische Land wurde. Im abschließenden Spiel um Platz 5 kam es zum Aufeinandertreffen mit Frisbeezwerg Singapur, die sich mit einem Sieg gegen Kolumbien den Platz in diesem Spiel gesichert hatten. Dieses Spiel der Deutschen gibt es im Live-Stream zu sehen. Doch „der Live-Stream lügt“ wie Trainer Allen Clement die Leistung seines Teams im Nachhinein beurteilte. Es war einfach nicht das Spiel der Deutschen und vieles, was zum starken Sieg gegen Großbritannien geführt hatte, fehlte.

Dennoch kann auch in der Mixed Division festgehalten werden, dass die gezeigte Leistung hoffen lässt, dass die Talente aus diesem Nachwuchsteam auch die Erwachsenen Teams zukünftig stärken. Der Verband dankt allen Spielerinnen und Spielern sowie der Trainerin und dem Trainer für die großen Mühen und Anstrengungen, die während der WM und im Vorfeld unternommen wurden. Wir hoffen, dass alle Spielenden aus der Gesamtsaison viele neue Erfahrungen mitgenommen haben und damit ihr Spiel und das Spiel ihrer Mannschaften stärken können.

U24 Männer Deutschland

In der Männer-Division entsandte der Verband 22 Spieler, wobei aufgrund einer kurzfristigen Verletzung und Absage nur 20 bei der WM spielten. Bei der vierten U24 WM war zum vierten Mal Tim Buchholz als Headcoach der U24 Männer dabei. Dieses Jahr verstärkten ihn die ehemaligen U24 Spieler Jörg Reinert und David Schall im Trainerteam. Zum dritten Mal wurde Deutschland in dieser Division Vierter, sorgte aber wohl noch bei keiner U24WM für so viel Aufsehen.

Die Männer des U24 Nationalteams, starteten in einem starken Viererpool, bestehend aus den Philippinen, Australien und Kanada. Dieser Pool bot von allen Männerpools die größte Spannung. Es sollte zu einem Dreier-Vergleich zwischen Deutschland, Australien und Kanada kommen. Die Australier überrollten am ersten Tag die Kanadier, die scheinbar noch nicht richtig in Australien angekommen waren. Im ersten LiveStream-Spiel für die Deutschen besiegten sie die Australier. Nun ging es gegen Kanada und die hatten sich durch den Aufbaugegner Philippinen gefangen und bezwangen die Deutschen 15-9. Allerdings machten die Deutschen im Dreiervergleich genau einen Punkt mehr und konnten sich so den zweiten Platz im Pool hinter Australien sichern.

Im nächsten Power Pool warteten Italien, die USA und Großbritannien. Das erste Powerpoolspiel der Deutschen wird allen Zuschauenden des Livestreams noch lange im Gedächtnis bleiben. Es ging gegen Italien und es war ein Spiel, welches in der ersten Halbzeit durch Highlights und ein dominantes Spiel der Deutschen bestimmt wurde. In Halbzeit zwei kam Italien aber nochmals zurück und es wurde ein Spiel, dass an Spannung wohl lange Zeit nicht zu toppen sein wird. Am Ende stand ein 25 minütiger Entscheidungspunkt, den nach langem Kampf und sichtlich gezeichnet von den Anstrengungen, die Deutschen verwandeln konnten.

Das nächste Highlight folgte sogleich gegen die USA, denen die Deutschen zu diesem Zeitpunkt die meisten Punkte mit einer 15-7 Niederlage abtrotzen konnten. Abschließend ging es um Platz zwei im Powerpool und damit einem sicheren Platz im Viertelfinale gegen die Britten. Diese mussten sich der deutschen U24-Auswahl geschlagen geben. In allen Belangen waren die Deutschen besser und gewannen mehr als nur souverän mit 15-3.

Aber das Viertelfinale war nur eine Zwischenstation, die 15-9 gegen die Schweiz gewonnen werden konnte (Foto rechts). Das Halbfinale war das Rematch gegen Italien. Doch die großen Anstrengungen und immer mehr Verletzte im deutschen Team machten sich bemerkbar. Die Italiener, die sich ab dem Viertelfinale in einen Rausch spielten, gewannen überzeugend 15-7. An dieser Stelle muss erwähnt werden: Was die Italiener in dieser WM leisteten, war außergewöhnlich! Im abschließenden Finale gegen die USA holten sie als einziges Team im Turnier die Halbzeit gegen ein US Team. Es ist absolut gut, auch aus deutscher Sicht, dass es in Europa eine solche starke Entwicklung gibt, von der auch die Deutschen in Testspielen profitieren konnten und zukünftig sicher auch werden. Das Italien letztendlich knapp „nur“ die Silbermedaille gewann, schmälert nicht im Geringsten die Leistung der Italiener und wir möchten an dieser Stelle unsere Glückwünsche ans italienische Team schicken.

Doch zurück zur deutschen Geschichte, die nun im Spiel um Platz 3 erneut im Livestream zu sehen waren. Dieses Mal lief es aber genau anders als im ersten Spiel. Die Deutschen rannten einem hohen Rückstand hinterher, den sie im zweiten Durchgang zwar verkürzen konnten, aber wie schon dreimal zuvor reichten die Kräfte am Ende nicht für eine Medaille, die wohl verdient gewesen wäre. Da die Deutschen in den letzten Spielen weitere Ausfälle hinnehmen mussten, war die Stimmung aber nach dem Turnier keineswegs geknickt. Das Team weiß, was es geleistet hat. Es hat mehr als einmal im Livestream gezeigt, zu welch außergewöhnlichen Plays sie in der Lage sind. Abgesehen davon haben sie wohl die eine oder andere Mittagspause verlängert und allen Zusehenden spannende und nervenaufreibende Spiele geliefert. Der Verband beglückwünscht jeden Einzelnen, der an diesem Prozess und Weg teilgenommen hat für die gezeigten Leistungen in der Vorbereitung und im Turnier. Wir wünschen allen auf den weiteren Wegen in ihren Heimatteams oder Nationalmannschaften stets dieselbe Energie und Kraft, mit denen Sie in so vielen Spielen überzeugt haben!

Fazit

Es bleibt festzuhalten, dass alle deutschen Teams Herausforderungen für ihre Gegner darstellen. In der Männer Division zeigt sich, dass die deutschen Männer mittlerweile zur Weltspitze aufgerückt sind, auch wenn nach ganz oben noch ein Stück fehlt. In der Mixed und Frauen-Division sind die Leistungen ebenfalls beachtlich, doch fehlt es in beiden Divisionen an Nachwuchsspielern, die auch in ihren Vereinen gefördert werden. Die Spitze ist gut, doch fehlt es an der Breite. Diese Feststellung gilt für alle drei Divisionen, da am Ende des Turniers allen Mannschaften Kräfte für entscheidende Siege fehlten. Dies mag ggf. auch an den enormen Kosten liegen, die alle Spielenden zum Großteil selber getragen haben, zum anderen aber auch an zu wenigen starken Nachwuchsspielern. Die Leistungsexplosion Italiens lässt sich klar auf einen enormen Sprung in der Region Bologna zurückführen, dort gibt es wohl mehr als 600 Nachwuchsspieler. Regelmäßige Schulligen werden veranstaltet und mit CUSB ist eins der besten europäischen Ultimate-Programme für Frauen und Männer in der Stadt.

In Deutschland gibt es eine sehr gute Nachwuchsarbeit. Immer mehr Teams entstehen, dennoch ist das Niveau stark abhängig auch von den lokalen Trainern. Durch verschiedene Programme, wie den Trainerinnen- und Trainerschein Stufe 1 im Ultimate, versucht der DFV hier eine einheitliche Basis zu schaffen um die Entwicklung weiter zu treiben.

Aussicht:

Die U24 WM wird alle zwei Jahre ausgetragen. Da dieses Jahr die WM um ein halbes Jahr versetzt stattfand, um im australischen Sommer zu liegen, findet die nächste WM bereits 2019 statt. Dann sind alle Spielerinnen und Spieler spielberechtigt, die 1996 oder später geboren wurden. Wo diese WM stattfinden wird, ist noch unklar.

Klar ist bereits, wann die letzten Auswahltrainingslager stattfinden, darauf haben sich die Rasen Trainer auf der letzten Nationalteamtagung (NTT) geeinigt. Zwischen EUCF (5.-7.10.18) und nächster NTT (10.11-11.11.18), finden in den U24 und Erwachsenen Rasendivisionen auch die letzten Tryouts für die U24 WM bzw. EM 2019 statt (vorher kann es ggf. weitere Trainingslager geben).

Eine so frühe Nominierung wird nötig, da 2019 alle 22 Nationalteams (!) ein internationales Turnier haben werden. Es wird auf Rasen eine U17 und U20 EM geben, die U24 WM, sowie für Erwachsene und Masters eine EM. Im Beach Ultimate wird es ebenfalls in allen Altersklassen (Erwachsene bis Great-Grandmasters) eine EM geben.

Alle Ankündigungen zu eventuellen Trainingslagern, Trainerausschreibungen und sonstigen Nationalteamveranstaltungen werden über die Wurfpost geschickt. Berichte, Kader und weitere Informationen rund um die Nationalteams finden sich auf der DFV-Homepage.

Alle Links zur WM 2018 gibt es hier.


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