Junioren Teammanager Dieter Salwik

Der Teammanager/Koordinator der German Ultimate Juniorteams Dieter Salwik stellt sich den Fragen von Uwe Kikul.

Uwe Kikul(UK)
Dieter Salwik(DS)

UK:
Hallo Dieter, ich werde Dir heute eine paar Fragen stellen und ich bitte dich darum, dass du offen und ehrlich Deine eigenen Meinung sagst.

DS:
Hallo Uwe, natürlich werde ich es versuchen und wie immer mein Bestes geben.

UK:
Wie bist Du zu diesem Ehrenamt gekommen?

DS:
Wenn ich so darüber nachdenke, war es eigentlich ein Selbstläufer. Als meine große Tochter 2015 ins Nationalteam gekommen ist, habe ich sie immer zu den TL´s gefahren. Und wenn man dann schon mal vor Ort war, hat man dann das ein oder andere schonmal gemacht und mitgeholfen.
Aber so richtig hat es eigentlich 2016 bei der EM in Belgien begonnen. Man hat gesehen, dass die Coaches mit Ihrer Aufgabe voll ausgelastet waren und da habe ich einfach mal nachgefragt und Hilfe angeboten.
Nach der EM haben wir uns dann drauf geeinigt, dass ich das damalige U17 Team weiter unterstütze und mich um den organisatorischen Bereich kümmerere. Und wie man sieht, habe ich heute für 4 Teams die Verantwortung und bin Mitglied im Nationalteamkommitee.

UK:
Hast du selber irgendwo Frisbee gespielt?

DS:
Nein. Ich habe über 40 Jahre lang Fußball gespielt, und unterschiedliche Mannschaften trainert, von den Bambinis bis zu einem Herrenteam. Um nicht nur eine Sportart zu betreiben, habe ich dann zusätzlich noch fast 20 Jahre lang Eishockey und Tennis gespielt.
Aber seit ich jetzt diesen Job mache, spiele ich wann immer es geht natürlich auch Frisbee und wenn es nur mit meinen beiden Töchter im Garten ist. Und wie du ja weißt, haben wir ja zusammen schon einen 3. Platz bei der Deutschen Meisterschaft 2018 bei den GGM erreicht.

UK:
Was findest du so faszinierend an diesem Sport?

DS:
Das ist ganz klar der SOTG. Wie ich ja schon erzählt habe, spielte ich Fußball und Eishockey und da gab es sehr oft Situationen, wo das Fairplay leider nicht an erster Stelle gestanden ist.
Ich finde es beim Ultimate sehr entspannt, wie das alles so läuft, dass sich die Spieler selber auch mit ihrer Sozialkompetenz ins Spiel einbringen müssen. Natürlich ist es auch die fliegende Scheibe. Da könnte ich stundenlang zusehen.

UK:
Wie ist es für dich als Teammanager, wenn deine beiden Töchter in verschiedenen Teams spielen?

DS:
In erster Linie macht es mich natürlich stolz, sagen zu können, dass ich zwei Töchter habe, die diesen Sport machen und auch in der Nationalmannschaft spielen. Nur wenige Väter können sagen, dass er eine Tochter hat, die zweifache Europameisterin ist und bei einer WM unter den ersten 4 Teams der Welt war.
Natürlich gibt es da auch hin und wieder Reibungspunkte und Diskussionen. Aber meistens hilft dann der Satz, „Sponsored by Daddy“.
Aber wenn es um die Nationalteams geht, sind beide wie alle anderen zwei Spielerinnen. Ich bin glaube ich auch der größte Kritiker, wenn es um die beiden geht.

UK:
Was macht dich stolz, Teammanager von den Juniorteams zu sein?

DS:
Es macht mich stolz, dass der DFV mir das Vertrauen schenkt, dass ich dieses Jahr zum zweiten Mal nach Kanada 2018 als Chef de Mission offiziell das Team Deutschland und somit auch den DFV international administrativ präsentieren darf. Das ist für mich eine sehr große Ehre und genau das ist auch der Punkt, warum ich dieses Ehrenamt gerne mache.

UK:
Wie ist die Zusammenarbeit mit den Coaches?

DS:
Sehr gut. Alle aktuellen Coaches unserer Nachwuchsteams sind fachlich hoch kompetent. Sie versuchen immer alles zu machen, um den Spielern und der Sache gerecht zu werden.
Da ich natürlich zwei Mädchen habe und fast immer bei den TL der Mädchen bin, habe ich natürlich zu diesen Trainerinnen einen engeren Kontakt als zu den Coaches der Jungs. Vor allem zu Caro und Katha, weil ich die beiden von Anfang an kenne. Wenn ich Fragen oder Infos brauche, sind die beiden mit Ihrer Erfahrung und Wissen meine erste Adresse.
Aber wie gesagt, ich habe mit allen ein super Verhältnis, man ist nicht immer gleicher Meinung, aber wir finden immer einen Kompromiss.
Wir haben auch eine strikte Arbeitsteilung. Ich kümmere mich um die administrativen Dinge und die Coaches um das Spielerische.
Ich werde mich niemals in die sportlichen Belange der Teams einmischen. Und sollte es doch einmal irgendwo Schnittpunkte geben, treffen wir immer zusammen als Team die Entscheidung.
Natürlich muss man auch anmerken, dass es mit der Generation Studenten und Berufseinsteiger nicht immer einfach ist, weil sich die Prioritätenschwerpunkte nicht immer mit meinen Wünschen decken und ich dadurch öffters mal höheren Blutdruck bekommen. Aber wie gesagt, One Mission, one Team.

UK:
Wie ist das Verhältnis zu den Eltern?

DS:
Kurz gesagt, Mega.
Durch meine Tätigkeit hat man sehr oft Kontakt zu den Eltern und es hat sich über die Jahre auch mit vielen eine freundschaftliche Basis entwickelt.
Wenn es auf die inernationalen Turniere geht, hat sich über die Jahre ein Fanclub aufgebaut. Wir sind mit allen Fanmitteln ausgestattet und manchesmal finden es die Spieler auch etwas peinlich, wie wir Eltern mitfiebern. Natürlich gibt es vereinzelt auch Eltern, die meinen wenn Ihre Kids Nationalmannschaft spielen, sind sowohl sie als auch die Kids etwas Besonderes. Aber mit meiner Feinfühligkeit und Diplomatie bekomme ich das immer in den Griff.

UK:
Wie reagieren Freunde und Kollegen auf den Sport bzw. auf Deinen Tätigkeit?

DS:
Am Anfang haben viele gefragt, Frisbee, das mit der Scheibe am Strand? Als Antwort habe ich dann gegeben, außer dem Sonnenbrand, den man bekommt, hat der Sport mit dem Strandspiel nicht viel gemeinsam.
Bei der EM 2017 in Holland hat meine Frau den Computer mit in Ihr Geschäft genommen um die Spiele im Livestream zu sehen. Zu macher Zeit war Arbeitsstillstand, weil der Laden übervoll war und die Leute sich das angeschaut haben und begeistert waren.
Mittlerweile ist es nichts mehr Besonderes bei uns im Freundes- und Bekanntenkreis. Alle freuen sich für meine Kids, dass sie Natio spielen und es spricht sich ja rum, aus Zeitungsberichten und den Sportlerehrungen.

UK:
Wie schätzt Du die Leistungen unserer 4 Teams im Vorgriff auf die EM 2019 ein?

DS:
Natürlich hoffe ich, dass alle 4 Teams ihr Bestes geben und ganz Vorne mitmischen. Immerhin sind wir ja in der U17 Mädchen Titelverteidiger.

Bei der U20 OPEN ist es einfach. Die Jungs müssen liefern. Die Mannschaft ist nach dem 10. Platz bei der WM in Kanada sich selber was schuldig. In Kanada hat das Team unter seinen Verhältnissen gespielt. Der Kern der Mannschaft ist gleich geblieben. Die Spieler die letztes Jahr in der zweiten Reihe standen, haben sich weiterentwickelt, sind jetzt gefordert das Team zu führen und die neuen Spieler sind durch die Coaches gut ausgewählt worden. So das sich denke, dass die U20 um den EM-Titel mitspielen wird.

Bei den U20 Mädchen ist es schwer zu sagen. Ein Großteil des Teams ist aus dem U17 EM-Team von 2017 und dem WM-Jahr 2018. Natürlich sind diverse Leistungsträger des Teams entweder in die U24 gekommen oder haben aus privaten Gründen die Scheibe an den Nagel gehängt. Wie die Leistung einzuschätzen ist, ist schwer zu sagen. Auch weiß man natürlich nicht wie die anderen Teams aufgestellt sind.

Bei den beiden U17-Teams ist es ganz schwer zu sagen. Da ja letztes Jahr kein großer Event gespielt worden ist, ist es auch hier schwer eine Prognose abzugeben. Der mir vorliegende Eindruck der U17 Jungs ist, dass das Team heiß wie Frittenfett ist und auch körperlich machen die einen guten Eindruck. Hier darf man auf jeden Fall gespannt sein wie hoch der Level international sein wird.

Bei den U17 Mädels kann ich überhaupt nichts sagen. Ich glaube das Team ist für alle, auch für die Coaches ein Überraschungspaket. Aus der Gewinnermannschaft von 2017 sind noch drei Spielerinnen übrig. Der Rest sind alles Neue und vor allem junge Spielerinnen. Aber die Trainerinnen wollen das Team über einen langen Zeitaum fördern, um dann für die Zukunft eine schlagfertige Truppe international präsentieren zu können. Was beeindruckend ist, ist die Leistungssteigerung und die professionale Einstellung, wie unsere Nationalküken an das Projekt Nationalteam rangehen.

UK:
Was würdest Du dir als Teammanager für die Nationalteams wünschen?

DS:
Natürlich immer den vollen Erfolg und Verletzungsfreiheit für alle unsere Spielerinnen und Spieler. Es wäre natürlich von Vorteil, wenn jedes Team einen Teammanager hätte, weil wenn man 4 Teams zu managen hat, ist es in manchen Bereichen eine Mammutaufgabe. Ich denke wenn wir das mal schaffen, können wir noch professioneller arbeiten und die Coaches weiter entlasten, sodass sie sich ausschliesslich um die sportlichen Belange kümmern können.
Das ist nätürlich auch eine weitere Aufgabe für mich bzw. für das NTK dieses Projekt voranzutreiben, um weiter international professionell auftreten zu können.

UK:
Wie sieht Deine Zukunft als Teammanager aus?

DS:
Meine Zukunft ist natürlich auch von den Leistungen meiner beiden Töchter abhängig. Da meine Jüngste erst 13 ist und Ihr erstes Jahr in der Nationalmannschaft absolviert sind rein rechnerisch die nächsten 6 Jahre klar vorgegeben. Natürlich kann es immer was auf der Lifeline geben, die meine Tätigkeit beeinflussen können. Da ich auch gerade meinen Trainerschein im Ultimate mache, könnte ich mir natürlich auch vorstellen, vielleicht irgendwann auch mal als Co-Trainer mit einem erfahrenden Coach ein Nationalteam zu trainiernen.
Aber aus gesicherten Kreisen hab ich schon erfahren, dass dieses wohl mit allen Mitteln verhindern wird, da ja sonst der Posten als Teammanager varkant ist. Auch das ist ein indirektes und verstecktes Lob für meine Tätigkeit.

UK:
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen.

DS:
Gerne doch.


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