Komitees, Landesverbände und Lobbyarbeit

HS_Koblenz_Logo-RACUltimate im Vergleich erfolgreicher Entwicklungen von Trendsportarten

Christoph Wemheuer hat bei seiner Prüfungsarbeit zu Erlangung des „Bachelor of Arts Sportmanagement“ an der Hochschule Koblenz die Etablierung von Trendsportarten am Beispiel Speed Badminton untersucht. Dabei werden die Entwicklungen von Floorball, Ultimate und Bouldern beleuchtet. Die 150-seitige Arbeit befasst sich vor allem mit der Outdoor-Variante des Badmintons, genannt Speed Badminton , und arbeitet gemäß dem Modell von Lamprecht und Stamm verschiedene vergleichbare Trendsportarten heraus.

Der Analyse des Autors zufolge erfüllt Ultimate alle sechs dazu aufgelisteten Kriterien: geringe infrastrukturelle Voraussetzungen, leichter Einstieg bei schnellen ersten Lernerfolgen, geringer Ausrüstungsbedarf (niedrige finanzielle Einstiegshürde), keine „territoriale Expansion“ einer in ihrem Ursprungsgebiet schon vollständig etablierten Sportart, in Deutschland besteht ein zuständiger nationaler Fachverband und die Sportart ist bereits etabliert, aber noch nicht vollständig. Der Autor hebt hervor, dass bei der Gründung des DFV 1990 die Etablierung der Sportart bereits als satzungsgemäßes Ziel festgeschrieben war:

„Aus dem Ziel der Mitgliedschaft im DOSB lassen sich zwei konkrete Unterziele ableiten, welche die Grundvoraussetzung für eine Aufnahme bilden: das Erreichen von 10.000 Mitgliedern und die Etablierung von 8 Landesverbänden     Frisbeesport, welche jeweils Mitglied in zuständigen LSB sind bzw. die Mitgliedschaft beantragt haben.“ (S. 103)

Bei der Betrachtung der ergriffenen Maßnahmen zur Zielerreichung hält er fest:

„Bezogen auf das Ziel der Ausweitung des Spielbetriebes kann festgehalten werden, dass der Spielbetrieb mit der Entwicklung der Sportart langsam mitgewachsen ist und ausgeweitet wurde. Eine der entscheidenden Maßnahme, welche teilweise schon umgesetzt werde konnte, ist die stärkere Regionalisierung der Ligen. Auf diese Weise werden die Spielmöglichkeiten für Mannschaften leichter erreichbar und die Anzahl an Wettkämpfen wird durch die tiefere Ligastruktur erhöht, da erst die regionale Liga und dann weitere Entscheidungsrunden gespielt werden. Eine steigende Anzahl an Spielen führt dazu, dass die Spieler mehr Wettkampfpraxis sammeln können.“ (S. 105)

Er bezieht sich auf ein mit dem DFV-Geschäftsführer Jörg Benner geführtes Interview und analysiert in Hinblick auf die Gründung von Landesverbänden:

„Die Landesverbände sind nicht nur für die Aufnahme in den DOSB essenziell, sondern Benner betont, dass eine flächendeckende Verbreitung der Sportart nur über regionale Strukturen möglich ist, also die Landesverbände für die Etablierung der Sportart insgesamt eine herausragende Bedeutung haben.“ (S. 106)

CWemheuer-Bachelor-S75In der Bewertung von Maßnahmen zur Etablierung einer Trendsportart hebt Christoph Wemheuer nochmals hervor (S. 114 ff.), dass dies für Ultimate zweifellos die schon frühe starke Anbindung an den adh (Wettkampfdisziplin seit 1991) sowie die Gründung der Ultimate-Abteilung und diejenige der Landesverbände sind. Im Floorball waren dies das „Engagement im Schulbereich“ und der „Aufbau eines regionalen Jugendspielbetriebes durch die Gründung von Landesverbänden“ als (Zitat Experteninterview) „Schlüssel zum Mitgliederwachstum“. Zudem wird die Lobbyarbeit eines einzelnen Hochschulprofessors im DOSB hervorgehoben.

Abschließend stuft der Autor „die Gründung von Landesverbänden und die damit mögliche stärkere regionale Förderung der Jugend, durch die Etablierung eines Jugendspielbetriebes sowie Aktivitäten im Schulsport“ ebenso wie das Einrichten von Komitees „um mehr personelle Ressourcen zu gewinnen“ als „sinnvoll anwendbare Maßnahmen“ ein. Auch das „Rekrutieren von Persönlichkeiten zur Verrichtung von Lobbyismus“ stuft er als eine übertragbare Maßnahme ein. Hier muss allerdings der „Glücksfall“ wie beim Floorball Verband Deutschland eintreten, dass eine geeignete Person mit erheblichem Einfluss gefunden wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür kann durch eine Verbreiterung der Aktiven- und der Mitarbeiterbasis deutlich befördert werden.

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