Nach den U.S. Open ist vor dem Tryout

Nach der Teilnahme des Mixed Nationalteams an den US Open haben wir dem Deutschen Mixed Nationaltrainer Allen Clement ein paar Fragen zu dieser reise gestellt. Das Deutsche Mixed Team hatte Anfang August an einem Einladungsturnier des amerikanischen Verbandes teilgenommen und den sechsten Platz belegt. (siehe Bericht)
Mixed Nationalteam Coach Allen Clement, bei den US Open. Foto von UltiPhotos

Wie ist das Team entstanden?

Das Team wurde nach einem offenen Trainingslager & Tryout im März 2018 gegründet. Es haben sich 135 Spieler und Spielerinnen angemeldet. Aus logistischen Gründen (Platz, real mixed zu spielen) konnten wir nur 78 TeilnehmerInnen einladen. Von diesen 78 hatten 39 im Vorfeld schon Erfahrungen mit dem (U24) Mixed Nationalteam gesammelt und 39 waren bisher kein Teil des Mixed Nationalteams.

Nach dem Trainingslager fragten wir die TeilnehmerInnen, wer die Zeit und das Geld aufbringen könnte, die US Open zu spielen, und wählten daraufhin das Team aus dieser Gruppe aus. 20 weitere Personen wurden für den Sommer in den Trainingskader aufgenommen, um ein Trainingslager Anfang Juli zu ermöglichen und um Teams zum G-Spot (ein Team) und Talampaya (zwei Teams) zu schicken. {Anmerkung der Redaktion: Turniere in Ghent, Belgien und Genf, Schweiz}

Warum die US Open?

Einfach gesagt: Das war das Turnier mit dem höchsten Spielniveau, welches das Team 2018 spielen konnte. Im Prinzip sind die einzigen Turniere, die stärker besetzt sind, die World Games, US Nationals, WUGC {Weltmeisterschaft} und WUCC {Clubweltmeisterschaft}, die alle entweder in diesem Jahr nicht stattfanden oder bei denen das Team nicht hätte antreten dürfen.

Wir nahmen an den US Open teil um Erfahrungen im Spiel gegen amerikanische Teams zu sammeln. Wir wollten herausfinden, wie wir im Vergleich zu den amerikanischen Gegnern abschneiden, Selbstbewusstsein im Spiel gegen diese Teams zu sammeln und uns in solchen Spielen wohler zu fühlen. Außerdem zeigen Spiele gegen solche guten Teams sehr genau unsere Stärken und Schwächen auf.

Alle Spieler konnten aus den Spielen etwas für sich mitnehmen und haben ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die bereits oben genannten Fähigkeiten, werden jeder TeilnehmerIn helfen sich in ihren zukünftigen Nationalmannschaften zu etablieren. Was aber noch viel wichtiger ist: Die SpielerInnen werden ihre Erlebnisse und Erfahrungen in ihre Heimteams tragen und somit die deutsche Entwicklung im Ultimate entscheidend voranbringen. 

Was/wie war die Vorbereitung?

Wir haben uns auf die US Open durch das oben genannte Auswahltrainingslager, zwei Turniere und einem weiteren Trainingslager im Juli vorbereitet.

Allerdings sind die US Open der Höhepunkt einer Zeitspanne nach der WUGC 2016 {London}, die durch Teambuilding und von SpielerInnen initiierte Weiterentwicklung im Team vorangetrieben wurde. Nach den letzten Weltmeisterschaften 2016, setzte sich ein Teil des Teams zusammen und entschied sich dafür in den kommenden zwei Jahren, in denen keine Nationalteamevents stattfinden würden, weiterhin gemeinsam hochklassiges mixed Ultimate zu spielen. Das gemeinsame Ziel war stetig auf hohem Niveau zu spielen, den Spielerpool zu erweitern und eine Stetigkeit des Nationalteams zu gewährleisten. Es war von Anfang an klar, dass eine Teilnahme an den zwei Jahren ohne große Meisterschaft keine Garantie bedeutet in den EM ’19 Kader zu kommen.

Unter dieser Prämisse gab es im Herbst 2016 ein offenes Trainingslager, um einen Trainingskader von 40 SpielerInnen für 2017 auszuwählen. Der Trainingskader organisierte zwei weitere Trainingslager im Frühjahr 2017 (gemeinsam mit dem U24 Team, das sich auf die WM in Perth vorbereitete) bevor das Team im Sommer 2017 beim Windmill {Amsterdam} und dem Golden Cup {Dublin} antrat. Im Herbst 2018 folgte ein drittes Trainingslager (wieder gemeinsam mit dem U24 Team, um sie bei der Vorbereitung auf Perth zu unterstützen). 2018 starteten wir im März mit dem, oben genannten, offenen Trainingslager, bevor das Team das G-Spot (ein Team aus 18 SpielerInnen) und Talampaya (2 Teams bestehend aus etwa 18 SpielerInnen) spielte. Ein letztes Trainingslager fand Anfang Juli im Vorfeld des Trips zu den US Open statt.

In den vergangenen zwei Jahren waren die SpielerInnen bei Turnieren, mit Ausnahme der US Open, selbst verantwortlich für das Team. Erfahrene SpielerInnen des Mixed Nationalteams haben dabei großartige Arbeit geleistet. Sowohl in Bezug auf das Hinführen zu Übungen und Taktiken, als auch die Entwicklung der Teamkultur. Die Trainer (Mike Nash und ich) haben das Team bei verschiedenen Trainingslagern unterstützt, aber der Hauptteil der Arbeit und Entwicklung wurde von ehemaligen Nationalteammitgliedern geleistet, die zuvor eingeführte Übungen und Taktiken umsetzten.

Wenn das Team so gut war, warum Tryouts?

Es gibt viele Gründe, warum Tryouts im Herbst notwendig sind.

+ Im September/Oktober bilden alle drei Teams (Damen/Mixed/Open) Teams für die EM 2019. Mit dem Ziel drei starke deutsche Nationalteams an den Start zu bringen, sollten sich die SpielerInnen frei fühlen an allen Tryouts der Teams teilzunehmen, für die sie sich interessieren

+ Nächstes Jahr ist nächstes Jahr und dieses Jahr ist nun Vergangenheit.

+ beim Coachen von Uni- und Clubteams in den USA habe ich gelernt, dass es für alle wichtig ist, sich ihren Platz im Team jedes Jahr aufs Neue zu verdienen.

+ Es gab viele, die aus logistischen Gründen nicht an den US Open teilnehmen konnten oder sich aus guten Gründen entschieden dieses Jahr nicht mit dem Mixed Nationalteam zu spielen (z.B. um sich auf die WUCC Vorbereitung ihres Heimteams zu konzentrieren)

Mixed Nationalspieler Lasse Hoogen mit einem Vorhand Inside Pass auf Nationalspielerin Svenja Pruns bei den US Open 2018 im Spiel gegen die Heimmannschaft aus Minneapolis. Foto von UltiPhotos

Gibt es echte Chancen Teil des Teams zu werden?

Ja. Unser Ziel ist es das bestmögliche Team für die EM 2019 zu bilden, ebenfalls als Grundlage für die WUGC 2020. Mit diesem Ziel im Kopf, müssen wir verstärkt Potenzial suchen und entwickeln, denn auf vergangene Leistung.

Personen, die bei den US Open gespielt haben oder Teil des Trainingskaders der letzten zwei Jahre waren, haben den Vorteil, dass sie die Teamkultur und Taktiken und meinen besonderen Ausdruck im Deutschen kennen. Aber auch mit diesen Vorteilen, müssen sie ihr Leistung bei den Tryouts zeigen.

Der Blick auf das Team, das an den US Open teilgenommen hat, bestätigt diese Einstellung, da der Erstkontakt mit dem Mixed Nationalteam von beinahe einem Drittel des Teams erst im März diesen Jahres stattfand.
+ 4 spielten in London
+ 8 waren Teil des Trainingskaders 2017
+ 3 waren Teil des U24 Mixedteams von Perth
+ 6 wurden beim TL im März zum ersten Mal Teil des Trainingspools

Wir können noch nicht vorhersagen, wie das Team nach den TryOuts aussehen wird und auch wenn ich froh wäre, wenn es alle 21 SpielerInnen des US-Open Teams in den Kader für die EM schaffen sollten, wäre ich nicht überrascht, wenn weniger als die Hälfte Teil des finalen Kaders werden (und das sogar als positive Entwicklung für die Community sehen), da es sehr viele sehr starke SpielerInnen gibt, aus denen wir in Deutschland wählen können.

Was waren die Schlüsselfaktoren das gute Abschneiden bei den US Open?

Unser enormes Selbstbewusstsein und gegenseitiges Vertrauen, die wir über das Wochenende weiter steigern konnten waren die größten Schlüsselfaktoren. Weiterhin hat uns die Erkenntnis, dass wir den top US-Teams individuell und als Team die Stirn bieten können.

Wir konnten für jeden Gegner eine passende (Zonen)Verteidigung ausfindig machen und diese somit frustrieren und unter Druck setzen.

Offensiv halfen uns unsere Pullplays, dass wir alle SpielerInnen auf dem Feld einbinden konnten und, dass wir immer wieder die Breakseite bespielt haben, um die Scheibe problemlos übers Feld zu tragen.

Ebenfalls förderlich war das schnelle Handler movement, welches es der gegnerischen Verteidigung erschwerte uns ihr Spiel aufzuzwingen.

Was sind deine persönlichen Lernerlebnisse?

Unsere Zonen sind gut und können einige der besten Offenses frustrieren.

Wir können offensichtlich mit dem top US Mixed Clubteams mithalten, allerdings waren dort auch lediglich zwei SpielerInnen der US Teams für die WUGC 2016 im Team.

Teamdynamiken sind unheimlich wertvoll. Eine positive Teamatmosphäre zu schaffen und zu halten, während wir uns auf kleine Schritte zu fokussieren, halfen uns zurückzukommen, wenn wir zurücklagen und Spiele stark zu beenden: wir lagen zur Halbzeit 6:8 gegen Storm zurück bevor wir das Spiel mit 14:8 für uns entschieden. Wir verloren 4:8 die Halbzeit gegen BFG, bevor wir in der zweiten Halbzeit einen 5:1 Run starteten um zum 9:9 auszugleichen.

Ultimate um 1:30 Uhr zu spielen ist hart (das Freitagspiel gegen Drag’n Thrust war effektiv um 1:30 für die Hälfte des Teams und die physischen/mentalen Auswirkungen waren offensichtlich). Ich bin mir sicher, dass wir bedeutend knapper gegen Drag’n Thrust gespielt hätten (12:15), wenn wir 3 Stunden früher gespielt hätten.

Was muss am Spiel des Teams am meisten verbessert werden?

Während Spielübersicht und Flexibilität insgesamt schon gut sind, sehe ich hier immer noch Verbesserungspotential. Weiterhin können wir unsere Zonen weiterhin verbessern.

Unser schnelles Handlermovement war eine große Herausforderung für unsere Gegner und funktioniert gut, wir brauchen aber noch mehr SpielerInnen, die sich mit dem hohen Tempo wohlfühlen.

Anmerkungen der Redaktion

Alles in allem war das gute Abschneiden des Mixed Teams keines Wegs zu erwarten. Trotz einer nur kurzen Vorbereitung hat das Team sehr gute Leistungen gezeigt. Für die anstehende EM2019 in Ungarn muss sich trotzdem jeder Spieler und jede Spielerin neu beweisen. Neue Spielerinnen und Spieler sollen auch wie dieses Jahr die Möglichkeit bekommen sich ihren Platz im Kader zu erkämpfen. Das Mixed Team wird an zwei Wochenenden ein Tryout absolvieren. Anmeldung zum 1. Tryout am 22./23. September 2018 in Nürnberg, Anmeldung zum 2. Tryout am 20./21. Oktober 2018 in Darmstadt. Auch die anderen beiden erwachsenen Nationalteams suchen noch ihre Kader, sowie die U24 Teams. Alle Informationen zu den Tryouts im Überblick gibt es hier.


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