Throwback Thursday: Vom Metall zum Plastik

In unregelmäßiger Reihenfolge werden immer donnerstags ältere Beiträge herausgesucht und nochmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Den Auftakt macht Teil 1 von 3 einer Rückschau in die Geschichte der Flugscheiben, die genau vor zehn Jahren entstand.

Am 14. Januar 2008 ist Richard Knerr, Mitbegründer der Spielzeugfirma Wham-O, 82-jährig gestorben. Der Erfinder der ersten Plastikscheibe, Walter Frederick Morrison, starb am 9. Februar 2010, nur wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. 1957, an seinem 37. Geburtstag unterzeichnete er mit seiner Frau Lu bei Wham-O den Vertrag über die Rechte an der Flugscheibe gegen vierteljährliche Vergütungsschecks. Teil 1 der Serie behandelt die Ursprünge der Scheibenentstehung. Bild aus: Flat Flip Flies straight – True Origins of the Frisbee, Fred Morrison und Phil Kennedy, USA 2005.

Die Idee rotierende Scheiben fliegen zu lassen, kann bis zu den Olympischen Spielen der Antike im Diskuswurf zurückverfolgt werden (vgl. The Complete Book of Frisbee, Victor A. Malafronte, Oceanside, USA, 1998, S. 22: Early History of Flying Disc Objects and Games). Die Geschichte der Flugscheibe als Spiel- und Sportgerät beginnt in den 1920-er oder 1930-er Jahren. Verschiedenen Angaben zufolge differiert der Zeitpunkt, als Kinder, Studenten an der Ostküste und später Sommerfrischler in Kalifornien begannen, regelmäßig sich umgedrehte runde Kuchenbleche zuzuwerfen.

Der Zusammenhang des späteren Produktnamens Frisbee mit der Bäckerei Frisbie Pie Company aus Bridgeport, Connecticut, ist offensichtlich. In besagte Kuchenbleche war der Markenname Frisbie’s Pies hinein gestanzt. Schnell sprach es sich herum, dass sie sich zum Zupassen eigneten. Zur Warnung riefen sich Studenten in Princeton, Harvard und Yale beim Werfen Frisbie! zu. Auch hierbei variieren Quellen und Ansprüche bis heute, welche Universität die erste war, an der die Kuchenbleche durch die Luft flogen. In der Einleitung des Buches Ultimate – the first four decades von Tony Leonardo and Adam Zagoria (Los Altos, USA, 2005) ist ein Bild Metalldeckel werfender Studenten am Amhorst College zu sehen, das in die 1930-er Jahre datiert wird.

Im erwähnten The Complete Book of Frisbee, das sich auch als Sammlerkatalog versteht, werden Abbildungen früher Flugscheiben gezeigt, die bereits vor der Entwicklung einer Plastikscheibe in Umlauf waren (S. 109 ff.): unter anderem die eines handgemachten Metalldeckels mit seitlich angebrachten Pfeifen und Lichtern aus dem Jahr 1933, Buck Rogers Flying Saucer von 1937, die vermutlich erste in den USA vermarktete Wurfscheibe mit styroporartigem Kern, zusammengehalten von zwei Papptellern und einem Metallring, oder die Sa-Lo, eine Metallscheibe aus den 1940er-Jahren (mit der bereits bei einer Sommerfreizeit organisierte Flugscheibenspiele stattfanden).

1937 markiert nach eigenen Angaben von Fred Morrison auch den Beginn seiner Leidenschaft für Flugscheiben. Im Interview auf www.goaltimate.com berichtet er, wie er beim Picknick am Thanksgivingday zusammen mit seiner späteren Frau Lucile „die Bekanntschaft eines Popcorn-Büchsendeckels machte“. Weil jedoch an diese Deckel schwer heranzukommen war, verlegten sie sich bei ihren Wurf- und Fangspielen auf Kuchenformen. 1938 verkaufte Fred Morrison zusammen mit seiner Frau am Strand von Santa Monica Kuchenbleche für einen Vierteldollar das Stück, während sie nur 5 Cent kosteten, und erkannte den Markt dafür:

„Wir drehten den Leuten mit jedem Stück Luftraum-Lizenzen an. Einer unserer Kniffe war so zu tun, als würden die Deckel an unsichtbaren Drähten fliegen. Wir verkauften den Leuten unsichtbaren Draht auf 30-Meter-Rollen und gaben ihnen die Scheibe umsonst dazu“, zitiert http://hamptonroads.com Erfinder Morrison am 27. Mai 2007.

Den Anfang der Plastikscheiben-Produktion markiert die erste von Fred Morrison produzierte Flyin Saucer von 1948. Immerhin 54.000 Stück der fliegenden Untertassen wurden in neun Farben hergestellt. Die nächsten Produktionsserien entstanden 1950 (Lil Abner’s Flyin Saucer, nur 5.000 Stück, mit eingelegtem Papier „Fun for the whole family“) und 1953 (American Trends Flyin Saucer aus weicherem Plastik, teilweise mit Aufschrift in der Rückenmitte „New way to play catch“).


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