Bedeutung des SOTG

Ein Ehrenkodex des Fairplays

Der “Spirit Of The Game” ist die erste Regel des umfangreichen offiziellen Ultimate-Regelwerks des Flugscheiben-Weltverbandes (WFDF). Er beschreibt einen Ehrenkodex des Fairplays, wonach sich die Ausübenden ausdrücklich dazu bekennen, in ihren Handlungen den gemeinsam vereinbarten Regeln zu entsprechen – sowohl auf als auch neben dem Feld.

HandshakeDabei geht es nicht nur um den Fairplay-Gedanken, der konkrete Situationen während des Spielablaufs betrifft, sondern vielmehr um eine innere Haltung, die sich auch im Umgang mit dem eigenen Team bei Turnieren und im Training zeigt. Wer sich an den Spirit hält, wird in strittigen Situationen in ruhiger Art und angemesser Sprache kommunizieren. Dieser Respekt vor den anderen ist wichtiger als die Situation selbst. Spirit ist dabei kein Selbstläufer und bedarf einer ständigen Arbeit an sich selbst und dem Team.

Das ist nicht immer leicht, denn gewöhnlich herrscht auch ein starker Wille zu gewinnen. Aber Gegnern Respekt zu zollen, wenn sie großartige Leistungen vollbracht haben, wenn sie verdient gesiegt haben oder auch wenn sie hoffnungslos unterlegen waren, das ist mehr als eine Geste des Fairplays, das ist eine Frage der inneren Haltung und somit gelebter “Spirit of the Game”. Und es ist eine ultimative Herausforderung.

Dadurch wird es möglich, dass in diesem Sport keine externen Schiedsrichtenden vorgesehen sind. Ultimate beruht auf der Integrität der Spielenden, die strittige Situationen dann zu bewerten haben, wenn sie selbst daran beteiligt sind. Können sie sich nicht einigen, geht die Scheibe zurück zum vorigen Werfenden.

Diese grundlegend andere Art des Zusammenspielens in einen Teamsport erfordert Lehrmaterial, das der Flugscheiben-Weltverband (WFDF) und der Deutsche Frisbeesport-Verband in Zukunft entwickeln müssen, um das bevorstehende Wachstum im Juniorenbereich mit dem nötigen Hintergrundwissen vermitteln zu können. Siehe dazu die neuen SOTG-Workshops des DFV.

Mit dem Handlungskonzept des SOTG sind mehrere Bedingungen verbunden, die es – auch im leistungsorientierten Spiel unter dem starken Einfluss von Adrenalin – zu beachten gilt:

  • Ich muss als handelnde Person die Regeln kennen, um eine Situation bewerten zu können.
  • Ich glaube daran, dass alle Mitspielenden und Gegenspielenden nicht absichtlich zu ihrem Vorteil die Regeln verletzen, also gemäß § 1.3 wahrheitsliebend und integer sind.
  • Ich muss in einer engen oder strittigen Situation selber darauf achten, was passiert: War mein erster Bodenkontakt „in“? Habe ich beim Wurfversuch des Gegenspielenden die Hand oder die Scheibe berührt? Hält sie oder er beim Werfen das Standbein still? U.a.m.
  • Wenn ich den Eindruck habe, es lag ein Regelverstoß vor, muss ich den Mund aufmachen und laut das entsprechende Wort rufen, das den Spielfluss einfriert („Freeze Calls“ sind z.B. „Aus“, „Foul“, „Down“ für eine Bodenberührung der Scheibe, u.a.m.)
  • Ich habe keine andere Wahl, als meine Meinung und die meines Gegenspielenden gleichberechtigt nebeneinander stehen zu lassen.
  • Ich kann einmal versuchen, aufgrund meiner festen Überzeugung bei meiner oder meinem Gegenspielenden nachzufragen, ob nicht doch meine Sichtweise eher zutrifft als ihre oder seine. Ich kann aber nicht behaupten, dass ich recht habe und sie oder er nicht.
  • Falls wir uns nicht einigen können, geht die Scheibe zurück zum vorigen Werfenden und wird dort ins Spiel gebracht, als habe es den Zwischenfall nicht gegeben.
  • (Wir erinnern uns: Integrität ist die Voraussetzung für das Spiel, niemandem wird unterstellt, er wolle sich einen Vorteil daraus ziehen, dass sie oder er willentlich wider besseres Wissens eine „Falschaussage“ macht.)

Das Regelwerk schreibt sogar bestimmten Handlungen einen Stellenwert zu, der dem “Spirit of the Game” entspricht (seinen Gegner mit Handschlag begrüßen, sich fürs Spiel zu bedanken, etc.) oder aber nicht entspricht (wider besseres Wissens das Spiel unterbrechen, absichtlich die Regeln verletzen, seine Gegenspielenden einschüchtern etc.). Im Weiteren sorgt ein so genannter Spirit-Bewertungsbogen – wenigstens auf offiziellen Meisterschafts-Turnieren – innerhalb der einzelnen Teams dafür, dass diese Besonderheit des Sports auch im Bewusstsein der Spielerinnen und Spieler verankert bleibt. Dieser Spirit-Bewertungsbogen ist für Erwachsene sehr geeignet das gegnerische und das eigene Team zu bewerten, nach fünf Kategorien und im direkten Vergleich mit dem eigenen Verhalten.