Ein Team im Kopf und auf dem Rasen

U23-Mixed_Trainingslager-KlnIn Köln fand das erste geschlossene Trainingslager der U23-Mixed Nationalmannschaft statt. Auf dem Weg zur WM in Toronto wollten die Trainer neben der Vermittlung taktischer Grundlagen auch den sozialen Zusammenhalt des Teams stärken. Von Lars-Ole Müller.

KÖLN – Auswahltrainingslager, so genannte Tryouts sind so eine Sache: Jeder will ins Team und gibt sein Bestes, aber das Team selbst ist zu diesem Zeitpunkt kaum zu sehen. Denn ständig drehen sich im Hinterkopf die Gedanken um den Auswahlprozess: War ich gut genug? Hat der Trainer das jetzt gesehen? Bin ich besser als er oder sie? So ist es schwer, wirklich an der Teamperformance zu arbeiten und Taktiken einzustudieren, auch weil eben noch doppelt so viele Leute da sind, als es Plätze im Team gibt. Für den Teambuildingprozess gilt dies natürlich in besonderem Maße. Da ist das erste geschlossene Trainingslager dann etwas ganz besonderes für jede Auswahlmannschaft, denn nun haben alle den Kopf frei von zweifelnden Gedanken und es kann sich zeigen, was wirklich in der Truppe steckt.

Dieses erste Camp stand am ersten Aprilwochenende für die U23 Mixed-Nationalmannschaft an, die im Juli bei der WM in Toronto antreten wird. Das Trainergespann Allen Clement und Nathalie Guimard hatten den aus 19 Spielern und Spielerinnen bestehenden Kader nach Köln gebeten, wo dank freundlicher Unterstützung des ASVs auf dem Gelände der Disc Days Cologne sehr gute Trainingsbedingungen vorgefunden wurden, von ein paar übereifrig buddelnden Kaninchen einmal abgesehen.

Die für das Wochenende von Trainer Clement ausgegebenen Ziele lauteten wie folgt: „Auf der einen Seite wollten wir die taktischen Grundlagen dafür legen, wie wir in Toronto spielen wollen und auf der anderen Seite ging es uns auch um die sozialen Aspekt, damit wir ein wahres Team werden können. Meiner Meinung nach haben wir beide Ziele erreicht.“

So konzentrierte man sich am Samstagvormittag auf Defence-Übungen, so z.B. das Covern des Anwurfes, Triangle Marking und die Personenverteidigung. Nach dem Mittagessen wurden dann verschiedene Offence Strategien und die dazugehörigen Laufwege einstudiert. Die Trainer setzten hierbei überwiegend auf den vertikalen Stack. Nach einem geselligen Abendessen standen dann in der Schlafhalle mannschaftsformende Spiele auf dem Programm. Dabei mussten Bälle ohne die Hände weitergereicht sowie die Halle durchquert werden, ohne den Boden zu berühren. Bei allen Aufgaben kam es auf wortlose Kommunikation und Teamgeist an.

Der Sonntag weckte die Jungnationalspieler dann mit frühlingshaften Temperaturen und Sonnenschein. Dazu gab es individuelles Wurf-Coaching und eine für fast alle Teilnehmer völlig neue Zonenverteidigung, die speziell auf Mixed-Ultimate zugeschnitten ist. Clement zeigt sich zufrieden mit dem Erreichten, verweist aber auch auf die noch nötige Arbeit: „Dieses Wochenende war nur der erste Schritt in einem Prozess. Es gibt für jeden Einzelnen viel zu tun. Neben der Verinnerlichung unserer taktischen Prinzipien, müssen alle zudem weiter an ihren individuellen Fähigkeiten und der Fitness, sowie der mentalen Stärke arbeiten.“

Zum Abschluss gab es dann einen ersten wirklichen Test gegen den Vorjahres Mixed-Vizemeister Frühmix aus Köln. Dieser war mit einem stark besetzten Team angetreten, darunter Denis Holzer und Yannicka Kappelmann. In der ersten Hälfte des Spiels zeigte die U23 Auswahl noch Nerven und es kam zu mehreren zum Teil unnötigen Drops. So ging man mit 8:3 in die Pause, wobei der Spielstand dem Verlauf der Begegnung auch deutlich knapper hätte sein können, da es dem Mixed Team mehrfach nicht gelang, die Scheibe in der Endzone unter Kontrolle zu bringen. Nach der Pause konnte man dann aber auf Augenhöhe mitspielen und das Spiel endete nach Erreichen der Zeitgrenze 12:7. Besonders positiv ist die erst am Morgen erlernte Variante der Zonenverteidigung zu erwähnen, mit der auch erfahrene Kölner Spieler einige Probleme hatten.

U23-Mixed_Frhmix_Kln„Im Abschlussspiel habe ich Gutes und Schlechtes gesehen. Natürlich hätten wir gerne gewonnen aber es bleibt festzuhalten, dass wir uns im Spielverlauf erheblich gesteigert haben und es einiges Positives zu vermerken gibt, insbesondere natürlich die Zonenverteidigung. Ich habe auch in der Offence an einigen Stellen brillante Spielzüge aufblitzen sehen. Mit der Zeit wird das Auftreten dieser Geistesblitze konstanter passieren“, kommentiert Allen Clement die Begegnung.

Auch Teamcaptain Martin Bornhold von den Rostocker Endzonis zeigt sich zufrieden mit dem Wochenende: “Das Trainingslager war ein voller Erfolg. Wir konnten von dem, was wir uns vorgenommen haben viel erreichen. Besonders stolz bin ich auf unsere Frauen, die die von den Trainern gemachten Vorgaben für die Zone nach sehr kurzer Zeit wirklich toll umgesetzt haben. Zudem habe ich die Intensitär während der verschiedenen Übungen als sehr hoch empfunden. Da hat sich echt ein tolles Team gefunden.”

In Naher Zukunft stehen weitere Tests für die U23-Auswahl an. Bereits in zwei Wochen geht es zum TeKielas Mixed Cup an die Ostseeküste, eine Woche darauf tritt man bei G-Spot im belgischen Gent an. Hinzu kommt ein Start beim berühmten Windmill Windup in Amsterdam und voraussichtlich zwei weitere Trainingslager. Der vollständige Kader, wie auch die Roster der beiden anderen U23 Teams wird in kürze auf der DFV-Seite vorgestellt werden.

Es ist also noch ein weiter Weg nach Toronto, Clement zeigt sich allerdings zufrieden mit dem nun erfolgten ersten Schritt: „Es war ein fantastisches Trainingslager. Die Spieler haben hart daran gearbeitet sich zu verbessern und als Team geschlossenes zusammen zu spielen. Am wichtigsten ist aber, dass jeder sich nun wirklich dafür einsetzt, Deutschland in Toronto würdig zu vertreten.  Es gab ja ein wenig Hin und Her während der Teamauswahlphase und bei der Trainersuche, aber das Engagement der jungen Leute hat uns das Coachen an diesem Wochenende sehr einfach gemacht und uns in unserer Entscheidung, den Trainerposten zu übernehmen bestärkt.“