Winterflug: Österreicher und Chicas triumphieren in Berlin

Winterflug2013-1Beim traditionsreichen Winterflug-Turnier setzen sich die discoboyz Wien (Open) und die Woodchicas (Damen) gegen Wall City Berlin und Himmugüägeli aus der Schweiz durch. 20 Open- und 12 Damenteams spielten an diesem Wochenende auf drei Feldern in der Max-Schmeling-Halle. Von Lars-Ole Müller, Fotos: S. Wehden/diesideline.

BERLIN – Alles deutete darauf hin, dass das Open-Finale des Winterflug 2013 zwischen Wall City Berlin und den discoboyz aus Wien eine knappe Angelegenheit werden würde. Bereits im Vorrunden-Pool war man aufeinandergetroffen und hatte sich nichts geschenkt. Nach einem äußerst knappen Spiel mit wechselnder Führung hatte es am Ende 15:14 für Wall City gestanden. Beide Teams waren stark besetzt und hatten im bisherigen Turnierverlauf gezeigt, dass sie verdient im Finale standen.

Wall City um Inside-Rakete-Spieler Richard Raz, welches ab sofort von Mixed-Nationalspieler Julius Faber (ehemals Heidees Heidelberg) verstärkt wird, der beim Winterflug sein Debut für die Berliner gab, hatte im stärkeren Powerpool B (dieser stellte später alle vier Halbfinalisten) alle Spiele gewonnen. Gegen den Vorjahressieger und Erstliga-Teilnehmer Zamperl hatte man sich am Samstagmorgen deutlich mit 17:10 durchsetzen können. Es folgten das schon erwähnte Spiel gegen die späteren Finalgegner und ein Scorefestival gegen die Deckel aus Dresden. Das 25-minütige Continious-Game endete 27:13 was bei 40 Punkten insgesamt beinahe zwei Scores pro Minute entspricht.

Einem sicheren Zwischenpoolsieg gegen DJ Dahlem, der jedoch von nachlassender Kraft am späten Samstagnachmittag geprägt war, folgte ein 18:6 im Viertelfinale gegen die Kopenhagen Spinners. Im Halbfinale ging es dann wieder gegen die Zamperl, die viel stärker in die Partie kamen als am Samstag und schnell mit 6:3 in Führung gehen konnten. Wall City reagierte mit einem Time-Out und der Umstellung von „rechts auf" zu „links auf", was die starken Overheads der Zamperl besser unter Kontrolle brachte und die Bayern so zu Fehlern zwang. Als Wall City sich gegen Ende des Spiels eine Führung mit mehreren Punkten herausgearbeitet hatte, waren die Zamperl zu langen Würfen gezwungen, da ihnen die Zeit davonlief. Diese endeten jedoch allzu oft in den Händen der Defense, sodass Wall City ins Finale einziehen konnte.

Die discoboyz, auch unter dem Namen thebigEZ bekannt (so auch auf den Trikots zu sehen) hatten mit Marc „Schlumpf" Huber einen Spieler in ihren Reihen, der neben internationaler Erfahrung aus dem österreichischen Nationalteam auch schon Profi-Luft in den USA gespielt hat. 2012 warf, lief und cuttete er in der ersten AUDL-Saison für die Indianapolis Alleycats. Die Österreicher, die sich im Pool ebenfalls gegen Zamperl und Dresden durchsetzen konnten, fuhren weitere zum Teil hohe Siege gegen Leipzig, Göttingen und noch einmal Dresden (im Halbfinale) ein und konnten mit einer schnellen Spielweise, die von kurzen, sehr präzise geworfenen Pässen geprägt war, überzeugen.

Am Ende fehlt die Zeit

Im Finale ging Wall City vor recht vollen Rängen (geschätzt ca. 150-200 Zuschauer, größtenteils aus den anderen Teams) zwar nach gewonnenem Flip mit der ersten Offense in Führung, lies dann aber einige Punkte liegen, auch weil mehrere lange Break-Knifes in der Endzone nicht gefangen werden konnten. Die Gäste aus Österreich nutzen ihre Chancen hingegen fast ausnahmslos eiskalt und verbuchten mehrere Breakpunkte auf ihrem Konto, sodass sie stetig mit zwei bis drei Punkten führten. In der Mittelphase des Spiels wurden die Punkte getradet bevor es am Ende doch noch einmal spannend wurde.

Eine Minute vor Schluss verkürze Richard Raz mit einem langen Schweber (mit Ansage von Endzone zu Endzone) den Julius Faber im spektakulären Luftkampf sicherte auf 10:12. Die Wiener vergaben ihre darauf folgende Offense, was Wall City in der eigenen Endzone 30 Sekunden vor Schluss erneut in Scheibenbesitz brachte. Ein Score musste sofort her. Capitain Lukas Von Bodelschwingh wurde jedoch beim Overhead-Versuch gefoult, was den Wurf gegen die Decke lenkte. Vor der Wiederholung des Wurfes war dann die Zeit aus, sodass Wall City nur noch auf 11:12 verkürzen konnte. Am Ende des Winterflugs steht in der Open-Division ein spannendes Finale auf Augenhöhe mit einem dennoch verdienten Sieger, da Wall City in der Schlussphase des Spiels gerade in der Defense den flinken Österreichern nicht mehr genug entgegensetzen konnte.

Im Spiel um Platz 3 bewiesen die Zamperl aus München, die das Turnier im Vorjahr noch gewinnen konnten, einmal mehr ihre Klasse und schlugen die Dresdner mit 16:12.

Alle Halbfinalisten aus einem Pool

Für den zweiten Powerpool war spätestens im Viertelfinale Schluss. So auch für Frühsport aus Köln, die immerhin mit zwei Mannschaften in der ersten Liga Indoor vertreten sind, zum Winterflug jedoch nur mit fünf Kölner Spielern anreisten. Mit Pickup Spielern aus Magdeburg, Rostock, Düsseldorf und Bayreuth verstärkt, unterlagen die Kölner im Viertelfinale trotzdem mit 9:10 gegen Dresden. Dies lag zum einen an der Zonenverteidigung der Dresdner, die die Kölner zu vielen Pässen und einigen Fehlern zwang, zum anderen daran, dass im Universe Point ein langer Overhead sein Ziel in der Endzone nicht fand. Die Woodies unterlagen in ihrem Viertelfinale im Münchner Derby gegen Zamperl mit 8:13.

Für die Goldfingers aus Potsdam war genau wie für FLOW aus Bratislava schon im Zwischenpool Schluss. FLOW unterlag den Spinners aus Kopenhagen, die damit den Durchmarsch aus einem der Dreierpools ins Viertelfinale schafften. Potsdam hatte im Powerpool zwar zwei Spiele gewinnen können, durch eine ungünstige Konstellation allerdings keinen Sieg in den Zwischenpool mitgenommen. So musste das Spiel gegen die Göttinger 7 gewonnen werden. Obwohl Potsdam lange in Führung lag, konnten die Göttinger den Abstand gegen Ende des Spiels verkürzen und den Universe-Point verwandeln, nachdem die Goldfingers ihren Scheibenbesitz nicht nutzen konnten und ihre Chance, das Spiel zu gewinnen mit einem langen Pass vergaben. Die Göttinger trafen in ihrem Viertelfinale auf den späteren Turniersieger aus Wien, gegen den sie mit einem 13:16 einen Achtungserfolg erzielen konnten. Das Endergebnis der Open-Division kann weiter unten eingesehen werden.

Winterflug2013-2Favoriten dominieren starkes Frauenfeld

Bei den Frauen war das Winterflug in diesem Jahr hochkarätig besetzt. Vertreten waren mit JinX aus Berlin und U de Cologne aus Köln sowohl die amtierenden deutschen Meisterinnen Indoor (Berlin) als auch Outdoor (Köln). Dazu kamen die vielfach meisterschafts-gekrönten Woodchicas aus München und ein mit Nationalspielerinnen gespicktes Schweizer Auswahlteam mit dem schönen Namen Himmugüägeli, was die Schweizer Bezeichnung für den Marienkäfer ist (Himmelskügelchen).

Ergänzt wurde das Teilnehmerfeld durch die Damen-Teams aus Halle, Aachen/Göttingen, Wien, zwei polnische Teams, Leipzig und Heidelberg sowie ein verhältnismäßig stark besetztes Pickup-Team unter Führung von Nationalspielerin Bettina Kieser.
Am Ende der Vorrunde, in der in zwei Sechserpools je ein Round Robin gespielt wurde, standen sich aber dann doch die vier eingangs genannten Favoriten gegenüber. Dabei schlugen die Woodchicas in einem engen Kampf die Kölnerinnen um Captain und Nationalspielerin Sara Wickström mit 11:9. Besonders herauszuheben ist hierbei ein Catch von Chica Valérie Möller, bei dem sie sich in der Endzone kurz vor der Auslinie beeindruckend in die Höhe schraubte um die Scheibe zu fangen und dann den Fuß noch im Feld unterzubringen, was die Zuschauer in der Halle in den wahrscheinlich lautesten Jubel des Wochenendes ausbrechen ließ.

Im anderen Halbfinale unterlagen die JinX den Schweizerinnen doch relativ deutlich mit 17:12. So sollte es im Spiel um Platz 3 zu einer Neuauflage des Outdoor-DM Finales von 2012 Köln gegen Berlin kommen, dass im September in Frankfurt erst im Universe-Point entschieden werden konnte und 13:12 für Köln endete. Kurz vor Ende führten die JinX mit 11:8 und sahen wie die sicheren Siegerinnen aus, doch dann holten die Kölnerinnen mit einer starken Defense-Leistung auf und glichen mit Ende der Spielzeit zum 11:11 aus, sodass es wieder zum Universe-Point kann, diesmal allerdings, anders als bei der DM mit Berlin statt Köln im Scheibenbesitz. Und so behielten die Berlinerinnen die Nerven und eine Outside-Vorhand, die Lena May in die Endzone brachte, sicherte die geglückte Revanche.

Im Finale zwischen München und den Schweizer Marienkäfern setzten sich die Woodchicas dann relativ deutlich durch. Nach Ablauf der 25-minütigen Spielzeit (die Regeln im Finale waren dieselben wie auch in den übrigen Spielen), stand es 9:12. Zuvor hatten die Münchnerinnen teilweise noch höher geführt. Das Damenfinale war wie auch das in der Open-Division gut besucht und es herrschte ausgelassene Stimmung im Nebenflügel der Berliner Max-Schmeling-Halle.

DM-Vorbereitung und große Party zusammen

Das Teilnehmerfeld des Winterfluges sah in diesem Jahr etwas anderes aus als in der Vergangenheit: “Auch Indoor wird der Terminkalender immer dichter, international genauso wie in Deutschland. So mussten traditionell vertretene Teams aus Tschechien, Polen und Italien teilweise aufgrund von nationalen Meisterschaften ihre Teilnahme absagen. Dafür hatten andere Teams die Chance das erste Mal ein Winterflug zu spielen”, sagt Ausrichter Stefan Neubauer. Von der spielerischen Leistung der angetretenen Teams ist er dennoch angetan: “Ich habe viele gute Spiele auf hohem Niveau gesehen. Persönlich beeindruckt hat mich die Leistung der Göttinger im Viertelfinale gegen die späteren Turniersieger Discoboyz. Das Open Finale war zudem wirklich was fürs Auge: schnelles, präzises Spiel, spektakuläre Catches und großartige Defense-Dives.”

Dass das Winterflug in beiden Divisionen hochklassig besetzt ist, liegt zum einen an der zeitlichen Nähe zur Endrunde der deutschen Meisterschaften Indoor (2013 am 23./24. Februar). Viele Teams wollen zwei Wochen vor dem Saisonhöhepunkt eingeübte Taktiken noch einmal in einer Turniersituation gegen starke Kontrahenten testen. Allerdings ist der Continuous-Spielmodus, der sich doch sehr stark von normalem Hallen-Ultimate unterscheidet, dafür nur bedingt geeignet. Die Anwendung dieser durchgehenden Spielvariante mit ständigen Spielerwechseln ist jedoch nachvollziehbar, da es für ein Turnier mit insgesamt 32 Teams schon erstaunlich ist, überhaupt drei so hervorragende Hallen auf einmal zu bekommen. Um eine angemessene Spielzeit pro Spieler zu gewährleisten, ist das Continuous-Play daher unvermeidbar.

Weiterhin liegt der Erfolg dieses traditionellen Turniers in der guten Organisation unter Federführung von Stefan Neubauer und Tobias Hurling, die auch das Interflug-Hat im Sommer (10.-11. August) organisieren und zudem an der Ausrichtung des Sockeye-Camps Berlin (3.-5. Mai 2013) beteiligt sind. Entsprechend zu würdigen ist auch die Leistung der vielen freiwilligen Helfer, die größtenteils aus dem Berliner Team Parkscheibe stammen und die mit unermüdlichem Einsatz Wasser- und Bierkästen schleppten, ein Dinner-Catering organisierten und die Hallen in Ordnung hielten. Viel gelobt wurde auch das Turnierbuffet von Susanne Dimas vom Berliner Szene-Lokal „funkyfood“. Sie versorgte die Teilnehmer mit einer Vielzahl gesunder und frisch zubereiteter Speisen und Getränken, unter anderem Sandwiches, Smoothies und Joghurt-Kreationen.

Die Ausrichter selbst zeigten sich zufrieden: “Alles lief reibungslos. Wir sind froh, dass die Parkscheibe in den letzten Jahren immer mehr Verantwortung bei Durchführung des Turniers übernommen hat. Die größte Herausforderung ist dabei die Versorgung der Spieler mit einem leckeren und abwechslungsreichen Buffet. Parallel zum eigenen Spielbetrieb geht das nur mit viel Engagement und Herzblut. Beides haben die Jungs und Mädels in diesem Jahr wieder eindrucksvoll bewiesen.”

“Spirit- und Partysieger seid ihr alle”

Die Party fand wie auch das erste Winterflug-Dinner auf dem Berliner Pfefferberg in Laufdistanz zur Halle statt, wo DJ Suicide Dive die Feierwütigen bis in die frühen Morgenstunden zum Tanzen brachte, bevor diese in ihre Hostelbetten in der selben Anlage fallen konnten. Am Ende der Veranstaltung bedankte sich Veranstalter Tobias Hurling bei den teilnehmenden Teams: „Der Spirit-Preis und auch der Partysieg geht an euch alle“, sagte er mit einem Lächeln und entließ seine Gäste mit Schokoküssen und Herzchen-Luftballons in die kalte Berliner Februarluft. Die Endergebnisse des Winterflug 2013 können unten eingesehen werden. Einen detaillierten Spielplan mit allen Einzelergebnissen (während des Turniers sogar mit Live-Scoring) gibt es auf www.interflug-berlin.de, das Lost and Found kann hier begutachtet werden.

OPEN DIVISION:

1. Discoboyz, Wien
2. Wall City, Berlin
3. Zamperl, München
4. Drehst´n Deckel, Dresden
5. Woodies, München
6. Göttinger 7, Göttingen
7. Frühsport, Köln
8. Spinners, Kopenhagen
9. Goldfingers, Potsdam
10. Flow, Bratislava
11. DJs Dahlem, Berlin
12. Saxy Divers, Leipzig
13. Never Sleeps, Moskau
14. TiBMob, Berlin
15. Parkscheibe, Berlin
16. DiscKick, Berlin
17. Paradisco, Jena
18. Projekt iX, WIen
19. Funatics, Hannover
20. Red Eagles, Berlin

DAMEN DIVISION:
1. Woodchicas, München
2. Himmugüägeli, Schweiz
3. JinX, Berlin
4. U de Cologne, Köln
5. Box, Wien
6.Troubles, Warschau
7. Saxy Divas, Leipzig
8. Halle Berries, Halle
9. Whatever, Breslau
10. Ultimate AG, Aachen/Göttingen
11. Heidees, Heidelberg
12. ClF, International (Pickup)