Regelfrage zum Stellungs- und Laufspiel

WFDF-Regelbersichts-AusrissAnfrage aus Kiel sorgt für regen Austausch - Umfangreiche Regelkenntnis nötig

Kiel – Eine Regelanfrage des erfahrenen Kieler Ultimatespielers Malte Pätzold hat zu einem regen Gedankenaustausch innerhalb des Regelkomitees der DFV Ultimate-Abteilung geführt. Seine Anfrage bezieht sich auf den Fall eines Stellungs- bzw. Laufverhaltens des Verteidigers, das den geplanten Laufweg des Angreifers bewusst blockiert.

Insgesamt stellt er eine nur geringe Regelsicherheit unter der Mehrheit der Spieler fest. Dabei verlangt gerade die Idee eigenverantwortlicher Spielregulierung eine umfangreiche Kenntnis. Daher werden diese Anfrage und die ausführliche Antwort darauf hier publiziert. Konkret moniert Malte Pätzold: „Bei National-Trainingslagern wird gelehrt, dass der Verteidiger dem Angreifer den Raum nehmen soll, indem er sich so vor ihn bewegt, dass der nicht mehr weiterlaufen kann, oder sein Angebot abbrechen muss." Dabei bezieht er sich auf die Foul-Regel 17.8.1.: „Ein Spieler nimmt eine Position ein, die es einem sich bewegendem Gegner unmöglich macht, ihm auszuweichen und es kommt zum Kontakt."

Kontakt vermeiden ist das oberste Gebot

DFV Ultimate-Vorstand und Open-Nationalspieler Bernhard Otto bestätigt: „Auf den Trainingslagern wird gelehrt, dass man als Verteidiger seinen Körper benutzen kann, um den Angreifer daran zu hindern auf die offene Seite zu cutten.“ Er betont, dass dies regelkonform ist, „solange ich die Bewegung und Geschwindigkeit des Cutters einberechne“. Weiter führt er aus: „Natürlich darf ich mich nicht so in seinen Laufweg bewegen, dass es zwangsläufig zu einem Kontakt kommt: Das ist ein Foul des Verteidigers. Wenn der Angreifer jedoch in einen stehenden Verteidiger hinein läuft, dann ist es ein Offense-Foul.“

Zwischen diesen beiden extremen, aber im Prinzip klaren Situationen besteht jedoch ein etwas komplizierter Zwischenbereich, so Bernhard Otto weiter: „Wenn ich als Verteidiger auf der offenen Seite stehe und mein Angreifer läuft los, um an mir vorbei zu laufen, darf ich mich in seinen Laufweg bewegen, solange er die Möglichkeit dazu hat, den Kontakt durch eine Richtungsänderung oder durch Anhalten zu vermeiden.“ Dabei laufen beide auf denselben Punkt zu, und wenn der Verteidiger früher da ist, hat er damit eben das Recht da zu sein: „Daher muss der Angreifer dann einen Cut machen, um am Verteidiger vorbei zu kommen.“

Verteidiger- und Angreifer-Foul möglich

Die Einschränkung in diesem Sachverhalt ist nun genau die in der Regel genannte Möglichkeit des Angreifers, dem Verteidiger auszuweichen. Dieser darf das nur machen, wenn er dem Offender die Chance gibt den Kontakt zu vermeiden. Wenn ein Spieler in der Praxis beim Versuch so zu verteidigen häufig einfach zu langsam ist und dann selbst einen Kontakt verursacht, dann ist das ganz klar ein Foul des Verteidigers. Wenn der Verteidiger jedoch schnell genug und als erster in der angestrebten Position ist und der Angreifer dann in ihn hineinläuft, obwohl er das hätte verhindern können, dann ist das ein Offense-Foul (s.o.).

Darüber hinaus differenziert Bernhard Otto noch einmal nach der Situation, ob ein Angreifer versucht sich freizulaufen, oder ob ein Angreifer versucht eine bereits in der Luft befindliche Scheibe zu fangen. Im ersten Fall sind Angreifer und Verteidiger gleichberechtigt, wenn es darum geht eine bestimmte Position auf dem Feld einzunehmen. Wenn der Verteidiger vorher da ist, dann hat er das Recht auf diese Position und der Angreifer muss ausweichen oder abstoppen. Im zweiten Fall aber, wenn die Scheibe schon in der Luft ist, dann und nur dann gilt die Regel 12.7.: „Wenn ein Spieler versucht, die Scheibe zu spielen, darf kein Gegner absichtlich seine Bewegung einschränken, ohne selbst zu versuchen, die Scheibe zu spielen.“ Genau dafür ist diese Regel aufgenommen worden, damit in diesem Fall eben nicht der Spieler behindert werden darf, zur Scheibe zu gehen. Oder eben nur beiläufig, wenn der Verteidiger auch zur Scheibe geht.

Rechtzeitiges Positionieren vs. Blocking Foul

Zusätzlich geht er auf die neue Regel 12.11. (in der WFDF-Regelfassung 2013) ein, die besagt, dass ein Verteidiger den Gegner nicht mit Beinen und Armen an seiner Bewegung hindern darf: „Implizit ist damit ja gesagt, dass ich ihn mit meinem Körper an der Bewegung hindern darf. Wenn ich vor ihm da bin, darf ich ihm meinen Körper in den Weg stellen und er muss mir ausweichen.“ Die Regel lautet im Original, 12.11: „Players may not use their arms or legs to obstruct the movement of opposing players.”

Rue Veitl, der Vorstand des Eventkomitees der DFV Ultimate-Abteilung, führt die obige Unterscheidung noch einmal aus, indem er zwischen dem „rechtzeitigen Positionieren“ und einem „Blocking Foul“ bzw. „Dangerous Play“ trennt. Das rechtzeitige Positionieren ist oben beschrieben. Wenn der Angreifer jedoch sehr schnell ist und „gerade noch so“ ausweichen kann, dann liegt bereits ein gefährliches Spiel („Dangerous Play“) vor; wenn er nicht mehr ausweichen kann, ist das ein „Blocking Foul“. Hinsichtlich des gefährlichen Spiels greift Regel 17.1.1: „Rücksichtslose Vernachlässigung der Sicherheit anderer Spieler wird als gefährliches Spiel gewertet, unabhängig ob oder wann es zu einer Berührung kommt. Gefährliches Spiel wird behandelt wie ein Foul. Diese Regel steht über allen anderen Regeln.”

Bei gefährlichem Spiel ist Abbrechen Pflicht

Rue Veitl ergänzt: „Was allerdings nicht regelkonform ist, aber auch oft so gespielt wird: Dass der Verteidiger - auch bei stehenden und langsamen Situationen – aktiv den Körperkontakt sucht.“ Als weiteres heikles Thema spricht er das gefährliche Spiel an, wenn zwei Leute zeitgleich zur Scheibe gehen. Ungefährlich bleibt es, so lange genug Platz da ist. Dann gilt: Wer als erstes da ist, bekommt die Scheibe. Fangen beide gleichzeitig, dann bekommt sie die Offense. Rue Veitl schränkt ein: „Wird es aber mal eng, dann ist das oberste Gebot, dass man versucht eine Verletzung oder eine gefährliche Situation zu vermeiden. Dann sind alle Spieler in der Pflicht abzubrechen!“ Anschließend müssen sie sich fragen: Wer wäre vorher an die Scheibe gekommen wenn sie nicht abgebrochen hätten? Derjenige soll dann die Scheibe bekommen.

Die Richtigkeit dieser Interpretationen bestätigt zuletzt auch die geänderte Definition von „Foul“ im Anhang der neuen Regeln: „Initiate contact. Any movement towards a legally positioned opponent (either their stationary position, or their expected position based on their established speed and direction), that results in unavoidable non-incidental contact.” Dies zeigt erneut: Ein Spieler, der behindert wird, aber ausweichen kann, muss ausweichen und dann eine Violation callen. Wenn er nicht ausweicht, begeht er ein Foul.

Die noch aktuellen Ultimate-Regeln in der Version 2009, der Artikel zur Ankündigung der WFDF-Regelversion 2013 mit weiterführenden Links.