Großes Spielkind mit Bewegungsdrang

MelinArthurLehrerin Alexa von Reden erinnert sich an ihr Au Pair-Jahr 1969 bei einem der Wham-O-Gründer

Hannover/San Gabriel – Nach ihrem Abitur im Jahr 1969 plante Alexa von Reden ein Austauschjahr in einem englischsprachigen Land, da sie Sprachen studieren wollte. Durch Zufall gelangte sie als Au Pair-Mädchen in den Haushalt von Spud Melin, einem der Mitbegründer des Spielzeugunternehmens „Wham-O“, und besuchte schon damals eines der ersten Frisbee-Turniere.  Heute, kurz vor dem Ende ihrer beruflichen Laufbahn als Realschullehrerin denkt sie mit Freude und Dankbarkeit an die damalige Erfahrung zurück.

Arthur Melin, von allen nur „Spud“ genannt, betrieb zusammen mit Richard Knerr das Spielzeugunternehmen „Wham-O“, das so große Verkaufsschlager wie den „Silly String“ (eine Schleuder), die „Slip’n’Slide“-Rutsche, den Hula-Hoop-Reifen, den Hacky-Sack, den Superball und die Frisbee auf den Markt brachte. „Das einzige bewegliche Teil daran bist du“ lautete die Devise für die Action-Spielzeuge, mit denen sie Millionen verdienten. Das Unternehmen mit bis zu 1.000 Beschäftigten unterhielt einen 8-Gebäude-Komplex in San Gabriel in Kalifornien.

Spud-Melin_Rich-KnerrDen Mitbegründer Rich Knerr hat Alexa von Reden nie getroffen, nur über ihn reden hören. Ihr Beschäftigungsfeld lag im 7-köpfigen Haushalt der Melins, wo sie vor allem die vier jüngeren Töchter betreute (damals zwischen 4 und 14 Jahren alt). Die älteste Tochter der Familie war mit 19 Jahren genau so alt wie das Au Pair-Mädchen. „Es war eine tolle Zeit mit vielen unvergesslichen Eindrücken“, fasst die heutige Lehrerin kurz vor dem Ruhestand zusammen.

„Spud war ein großer, erfindungsreicher Junge, der kaum lange still halten konnte“, beschreibt sie den sympathischen Unternehmer, dessen großes, langgezogenes Haus unmittelbar neben einem Golfplatz lag. „Wenn Spud mittags nach Hause kam, ging er oft erst einmal eine Runde Golf spielen.“ Eines Tages entdeckte sie den riesigen Keller, der vollgestopft war mit allen Arten von Spielzeug-Prototypen. Die beiden Produzenten verfuhren bei Neuentwicklungen nämlich derart, dass sie neue Produkte zur Bewährung den Kindern ihrer Mitarbeiter zum Ausprobieren gaben. Da kam einiges zusammen.

„Einmal fuhren wir mit der ganzen Familie ins Blaue“, erinnert sich Alexa von Reden, „Spud war nicht der Typ, der einem vorher erzählte, was geplant war.“ Sie landeten auf einer grünen Wiese, wo ein Frisbee-Turnier stattfand. „Was genau gespielt wurde, weiß ich nicht, vermutlich Weitwurf.“ Der Teamsport Ultimate war erst ein Jahr zuvor am Amherst College erfunden und später an der Columbia High School in Maplewood, New Jersey, weiterentwickelt worden. Möglich ist aber auch, dass es sich um eines der frühen Guts-Turniere handelte.

Sie erinnert sich auch an verschiedene Mythen der Namensgebung für die Sportflugscheiben. So sei davon gesprochen worden, dass mit dem Namen das Fluggeräusch einer vorbei fliegenden Scheibe imitiert würde, oder dass er aus dem Hawaiianischen stamme. Vermutlich zutreffender und allgemein gängig ist heute die Erklärung, dass Rich Knerr Studenten beim Werfen von Kuchenblechen der Bäckerei „Frisbie Pie Co.“ beobachtet und dabei den Warnruf „Frisbie!“ phonetisch falsch übertragen hat.

Als sie nach ihrem Jahr als Au Pair-Mädchen 1970 zurück nach Deutschland kam, erhielt Alexa von Reden ein großes Überraschungspaket von der Familie Melin, worin sich auch zahlreiche Frisbees befanden. Viele verschenkte sie an Freunde und spielte später immer noch regelmäßig im Urlaub damit. Spätere Berührungspunkte mit den Flugscheiben als Sportgeräte hatte sie während ihrer folgenden Arbeitszeit als Lehrerin nicht mehr. Spud Melin starb, an Alzheimer erkrankt, im Juni 2002, Richard Knerr im Januar 2008 an den Folgen eines Schlaganfalls. Der Erstgenannte vermachte sein Gehirn zu Forschungszwecken einer Universität.

Quellen: USA Today, 29.06.2002, “Spud Melin, man who popularized Frisbees, dies” - The Guardian, 06.07.2002, “Arthur Melin – The man who brought us the Hula-Hoop and the Frisbee” - frisbeesportverband.de, 21.01.2008, „Das schwebende Erbe des Spielzeugproduzenten“, frisbeesportverband.de, 31.01.2008, „Wem gehört das zweite „e“ in „Frisbee“?“ - frisbeesportverband.de, 31.01.2008, „Flying Disc als Bezeichnung für Frisbeesport“.