Interview mit dem neuen deutschen Generalsekretär des Welflugscheiben-Verbandes (WFDF), Volker Bernardi
Geschrieben von: Jörg Benner Dienstag, den 08. Februar 2011 um 01:00 Uhr
DFV: Volker Bernardi, seit Anfang Februar leitest Du als neuer Generalsekretär das WFDF-Büro in Deutschland. Wie ist es dazu gekommen?
Volker Bernardi: Ich hatte die anspruchsvolle Stellenanzeige auf der Homepage des „SportAccord" gefunden, des Weltverbands aller Sportverbände, und habe mich kurz entschlossen darauf beworben.
DFV: Kannst Du einen kurzen Abriss Deiner bisherigen Tätigkeiten in der Sport-Administration geben?
Volker: Ich bin Rechtsanwalt mit dem Schwerpunkt Sportrecht und Internationaler Sportberater. Daneben habe ich mehrere Ämter in der Sportlandschaft des Saarlandes bekleidet, war Direktor beim Internationalen Kanu-Verband mit Sitz in Madrid und war in dieser Funktion bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 und Athen 2004, habe 2008 die Schach-Olympiade in Dresden mit 1.700 Athleten mit organisiert und bin seit einigen Jahren im Deutschen und in internationalen Squash-Verbänden tätig.
DFV: Was hat Dich dazu bewogen, Dich für dieses Amt zu bewerben? Hattest Du bisher eine Beziehung zum Frisbeesport?
Volker: Als Jugendlicher habe ich wie fast jeder im Sommer natürlich auch Frisbee gespielt. Den Frisbeesport habe ich aber erst richtig bei den World Games 2005 in Duisburg kennen gelernt und war davon stark beeindruckt. Ich glaube der Sport hat als World Games-Disziplin, aber auch aufgrund der einfachen Möglichkeit, ihn überall auszuführen, ein immenses Potenzial.
DFV: Was reizt Dich besonders an der Aufgabe, als Direktor des WFDF tätig zu werden?
Volker: Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, wie es in der Ausschreibung des WFDF stand, den Weltverband zu einem professionellen internationalen Dachverband zu entwickeln. Dazu möchte ich mein erlerntes Handwerk der Sportadministration auf allen Ebenen einsetzen. Mir sind die sportpolitischen Anforderungen zur Weiterentwicklung einer World Games-Sportart sehr gut bekannt und ich glaube, dass beim Frisbeesport besonders gute Bedingungen für eine rasante Weiterentwicklung bestehen, zum einen, weil er wie ich schon sagte überall einfach zu spielen ist, und zum anderen aufgrund des „Spirit of the Game" und der Eigenverantwortung der Sportler, weshalb er zur Botschafter-Disziplin des Fairplays für die World Games 2013 im kolumbianischen Cali gewählt wurde.
DFV: Welche zentralen Herausforderungen siehst Du zu Beginn Deiner Tätigkeit?
Volker: Ich sehe von meiner Seite aus drei Ziele, die ich mit höchster Priorität belegen würde. Allerdings ist mir bewusst, dass der WFDF-Vorstand über diese Vorschläge zu entscheiden und die Hauptversammlung diese Entscheidungen abzusegnen hat. Diese Ziele wären erstens die Umsetzung der Bestimmungen des WADA Anti-Doping-Codes noch in diesem Jahr, zweitens eine moderne, webbasierte Kommunikation, die kontinentale und nationale Unterseiten für Neuigkeiten und Veranstaltungen beinhaltet, und drittens eine Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) bis Mitte 2012, pünktlich zu den Olympischen Spielen in London. Daneben möchte ich den Verband zu einer Servicestelle für seine Mitglieder entwickeln und den Aufbau von Kontinentalverbänden vorantreiben
DFV: Könntest Du die Voraussetzungen zum Erreichen der drei genanten Ziele kurz darstellen?
Volker: Die Bedingungen der World Anti Doping Agency (WADA) können durch relativ bescheidene Einführung von sts, bspw. in fünf Ländern auf jeweils vier Kontinenten, umgesetzt werden - in Deutschland müsste z.B. bei der Ultimate-DM 2011 je ein zufällig ausgewählter Spieler der beiden Open-Finalisten getestet werden. Für den Bereich Anti-Doping sowie für die Kommunikation hat der WFDF bei der jüngsten Telefon-Konferenz bereits jeweils eine Task Force gebildet. Für den dritten Punkt der „IOC Recognition" ist ein Pflichtenheft zu erfüllen, das unter anderem die WADA Code Compliance sowie das Ausüben des Sports in wenigstens 50 Ländern weltweit umfasst.
DFV: Welche Aufgaben wird Deine Tätigkeit im Alltagsgeschäft voraussichtlich enthalten?
Volker: Der neue WFDF-Präsident Robert „Nob" Rauch hat meine Position als die eines „Katalysators" bezeichnet. Die Kommunikation wird sicher einen Hauptaspekt meiner Tätigkeit darstellen. Daneben geht es mir wie gesagt darum, den Verband zu professionalisieren und mit meinen Kenntnissen aus der internationalen Sportadministration Diskussionen zu beschleunigen und, sobald möglich, verwertbare Fakten zu schaffen.
DFV: Was steht für Dich nun zunächst an, um Dich in den neuen Posten hineinzuarbeiten? Gibt es ein Ziel für das erste Jahr 2011?
Volker: Zunächst geht es um die Übergabe der Geschäfte vom bisherigen Teilzeit-Generalsekretär Kevin „Skippy" Givens in Santa Cruz, möglichst bis Ende des ersten Quartals. Dann werde ich noch im Februar ein persönliches Antrittsgespräch mit dem WFDF-Präsidenten Nob Rauch haben, wobei wir hoffentlich bereits einige Ziele für 2011 festlegen können. Ich habe schon mitbekommen, dass der Umgang miteinander im Frisbeesport viel lockerer und persönlicher ist als in anderen Sportarten, vermutlich weil die allermeisten Funktionäre auch ehemals Spieler waren.
DFV: Wird Dein Amtsantritt in Deutschland Deiner Ansicht nach mögliche Auswirkungen auf den Frisbeesport in Deutschland haben? Wenn ja, welche?
Volker: Die Mitgliedschaft des DFV im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ist von entscheidender Bedeutung – Stichwort „Katalysator". Dieses Satzungsziel gilt es aus meiner Sicht mit aller Kraft zu verwirklichen. Ich glaube, dass in Deutschland bereits vieles sehr gut läuft, so die Öffentlichkeitsarbeit, die steigende Präsenz des Sportes an Hochschulen und in Schulen und auch die aktuell laufende Entwicklung einer Ausbildungsordnung. Wir sollten in naher Zukunft aber über Mittel und Wege nachdenken, wie wir eine Aufnahme in den DOSB erreichen können. Denn nur darüber gibt es Gelder und durch entsprechende Programme große Unterstützung bei der weiteren Entwicklung.
DFV: Die Teilnahme an welchen internationalen Meisterschaften steht auf Deinem Programm?
Volker: 2011 ist, soweit ich weiß, das Jahr der Ultimate-Kontinentalmeisterschaften und dazu werde ich wenn möglich die Meisterschaften in Europa Anfang August in Maribor, Slovenien, sowie in Asien zu Kontakten mit den nationalen Verbänden nutzen. Ansonsten bin ich der Meinung, dass jeweils kontinentale Vertreter des WFDF auch die dort stattfindenden internationalen Meisterschaftsturniere besuchen sollten. Daneben werde ich in Deutschland einige Turniere besuchen, auch der Disc Golfer und der Freestyler, um mit der Organisation und dem Ablauf dieser Turniere vertrauter zu werden und mir ein besseres Bild der Sportgemeinschaft machen zu können.