Interview mit Valeska Schacht aus Hannover, DFV-Juniorinnen-Koordinatorin und Trainerin der U20 Damen-Nationalmannschaft
Geschrieben von: Jörg Benner Mittwoch, den 04. Mai 2011 um 15:23 Uhr
DFV: Valeska Schacht, als Juniorinnen-Koordinatorin und Trainerin der U17 und U20-Damen steht für Dich in diesem Jahr wieder eine Junioren-EM ins Haus. Wie ist der Stand der Vorbereitungen?
Valeska: Soweit ganz gut. Wir kommen diesen Monat in die heiße Phase mit den offenen Sichtungstrainingslagern in Gemmrigheim und Hannover. Danach geht es dann Schlag auf Schlag: Vorbereitungsturniere und EM-Vorbereitungstrainingslager im Juni und Juli und dann im August die EM. Bisher haben wir für beide Altersklassen ungefähr 60 Spielerinnen, die hoffentlich alle kommen, um dabei zu sein.
DFV: Du hattest zusammen mit anderen drei Girlsdays in Deutschland organisiert. Wie waren der Verlauf und die Resonanz?
Valeska: Die Girlsdays liefen sehr gut. Leider konnte ich selbst aufgrund einer Verletzung gar nicht dabei sein. Es waren ungefähr 50 Spielerinnen - davon ca. 20 ganz neue - bei den Trainingstagen dabei, die jetzt auch zu den Sichtungstrainingslagern kommen. Die Girlsdays sind auch dieses Jahr wieder ganz wichtig für Aufbauarbeit im weiblichen Juniorenbereich.
DFV: Jetzt stehen die beiden Trainings- und Sichtungslager Süd und Nord bevor, was ist dort geplant?
Valeska: Erstmal müssen wir uns einen Überblick verschaffen, aus welchen Spielcharakteren sich die Altersklassen zusammensetzen, welches Spielniveau gegeben ist und woran wir dann noch arbeiten müssen. Inhaltlich werden wir uns viel auf die grundlegenden Basics konzentrieren und versuchen die ganz verschiedenen Spielniveaus unter einen Hut zu bekommen. D.h. viel Werfen & Fangen - gerade aus der Spieldynamik und unter Stress & Druck, Laufwege & Spieldynamik in der Mitte.
DFV: Wie sieht dann konkret der Nominierungsprozess für die beiden Juniorinnen-Teams für die EM in Polen aus?
Valeska: einen Großteil der Spielerinnen werden wir in bzw. nach den beiden Trainingslagern jetzt im Mai nominieren. Ein paar Spots werden wir offen halten, um dann bei den nachfolgenden Vorbereitungsturnieren noch engagierte und motivierte Spielerinnen zu nominieren, die wir uns noch länger anschauen wollen. D.h. eine Chance reinzukommen haben erstmal alle - und wir wollen auch gerade Spielerinnen belohnen und mitnehmen, die hart trainieren und arbeiten, um mit zu kommen.
DFV: Worauf werden die anderen Juniorinnen-Coaches und Du bei der Auswahl am meisten achten?
Valeska: Schwierige Frage! Es ist eine Kombination aus Grundlagen/ Basics/ Scheibensicherheit - Fangen, Werfen, Grundverständnis von Defense & Offense sollte vorhanden sein/ Engagement & Motivation - eine "ich will dabei sein, koste es was wolle"-Einstellung, Spielerinnen die uns zeigen, dass sie hart dafür arbeiten & trainieren, um mit dabei zu sein. Fitness - nicht zu unterschätzen!!!
DFV: Welchen Stellenwert hat bei den Mädchen die Fitness und Athletik, welchen die Scheibensicherheit?
Valeska: Bei den Mädchen selbst ist Fitness & Athletik wahrscheinlich eher untergeordnet. Aber uns hat gerade die WM letztes Jahr gezeigt, dass gerade eine gute Fitness & Ausdauer für ein erfolgreiches Spiel ausschlaggebend sein kann. Daher hat das für uns dieses Jahr einen höheren Stellenwert. Und auch Scheibensicherheit wird eher als automatisch generiertes Können angenommen, wenn man Ultimate spielt - aber auch hier hat uns die WM letztes Jahr eine ziemlich harte Lektion erteilt. Hier müssen wir noch einiges an Trainingsarbeit leisten und ein Verständnis dafür aufbauen, dass sich das auch nur durch intensives, konzentriertes Training und viel Eigenengagement aufbaut.
DFV: Wie groß sollen die Kader ungefähr sein, wie homogen werden sie sein können?
Valeska: Wir denken, dass wir ähnlich wie letztes Jahr irgendwo zwischen 16 und 20 Spielerinnen pro Mannschaft aufstellen. Und lieber eine homogenere Truppe mit weniger Spielerinnen als zu große Leistungsunterschiede bei einem sehr großen Kader. Die Homogenität wird eher für die U20 als für die U17 ausschlaggebend sein. Die U17 setzt sich aufgrund der noch sehr jungen Altersklasse einfach aus vielen Spielerinnen querbeet durch das ganze Leistungsspektrum zusammen.
DFV: Was steht nach den beiden Trainingslagern dann weiter an Vorbereitung auf dem Programm?
Valeska: Danach geht es für die Teams zu den Vorbereitungsturnieren. Die U20 spielt bei den Disc Days in Köln und im Juli in Ash/Czech. Beides sind hervorragende Turniere mit einem sehr spannenden Pool und Ash liefert uns gleich die erste Möglichkeit uns auf internationalem Level vorzubereiten. Die U17 spielt - hoffentlich - in Münster beim Spirit Camp. Falls das ausfällt, wird es schwierig für die U17 ein passendes Turnier zu finden, da das Schülerturnier in Celle, das wir in den letzten zwei Jahren gespielt haben, dieses Jahr erst nach der EM stattfindet. Als letzte zentrale Vorbereitung steht dann vom 14.-16. Juni ein 3-tägiges EM Vorbereitungstrainingslager in Bad Rappenau an.
DFV: Zum Turnier selbst vom 8.-13. August im Polnischen Wrozlaw: Was erwartest Du realistisch von den beiden Juniorinnen-Teams - die U17 gehen als Titelverteidigerinnen ins Turnier?
Valeska: Ich denke, dass die U17 ihren Titel auf jeden Fall erfolgreich verteidigen kann. Wir haben viele Spielerinnen vom letzten Jahr, die wieder mit dabei sind, und die einen enormen Sprung nach vorne gemacht haben und einige neue starke Spielerinnen die dazustoßen. Die U20 denke ich kann sich unter den ersten drei platzieren, wenn die Spielerinnen in ihr Spiel finden und sicher an der Scheibe ist. Das hat uns letztes Jahr ganz eindeutig gefehlt.
DFV: Du selbst hattest einen Kreuzbandriss und befindest Dich auf dem Weg der Besserung. Wann wirst Du wieder sportlich aktiv werden können? Die Senioren-EM in Maribor dürfte für Dich nicht mehr realistisch sein, oder?
Valeska: Das ist ein ganz schön frustrierendes Thema! Leider sind damit einige große Ziele & Träume dieses Jahr für mich geplatzt. Ich plane damit erst wieder die Outdoor Saison 2012 zu spielen. Nach der OP und Reha ist ein Start gleich in die Hallensaison Unsinn, und das "neue" Band braucht einfach eine ganze Weile bis es komplett ein- und ausgeheilt ist. Ich lasse es lieber langsam und geduldig angehen (sage ich jetzt, bevor die Welle der Ungeduld über mich schwappt!), bereite mich athletisch dann intensiv vor und steige wieder mit 100% ein, als es zu schnell angehen zu lassen und damit eine erneute Verletzung zu riskieren. Ich profitier da einfach mal von den zahlreichen Erfahrungen anderer Sportler, die zu früh zu viel und zu schnell wollten und muss sie nicht selbst machen.
DFV: Du hattest zusammen mit anderen drei Girlsdays in Deutschland organisiert. Wie waren der Verlauf und die Resonanz?