Interview mit Robert Klein von den Hallenser Hallunken, zusammen mit Turnierdirektor Dominik Hill Hauptorganisator der Mixed Ultimate-DM 2011

DFV: Robert, Ihr habt die Mixed-DM glücklich und erfolgreich hinter Euch gebracht. Was ist der schönste Moment von diesem Turnier, an den Du Dich erinnerst?

Robert: Als Ausrichter war es am schönsten, als am späten Sonntagabend alles wieder verpackt war. Ein letzter Blick über die verlassenen Felder, auf denen sich vorher noch hunderte SpielerInnen tummelten - wir haben's geschafft. Aber auch die Party war ein Höhepunkt und in manchen Spielen gab es glanzvolle Momente...

DFV: Was war für Euch die größte Schwierigkeit, als klar wurde, Ihr würdet anstelle Eures üblichen Mixed-Turniers nun kurzfristig eine DM draus machen?

Robert: Es ist bei uns leider recht schwierig, mit dem Verein vor Ort verbindliche Abmachungen zu treffen. Das hat uns etwas Kopfschmerzen bereitet. Außerdem haben wir uns kurzfristig entschieden, die Mixed-DM auch als Hallunken Ultimate Turnier 15 - also das 15. Jubiläums-HUT - zu gestalten und wollten einen gewissen kulturellen Rahmen bieten. In der Kürze der Zeit war das herausfordernd, aber wir haben unser bestes gegeben und viele SpielerInnen haben uns nachher positives Feedback gegeben.

DFV: Wieviel Leute haben ungefähr federführend in welchen Bereichen gearbeitet?

Robert: Mit Dominik Hill hatten wir einen Oberorganisator, der den Überblick über alles Wesentliche behielt, obwohl er diese Aufgabe zu ersten Mal übernahm. Eine Handvoll erfahrene Hallunken standen bereit, ihm unter die Arme zu greifen und Handlungsbedarf rechtzeitig zu erkennen. Wir arbeiten viel mit Listen, die wir online verwalten. Dort steht, wann was getan werden muss und Dominik hat die Aufgaben zugeteilt, wo er sie nicht selbst übernommen hat. Mit dem richtigen Zeitplan kann man so viel Arbeit im Vorfeld erledigen bzw. zumindest die wichtigen Posten alle absichern, z.B. Transportfahrzeuge, Kühlhänger, Brötchenbestellung, Abkreiden, Verhandlung mit den Leuten von der Sportanlage, Miete der Zelte, Sanitäter, Musikanlage, Pressearbeit, Einkaufslisten, Einkauf selbst, Party-Getränke, DJ... vieles, was man langfristig angehen kann und wo Voraussicht letztlich Kraft spart. Diese Aufgaben werden bei uns auf Einzelne verteilt, die dann letztlich zwar die Verantwortung tragen, aber natürlich auch immer Hilfe von anderen bekommen.

DFV: Was sind Eurer Ansicht nach die Grundvoraussetzungen für mögliche Ausrichter, um z.B. im kommenden Jahr eine Mixed-DM durchzuführen?

Robert: Für uns war die Ausrichtung des Turniers in der Größe nur möglich, weil wir alle Felder an einer Stelle hatten. Das ist ein großer Vorteil, wenn man kein großes Ausrichterteam oder eine Schar Freiwilliger hat. Ansonsten sind für uns die Voraussetzungen nur, dass jede(r) mit anpackt und sich einbringt: Vorher, dabei und nachher. Mit unseren etablierten Beziehungen zum Wirt und dem Getränkelieferanten (und anderen) und vielen organisatorischen Erfahrungen aus den vergangenen HUTs sind wir eigentlich für alles gewappnet. Wir haben den Vorteil, dass wir unsere Zelte (Orga und Verpflegung) recht günstig mieten können und z.B. auch die Musikanlage fast kostenlos nutzen können. Transportkapazitäten sind immer knapp, aber in Halle sind die meisten Wege kurz, was auch dieses Problem entschärft. Am allerwichtigsten ist es, sich langfristig mit der Ausrichtung auseinanderzusetzen. Aus dem Boden stampfen kann man ein solches Turnier kaum. Trotzdem kann eine kleine Gruppe motivierter Leutchen mit Ausrichtungserfahrung alles reißen!

DFV: Wie würdet Ihr Bedenken begegnen, die lauten: Das ist viel zu groß für uns, das schaffen wir nie?

Robert: Es ist eigentlich so, dass man für 10 Turniermannschaften zwar viel Aufwand treibt, aber dieser Aufwand verdreifacht sich nicht für 30 Mannschaften. An manchen Stellen kann man also "sparen", weil sie einfach schon da sind. Wir waren dieses Jahr ca. 15 Hallunken, die das komplette Turnier geregelt haben. Wer als Mannschaft Ausrichtererfahrung hat und in seiner Stadt genügend schöne, bezahlbare Plätze findet, kann auch eine Mixed-DM ausrichten.

DFV: Wenn es z.B. um den Spielplan geht - hat die Kooperation mit dem Spielmoduskoordinator Flo Pfender gut funktioniert?

Robert: Ich war zwar nicht direkt involviert, habe aber trotzdem mitbekommen, dass der Spielplan vor dem Turnier noch einmal geändert werden musste, weil Teams abgesagt hatten. Das ist immer ärgerlich für die Ausrichter, denn Planungssicherheit ist wichtig. Vor Flos Arbeit habe ich Respekt, weil es schwierig ist, einen Spielplan zu stricken, der allen Teams die Chance einräumt, Meister zu werden und nicht zu sehr abhängig ist von der Setzliste. Die Setzliste zu erstellen ist, nebenbei bemerkt, auch kein einfaches Ding. Aber Flos Erfahrung hat uns da weit gebracht und Kommunikation und Abstimmung waren sehr gut und unkompliziert.

DFV: Mit wie vielen Leuten - oder wie - habt Ihr dafür gesorgt, dass Spielergebnisse und Spirit-Bewertungen von allen Spielen zur Sammelstelle gelangt sind?

Robert: Wir haben niemanden konkret dafür abgestellt, diese Aufgaben zu übernehmen. Es funktioniert auch nicht von alleine, wenn man allen Teams die Notwendigkeit dessen einbläut, daher haben wir oft per Mikrofon daran erinnert bzw. konkret nachgefragt. Aber die meisten Mannschaften wissen, dass es wichtig ist, zumindest die Spielergebnisse schnell zu kommunizieren und z.T. haben die Teams ihre Spielergebnisse einfach selbst in den Spielplan eingetragen.

Bei den Spiritzetteln hatten wir eine gute Idee, die ich anderen Turnierausrichtern nur empfehlen kann: Wir haben für je Samstag und Sonntag kleine Pappkärtchen ausgegeben, auf denen die Teams die Spirit-Scores für ihre jeweiligen Gegner eintragen konnten, um sie am Ende des Tages abzugeben. Vorteil: Die WFDF-Legende zu den Scores muss nur einmal (auf die Rückseite) gedruckt werden, man muss den Zetteln weniger hinterher rennen und die Teams können direkt beim Ausfüllen vergleichen, wie sie ihre Gegner relativ bewerten. Die Auswertung ist auch einfacher mit weniger Zetteln.

DFV: Mit Euerm zeitnahen Online-Ergebnisdienst habt Ihr vielen eine große Freude bereitet. Wie schwierig war die Umsetzung?

Robert: Ich denke, dass in der heutigen Zeit auf jedem Turnier jemand zu finden ist, der die entsprechende Technik dabei hat und beherrscht. Für uns war das ein Surfstick am Orga-Laptop. Der Rest ist dann total easy. Man muss nur jemanden finden, der die Sache übernimmt. Wenn man aber aufzeigt, dass die Alternativen Salatschnibbeln und Bierkästentragen sind, findet sich meist schnell jemand. Am besten man bereitet zu Hause in Kooperation mit ulimateliga.de schon vor, wie die ersten Spiele aussehen, dann muss man nur noch eintragen.

DFV: Hattet Ihr eine gewisse öffentliche Wahrnehmung (Zuschauer, Berichte)? Wenn ja, welche?

Robert: Wir hatten eine Handvoll Zuschauer, die z.T. ohne persönliche Werbung zum Turnier kamen. Einige tauchten auch prompt beim nächsten Anfängertraining auf, worüber wir uns sehr freuten. Einen Vorbericht gab es im Wochenspiegel, einer kostenlosen Regionalzeitung. Einen Nachbericht mit großem Bild gab es in der Mitteldeutschen Zeitung (MZ) - leider ist beides online nicht verfügbar. Aber gerade mit dem Artikel in der MZ erreichen wir viele Hallenser, weil die Zeitung hier viel gelesen wird. Unterstützt hat uns bei der Pressearbeit unser Heimatverein, der USV Halle. Der Pressebeauftragte des Vereins hat eine schöne Vorabmeldung herausgegeben und auch dafür gesorgt, dass der MZ-Reporter zu uns fand. Einen selbst geschriebenen Nachbericht findet man auf der Vereins-Homepage.

DFV: Worauf freut Ihr Euch nach der gelungenen Kraftanstrengung jetzt in Hinblick auf die gerade erst begonnene Saison am meisten?

Robert: Wir werden in einem großen Reisebus nach Amsterdam fahren und dort noch einmal Mixed spielen - das wird eine herrliche Klassenfahrt! Mal sehen, wie gut wir ohne die Ausrichterbelastung sind! Ansonsten freuen wir uns alle auf einen langen Frisbeesommer mit der Damen-/Herren-DM als krönendem Abschluss.