Interview mit Rue Veitl, neben Janne Lepthin Spielertrainer des deutschen Masters Beach Ultimate-Nationalteam, Vizeweltmeister bei der WM 2011 in Lignano Sabbiadoro

DFV: Rue, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn der Silbermedaille und des Spirit-Preises in der Mixed-Division bei der Beach Ultimate-WM in Italien! Wie würdet Ihr das Turnier rückblickend insgesamt bewerten?

Rue: Die gesamte Saison mit dem Team „Sandsturm" war ein riesiges Erlebnis. Wir sind als Team super zusammengewachsen und die Leute waren bereit enorme Wege und Kosten auf sich zu nehmen, um an Stränden von Rimini bis Fehmarn zu trainieren. Das Turnier haben wir sehr professionell durchgezogen und hatten trotzdem eine Menge Spaß. Wir waren fast schon zu gut und so hatten wir bis zum Viertelfinale nie das Gefühl, dass es auch mal eng werden könnte. Lediglich gegen Österreich im Viertelfinale hatten wir ein enges Spiel – das wir aber doch unseren großen Kader am Ende doch noch mit 3 Punkten für uns entscheiden konnten. Das Halbfinale war mit 13:5 wieder recht deutlich. Dadurch gingen wir in ein Finale, ohne jemals ein wirklich hartes Spiel gespielt zu haben.

Beim Finale war es auch zum ersten Mal extrem windig, sehr laut durch die Musik und somit ein komplett anderes Szenario. Mit ein bisserl Glück und konzentriertem Kampf hatten wir dort ja einen riesigen Auftakt – sind dann aber ein bisserl leichtsinnig geworden und dann wohl auch etwas nervös. Das Quäntchen Glück hat sich dann auch noch auf die andere Seite geschlagen und so konnte die USA uns doch noch die Goldmedaille stibitzen. Rückblickend haben wir aber Unglaubliches geleistet und gezeigt, dass wir in der Welt ganz oben spielen - und jetzt freuen wir uns sehr über die wohlverdiente Silbermedaille!  

DFV:  Wie wart Ihr mit den Rahmenbedingungen zufrieden? Es waren ja mehr als 70 Teams in 6 Divisionen am Start, gleichzeitig herrschte bis auf den Finaltag eine unglaubliche Hitze...

Rue: Das Setup mit dem riesen Sportpark war prima. Der Strand war 100 Meter von unseren Zimmern entfernt. Die Stimmung auf dem Gelände war prima – Man traf ja ständig alle anderen Teams.

Das Essen war gut und die Portionen riesig. Und die Kantine war wirklich auf Massen vorbereitet – man musste nie lange anstehen. Für die Hitze hat uns Lisa (Kausfuß)– als Hitzemanagement-Beauftragte gut vorbereitet. Wir haben jeden Tag rund 8 Liter getrunken – und bei den ganz heißen Spielen haben wir (spätestens nach den ersten Brandblasen) dann doch mit Sandsocken gespielt.

DFV: Zur Mixed-Division, neben der offenen die größte mit 22 Teams: Wie würdet Ihr die Leistungsdichte charakterisieren?

Rue. Ich denke es gab zwei Teams, die deutlich heraus stachen (USA und Deutschland) dahinter einen kleinen Leistungsabfall und dann rund 8-10 Teams, die alle sehr gutes Strandultimate spielten – danach fiel die Leistung wieder langsam ab.

DFV: In Eurer Vorgruppe (Pool B) hattet Ihr zehn Spiele, die alle gewonnen wurden. Gab es da besondere Highlights?

Rue: Das Highlight war unser Showgame gegen Australien – definitiv unser bestes Spiel – bis zum 12:5 hatten wir nicht einen einzigen Fehler gemacht. Wie immer hat das Spiel gegen Polen einen riesen Spaß gemacht. Seit Rimini haben sie sich unglaublich gesteigert – und bei der EUC haben wir mit den Spielern dicke Freundschaft geschlossen. Polen war nach den Österreichern unser stärkster Gegner.

DFV: Erregten - neben den ebenfalls ungeschlagenen USA - weitere Teams aus der anderen Vorgruppe (Pool A) Eure besondere Aufmerksamkeit? Wenn ja, warum?

Rue: Wie gesagt die Österreicher sind bekanntermaßen nie zu unterschätzen. Portugal hatte sich in Gruppe A bis auf Platz 3 gekämpft, was mich persönlich wundert – aber bei 45 min spielen kann man schnell mal in Führung gehen und diese dann halten. Sehr gerne hätte ich noch gegen England gespielt, ein junges, motiviertes Team – aber die haben das Viertelfinale verpatzt.

DFV: Lag es Eurer Meinung nach am Austragungsort in Italien, dass von den acht Teams im Viertelfinale sechs aus Europa kamen? Gabe s darunter Überraschungen (evtl. Polen oder Österreich)?

Rue: Für mich gab es keine Überraschung. Aber wir haben uns ja auch gut vorbereitet. Ich denke, dass Beach Ultimate seinen Ursprung in Europa hat und daher die Erfahrung – die auf Sand sehr viel zählt – hier eher vorhanden ist als anderswo. Aber natürlich waren auch viel mehr Europäische Teams am Start als aus anderen Regionen.

DFV: In den Playoffs war zunächst Euer Achtelfinale gegen Österreich mit 12:9 relativ eng. Wie kam's dazu?

Rue: Österreich war schon immer gut – sowohl auf Sand als auch in der Mixed Division. Sie wissen was sie tun – und sie haben sehr gute Werferinnen.

DFV: Das Finale gegen die USA (im Zusammenschnitt übrigens zu sehen unter http://www.vimeo.com/28353902) verlief "irrsinnig", erst führt Ihr 6:2, liegt 6:8 hinten und schließlich der schnelle Showdown beim 8:8. Was ist da passiert?

Rue: Wie schon kurz angerissen: Das Spiel war durch das ganze Team durch das schlechteste, das wir gespielt haben. Wir hatten auch das erste Mal richtigen Druck vom Gegner, der Wind war unglaublich stark, wodurch ein Gegenwindpunkt sehr wichtig wurde und wodurch das Glück einen größeren Faktor spielte. Wir hatten anfangs einmal das Quäntchen Glück und am Ende das Quäntchen Pech. Aber es waren doch auch alle nervös. Wir haben unsere Hauptvorgaben nicht mehr alle eingehalten (Offense sowie defense). Und dann war die Musik so laut, dass Ansagen auf der Line fast nicht mehr möglich waren – und ich auch nicht hörte, dass die Zeit aus war – was natürlich schon ein bisserl schade ist. Da hätte mal beim 8:8 doch noch mal die Top line draufgepackt. Es war aber ein tolles Spiel. Schade, dass beim Finale an der sehr kurzen Spielzeit festgehalten wurde. Ich bin der Meinung, wir waren das bessere Team und hätten ein bisserl mehr Zeit brauchen können, um unser einziges Tief im gesamten Turnier wieder ausmerzen zu können.

DFV: Bei drei Beach Ultimate-WMs war das Finale dreimal USA-Deutschland, wenn ich richtig orientiert bin. Über die Stärke der USA gibt es wenig zu diskutieren. Aber wieso ist Deutschland in dieser Division so stark?

Rue: Die Deutschen waren von Anfang an bei der Beach Ultimate-Bewegung dabei. Deutsche reisen viel und sind in großen Mengen bei all den Beach-Turnieren in Europa anzutreffen. Wir habe einfach eine Menge Erfahrung auf dem „fließenden" Untergrund. Sand und Wind sind ein riesen Faktor, der von Gras-geschulten Spielern oft unterschätzt wird. Jedes Jahr fahre ich mit ein paar Deutschen zum Leiout in Los Angeles und wir schneiden dort immer gut ab – selbst gegen die Top US-Spieler. Außerdem war das Deutsche Nationalteam jedes Mal sehr fleißig bei der Vorbereitung – so haben wir diese Saison 5 Wochenenden trainiert.

DFV: Vielleicht noch ein Vergleich zwischen den Mixed-Teams auf Rasen und auf Sand - das deutsche Team hatte bei der Ultimate-WM in Slowenien leider das Halbfinale verpasst und war 5. geworden). Was unterscheidet die beiden Teams hauptsächlich?

Rue: Die beiden Teams in Maribor und Lignano waren sehr unterschiedlich. Die Schnittmenge besteht nur aus 7 Spielern. Sicherlich war unser Beach Team nominell um einiges stärker. Das Mixed Team in Maribor hat durch Masse und durch unglaubliches „Team"-Gefühl geglänzt. Die Leistung des Maribor-Teams halte ich für extrem gut. Wir hatten eben nur im Viertelfinale ein bisserl Pech und einen Gegner, auf den wir eigentlich noch nicht im Viertelfinale hätten treffen sollen. Jeder hat mal ein schlechtes Spiel – und dieses Viertelfinale hatte davon einiges gesehen, wohingegen Russland wohl das beste Spiel des Turniers gegen uns ablieferte.

Ich freue mich jetzt schon auf die Saison 2012 und hoffe, dass Deutschland vier Top Teams motivieren kann um in Japan zu rocken. Deutschland kann ganz oben mitspielen, wenn wir alle anpacken!