Interview mit Maike Stauch von den diesjährigen Vizemeisterinnen im Damen Ultimate, „Heidees“ Heidelberg

HeideesEUCF2011DFV: Maike Stauch, Glückwunsch zum Vize-Meistertitel der "Heidees" nachdem Ihr erst in diesem Jahr in die 1. Liga aufgestiegen seid! Hattet Ihr nach dem erfolgreichen EUCR auf die Möglichkeit spekuliert ins Finale einzuziehen?

Maike: Vielen Dank! "Spekuliert" ist vielleicht zu viel gesagt - zumal wir Heidees - ähnlich wie die anderen Clubteams - die Turniere EUCR und EUCF mit der Unterstützung von Gastspielerinnen bestritten haben. Dennoch habe ich uns nach einer intensiven und erfolgreichen Vorbereitung schon als starkes Team eingeschätzt, welches bei der DM oben in der ersten Liga mithalten kann. Dass es zum Finaleinzug gereicht hat, war eine Überraschung, die mich sehr gefreut hat!

DFV: Die siebenmaligen Titelgewinnerinnen "Woodchicas" gewannen zwar den Round Robin ohne Niederlage, aber das Spiel gegen "JinX" wurde doch sehr knapp (16:14). Wie habt Ihr die Entwicklung der Vorrunde betrachtet?

Maike: Wir Heidees sind nicht gerade durch die Vorrunde marschiert, im Gegenteil: Wir mussten uns die Siege zum Beispiel gegen Frau Rauscher, Seagulls und Mainzelmädchen hart erarbeiten, konnten uns im Laufe des Turniers jedoch steigern. Die Woodchicas sind da eher ihrer Favoritenrolle gerecht geworden - auch wenn es im Spiel gegen Jinx knapp geworden ist. 

DFV: Wie hoch würdest Du die Leistungsdichte in der 1. Damen-Liga und, falls Du etwas davon mitbekommen hast, auch in der 2. Liga bewerten?

Maike: Hmm, schwierig zu pauschalisieren. Einerseits gab es einige enge Spiele auf der DM, andererseits keinen Dreier-Vergleich. Vielleicht geht der Trend dahin, dass die deutschen Damenteams immer konstanter spielen und nicht mehr jeder gegen jeden gewinnen bzw. verlieren kann, sondern sich die Leistungen der Teams weitestgehend in den Spielergebnissen spiegeln. 

DFV: Dann aber die Entscheidung über den Finalgegner in der Partie am Sonntag zwischen Euch und "JinX". Wie habt Ihr es angestellt, das Spiel mit 15:8  zu gewinnen?

Maike: Wir haben uns vorgenommen, von Anfang an heiß in dieses Spiel zu gehen und haben daran geglaubt, eine gute Teamleistung abliefern zu können. Nachdem das Spiel zunächst hin- und herging und jedes Team Punkte scoren konnte, hatten wir vor allem in der zweiten Halbzeit etwas weniger individuelle Fehler, so dass wir uns mit ein paar Punkten absetzen konnten. Auch wenn der Spielstand mit 15:8 deutlich ausgefallen ist, war es ein Fight bis zum letzten Punkt - und ein sehr emotionaler Augenblick, als mit dem Sieg das Finale erreicht war!

DFV: Vielleicht ein Wort generell zu Eurer Leistung, als Aufsteiger den Durchmarsch ins Finale zu schaffen und auch beim EUCR auf Platz zwei zu landen? Was hat sich da innerhalb eines Jahres entwickelt?

Maike: Zunächst muss man sagen, dass ein Teil von uns im letzten Jahr zwar auch in der ersten Liga gespielt hat - allerdings noch nicht als reines Heidees-Team, sondern als Spielgemeinschaft "Heidelbears" mit den Damen der Frizzlybears aus Aachen. Daher kann man schon sagen, dass sich im letzten Jahr ein neues Team in Heidelberg formiert hat. Ich denke, dass uns vor allem die Möglichkeit eines eigenen Damentrainings, in dem wir erfahrene und weniger erfahrene Spielerinnen integrieren konnten, voran gebracht hat. Die Vorbereitungsturniere in Winterthur, Köln sowie die Quali und die EUCR haben uns motiviert und als Team zusammenwachsen lassen. Und auch der Sieg der Mixed-DM zeigt, dass die Heidees-Damen sich entwickelt haben.

DFV: Wie gestaltete sich anschließend das Finale aus Eurer Sicht - auch im Vergleich zum Vorrundenspiel?

Maike: Nach einem nervösen Beginn konnten wir uns zum 3:4 wieder an die Woodchicas rankämpfen, hatten jedoch große Probleme, gerade die Gegenwind-Punkte zu scoren. Insgesamt konnten wir jedoch deutlich mehr Gegenwehr als im Vorrundenspiel zeigen und müssen uns vor unserer Leistung nicht verstecken!

DFV: Die deutschen Damen haben international in diesem Jahr Großes geleistet: Europameistertitel auf Rasen, zwei mal Silber der Juniorinnen auf Rasen, bei der Beach-WM Platz 4 - wirken sich die Erfolge auf das Spiel in den Clubs aus – oder sind sie eine Folge stärkerer Clubleistungen?

Maike: Auf jeden Fall tragen die Erfolge der Nationalteams bei den verschiedenen Turnieren dazu bei, dass Nachwuchstalente motiviert trainieren und ein Ziel vor Augen haben. Auch wenn ich denke, dass die Zusammenarbeit zwischen Club- und Nationalteams noch verbessert werden kann - z.B. sollte man vermeiden, Trainingslager und Qualifikationsturniere zeitgleich zu veranstalten. Klasse finde ich, dass die NationaltrainerInnen (Damen wie Junioren) probieren, Werbung für offene Trainingslager zu machen und auch neue Spielerinnen motivieren, auf die Trainingslager zu fahren.

DFV: Was sollte in Deinen Augen noch getan werden, um das Damen-Ultimate weiter zu stärken?

Maike: Viel zu häufig spielen Damen noch in ihren "alten" Teams, auch wenn sie schon lange nicht mehr in den Clubstädten wohnen. Dabei macht es aus meiner Sicht mehr Sinn, mit dem Team zu spielen, mit dem man trainiert. Wir brauchen in Deutschland mehr neue Teams, die frischen Wind ins Damen-Ultimate bringen.

DFV: Oft wird von einer höheren Fluktuation bei den Frauen gesprochen, die eher aus Gründen der Ausbildung, des Berufs oder der Familie den Sport auf die Seite legen. Würdest Du dem zustimmen?

Maike: Die Woodchicas sind ja eigentlich der Beweis des Gegenteils, schon seit Jahren spielt das Team in der Konstellation aus Spielerinnen mit und ohne Familie. Aber generell sind es eher die Frauenteams, die "Personalprobleme" plagen, was man z.B. daran sieht, dass die Goho-Girls aus Stuttgart oder MissConnection aus Freiburg nicht zu den Qualfikationsturnieren angetreten sind.

DFV: Ein Satz zum EUCF: Wie bewertest Du das Abschneiden der deutschen Damen-Teams im europäischen Spitzen-Ultimate?

Maike: Mit dem Erreichen des Finales auf dem EUCF Turnier in Brügge konnten die Woodchicas eine erfolgreiche "deutsche" Saison fortsetzen. Auch wenn es am Ende leider nicht ganz gegen Iceni aus London gereicht hat, die das Turnier souverän dominierten. Die Heidees-Damen sind mit dem Erreichen des siebten Platzes mit ihrer Leistung ebenfalls zufrieden. In der Vorrunde gab es zwei knapp verlorene Spiele gegen  Primavera Olandese aus den Niederlanden (13:14) und gegen SYC aus England (11:13). Insgesamt freuen wir uns, dass wir auch im europäischen Damenfrisbee durchaus mitspielen konnten – nur schade, dass es nächstes Jahr nicht mehr heißt: "Heidees - noch nie gehört" – da ist das Überraschungsmoment nicht mehr auf unserer Seite.

DFV: Abschließend eine Frage zum verbleibenden Saisonverlauf: Was steht bis zum Jahresende für Euch noch an? Wann beginnt Eure Hallensaison, mit welchen Zielen?

Maike: Wir werden ab Ende Oktober das Hallentraining beginnen, um uns für die Quali für die zweite Liga vorzubereiten. Einen A-Relegationsplatz haben wir letzte Saison leider knapp verpasst. Daher heißt es in der zweiten Liga anzugreifen - darauf freuen wir uns!