Interview mit Florian Böhler, dem Trainer des Deutschen Meisters 2011 im Open Ultimate, „Bad Skid“
Geschrieben von: Jörg Benner Mittwoch, den 12. Oktober 2011 um 07:26 Uhr
DFV: Florian Böhler, Glückwunsch zum 1. Deutschen Meistertitel von "Bad Skid"! Hättest Du vor der DM damit gerechnet?
Flo: Vielen Dank für die Glückwünsche!! Am Anfang der Saison hatten wir uns das Ziel gesetzt erneut unter die ersten drei zukommen oder bestenfalls im Finale mitzuspielen. Nachdem aber die Vorbereitung so gut verlaufen ist wollte jeder von uns den Titel holen. Also so gesehen, ja ich habe damit gerechnet.
DFV: Vorab die Frage: Warum konntest Du nicht spielen? Wie hast Du den Posten als Trainer erlebt und ausgefüllt?
Flo: Ich konnte nicht mitspielen, da ich mir erneut (zum dritten Mal) das Kreuzband gerissen habe. Da der Außenmeniskus auch in Mitleidenschaft gezogen wurde, gab es für mich keine Chance an irgendeinem Turnier als Spieler teilzunehmen.
Der Posten als Trainer war für mich etwas ganz Besonderes, da ich mich nicht selbst für den Posten vorgeschlagen hatte, sondern meine Jungs auf mich zugekommen sind und mich darauf angesprochen hatten, ob ich nicht als Trainier fungieren möchte. Dies hat mir ein Gefühl der Wertschätzung und der Dazugehörigkeit vermittelt und gezeigt, dass sie mich auch nach meinem dritten Kreuzbadriss immer noch nicht abgeschrieben haben. Das hat mich wirklich sehr gefreut!
Ob man die Position, die ich ausgeführt habe, wirklich Trainerposition nennen kann, weiß ich nicht, ich würde mich eher als Ratgeber und Motivator bezeichnen aber nicht als Trainer. Die Ausführung war nicht all zu schwierig, da unser Team fast nur aus aktiven und ehemaligen Nationalspielern besteht. Somit konnten die Ratschläge, falls welche notwendig waren gut und schnell umgesetzt werden.
DFV: Ich hatte mit den Open-Halbfinalisten vier in etwa ähnlich starke Teams gesehen, wobei ich nach dem EUCR-Sieg Stuttgart noch stärker eingeschätzt hatte. Wie siehst Du die Leistungsdichte im deutschen Open-Ultimate?
Flo: Generell muss man sagen, dass sich das Niveau im deutschen Ultimate Frisbee enorm weiterentwickelt hat, sowohl im Open- als auch im Junioren-Bereich. Somit glaube ich, ist es fast selbstverständlich, dass die Leistungsdichte im deutschen Open-Ultimate und verstärkt zwischen den ersten vier Teams stark zugenommen hat.
DFV: Bereits in der Vorrunde waren die Spiele nach meinem Empfinden alles andere als Selbstläufer, es waren viele enge Ergebnisse darunter. Hat Euch das zusammen geschweißt?
Flo: Enge Siege oder Siege aus einem Spiel, in dem man die meiste Spielzeit über im Rückstand lag, schweißen ein Team nicht nur zusammen, Siege aus solchen Spielen geben jedem einzelnen Spieler Selbstvertrauen und vor allem Kampfgeist, dass auch ein Spiel in dem man 11:6 hinten liegt noch gedreht werden kann ;-). Eine super Teamchemie kommt aber auch durch coole Aktionen, die immer für Gespräche sorgen wie z.B. unsere Brechstange (Brechi) und unsere Kette (Würgi) die unsere Team-Namen tragen.
DFV: War der Poolgewinn in Vorteil, dadurch nicht ins so genannte "Prequarter" zu müssen?
Flo: Natürlich ist der Poolgewinn ein Vorteil, dadurch ist man sicher im Quarter und man hat ein Spiel weniger, somit hat das Team eine größere Erholungsphase.
DFV: Wie kam es dann zu dem deutlichen Halbfinalsieg gegen "Die 7 Schwaben"?
Flo: Um ehrlich zu sein, waren wir durch die Einkäufe von Stuttgart ziemlich angepisst wie einige Teams, dadurch waren wir noch motivierter den 7 Schwaben einen Denkzettel zu verpassen und zu zeigen, dass es auch ganz ohne Einkäufe geht. Dazu kam noch unser Wetter, uns liegt es einfach im Regen zu spielen.
DFV: Im anderen Pool waren es die späteren Finalgegner "Heidees", die ebenfalls "Die 7 Schwaben" bereits geschlagen hatten, und ungeschlagen mit einem Spiel weniger ins Finale einzogen. Wie bewertest Du ihre Entwicklung und die gezeigte Leistung?
Flo: Die Heidees haben eine super Entwicklung in allen Bereichen vollzogen, sie sind eine Vorzeige-Mannschaft, die gezeigt hat, dass man mit viel Fleiß und Herzblut einiges erreichen kann sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene. Die Heidees können stolz auf sich sein, sie haben eine super Saison gespielt!!! Somit bleibt mir nichts anderes übrig als ein fettes Lob auszusprechen.
DFV: Im Finale sah es dann erst nach einer klaren Angelegenheit für die "Heidees" aus. Was hast Du angesagt oder umgestellt, um das Spiel noch zu drehen? - Oder ist den "Heidees" evtl. gegen Ende die Luft ausgegangen?
Flo: Ich glaube, dass das genau die Stärke von uns „Bad Skid" ist, niemals aufzugeben. Einige hatten zwar die Köpfe nicht mehr ganz soweit oben, doch haben sie niemals aufgehört an den Sieg zu glauben. Somit musste ich nur noch mal eine kleine Motivationsansprache halten, dann haben wir noch auf unsere Zonen-Verteidigung umgestellt und schon waren wir back!
DFV: Ein Satz zum EUCF: Wie bewertest Du das Abschneiden der deutschen Teams im europäischen Spitzen-Ultimate?
Flo: Wie ich bereits oben schon mal erwähnt habe, glaube ich, dass sich das deutsche Ultimate über die Jahre hinweg stark entwickelt hat und die Tendenz für die kommenden Jahre in die richtige Richtung zeigt. Das Abschneiden der deutschen Teams im internationalen Geschäft bestätigt nur meine These. In diesem Sinne möchte ich vor allem den Woodchicas zu ihrem zweiten Platz gratulieren!!!
DFV: Abschließend eine Frage zu "Bad Skid": Ihr setzt Euch zusammen aus Spielern aus Bad Rappenau, Heilbronn, Massenbach, Gemmrigheim und Bönnigheim? Wie kommt dieses Modell beim reichlich vorhandenen Nachwuchs an? Herrscht der Wunsch vor, möglichst in das "regionale Spitzenteam" aufzusteigen, oder herrscht teilweise auch Missstimmung darüber, dass die einzelnen, örtlichen Teams dadurch geschwächt würden?
Flo: Das Modell kommt glaube ich bei allen sehr gut an, jedoch gibt es da ganz unterschiedliche Charaktere, manche wollen den Sprung ins Bad Skid-Team schaffen und andere wollen dies gar nicht, die spielen lieber mit dem heimischen Team, was für uns natürlich auch voll in Ordnung ist. Wie du bereits in der Frage formuliert hast, müssen wir darauf achten, dass wir die heimischen Teams nicht zu stark schwächen. Dies liegt uns auch sehr am Herzen und darauf achten wir auch verstärkt. Wir wollen ja nicht, dass sie einen gewaltigen Nachteil darunter erleiden wenn ein junger Spieler zu Bad Skid wechselt. Wir besprechen aber solche Wechsel, bevor sie erfolgen, sehr genau mit den heimischen Trainern, denn wir wollen ja nur für alle Beteiligten das Beste.
DFV: Was steht bis zum Jahressende für Euch noch an? Wann beginnt Eure Hallensaison, mit welchen Zielen?
Flo: Für Bad Skid steht bis zum Jahresende erstmal nur noch PARTY an, denn Bad Skid spielt keine Hallensaison, in der Hallensaison geht jeder Spieler wieder in sein altes Team zurück und spielt dort mit. Wir glauben nämlich, dass es sehr wichtig ist gerade diese Verbindung und das „Wo kommt man her Gefühl, von wem hat man was beigebracht bekommen" sehr wichtig ist und aus diesem Grund spielt Bad Skid keine Hallensaison.