Interview mit DFV-Präsident Volker Schlechter im Vorfeld der diesjährigen DFV-Jahreshauptversammlung am 12.11.2011 in Darmstadt

DFV: Volker, wie sieht es von Deiner Seite mit den Vorbereitungen zur JHV des DFV am zweiten November-Samstag in Darmstadt aus? Ist Dein Statement schon konzipiert?

Volker: Die JHV ist ein wichtiger Termin für den DFV und damit auch für mich als erster Präsident. Neben meinem Bericht stehen einige sehr interessante Punkte auf der Tagesordnung, die für mich wichtig sind. Meinen Bericht habe ich noch nicht fertig, doch einige Punkte sind mir schon dafür durch den Kopf gegangen. Ich muss sie einmal aufschreiben, um zu sehen, was da am Ende zusammen kommt.

DFV: Was sind für Dich rückblickend die wichtigsten Ereignisse im ablaufenden Jahr?

Volker: Für mich sind immer die Meisterschaftsturniere das wichtigste im Jahr. Dabei versuche ich mindestens bei einem dabei zu sein. Wenn man mal überlegt, dass wir die Hallen Saison und Outdoor spielen und das bei den Damen, Herren, Mixed, Master und Junioren und dann kommt noch Golf und Freestyle dazu, dann sind das schon viele Termine.In diesem Jahr kam noch ein außergewöhnliches Ereignis hinzu: Die Verleihung des Fair Play Preises durch den DOSB und das Bundesinnenministerium. Das war eine tolle Sache.

DFV: Stichwort: Verleihung des Fair-Play-Preises des Deutschen Sports. Welchen Stellenwert hat diese Auszeichnung für Dich?

Volker: Für mich ist es die größte Auszeichnung, die der Verband erhalten kann. Da werden normalerweise Sportler geehrt, doch bei uns ist eine Sportart geehrt worden. Das ist einmalig. Wir als Verband haben sie stellvertretend für alle Spieler entgegen genommen. Hinzu kommt, dass wir noch nicht Mitglied im DOSB sind, es aber als erstes Satzungsziel anstreben und dann zeichnet der DOSB uns aus - einfach Wahnsinn! Ich hoffe, dass wir damit einer Mitgliedschaft näher gekommen sind.

DFV: Kannst Du kurz schildern, wie frü Dich die Feierlichkeiten beim Fest der Begegnung in Dresden abliefen?

Volker: Das Fest der Begegnung ist ein Fest der Deutschen Sporthilfe. Hier werden Jugendliche geehrt, die weltklasse Leistungen geboten haben und von der Sporthilfe unterstützt werden. Das ist so, als wenn wir eine Juniorenmannschaft zu einer EM mit Unterstützung der Sporthilfe schicken können und sie dann als Europameister zurückkehren. Die bekommen dann eventuell eine Auszeichnung. :)

Vor der Ehrung der Juniorensportler wurden die Fair Play Preise vergeben. Dazu hielten die aktuellen Fair Play Botschafter eine Laudatio. Für unseren Verband war es Rosi Mittermaier-Neureuther. Ich  fand das große Klasse, denn da wurde allen Spitzensportlern kurz die Sportart Ultimate gezeigt und vorher noch einmal das Wesentliche vom Fair Play bei unserem Spiel gesagt. Ich bekam dann stellvertretend für unseren Verband von Frau Prof. Dr. Doll-Tepper (DOSB Vizepräsidentin) und vom Staatssekretär im Innenministerium Ole Schröder den Pokal und die Urkunde überreicht.Nach der offizielen Veranstaltung hatte ich noch die Gelegenheit mit verschiedenen Menschen zu Reden. Hier war es sehr nett mit Rosi Mittermaier-Neureuther zu sprechen und mit Frau Prof. Dr. Doll-Tepper. Sie hatte in Israel ein Ultimate Spiel beobachtet und fand es ganz großartig.

DFV: Hast Du irgendwelche Rückmeldungen erhalten in Hinblick auf die hohe Auszeichnung?

Volker: Ja, wir bekamen als Verband Glückwünsche aus den Niederlanden und der Schweiz. Es sind auch verschiedene Artikel in den Zeitungen gewesen, die  kurz die Preisverleihung nannten. Die FAZ hatte einen Fünfzeiler für uns übrig, dagegen der Südkurier eine ganze Seite mit Interview und Foto.

DFV: Siehst Du eine Chance, dass der DFV durch die Aufmerksamkeit, die er beim Bundesinnenministerium und beim DOSB errungen hat, bessere Chancen einer offiziellen Anerkennung durch beide Organe hätte?

Volker: Ganz sicher, sie kennen uns und haben nun auch eine Vorstellung wer wir sind. Wichtig war für mich, hier seriös aufzutreten und zu zeigen, dass wir es ernst meinen einen Spitzensport im Ultimate, Golfen und Freestyle zu bieten. Im Übrigen bekam ich nach meinen Aussagen im Interview immer wieder Applaus.

DFV: Welches sind aus Deiner Sicht die wichtigsten Punkte, die in der JHV am 12. November besprochen werden?

Volker: Es gibt so viele Punkte, die ganz wichtig sind. Da ist die Gründung der Ultimate-Abteilung, ähnlich wie die Golfer es schon haben, dann im Zusammenhang mit dem WFDF, die Anti Doping-Problematik. Letzteres ist ein wichtiger Schritt für uns, um offizielle Anerkennung zu bekommen. Freuen tue ich mich sehr auf die Wahl zum Vizepräsidenten, da wir hier wahrscheinlich eine Vizepräsidentin bekommen werden. Das ist gut für uns im Vorstand, denn oftmals fehlen uns Infos von den Damen und dabei sind sie ein wichtiger Bestandteil im Verband. So etwas wie auf der DUM in Frankfurt darf einfach nicht passieren (beim Frauen-Finale war das Spielfeld nicht gut abgegrenzt, Anm. des DFV).

DFV: WFDF-Generalsekretär Volker Bernardi wird ebenfalls zu Gast sein.Hattest Du zuvor schon Kontakt zu ihm, worüber dürfte er voraussichtlich berichten?

Volker: Volker Bernadi habe ich in Frankfurt persönlich kennen gelernt. Ich wollte ihn gern auf der JHV haben. Er kann uns direkt vom Weltverband berichten und bekommt einmal mit, wie es bei uns so läuft. Ein wichtiger Punkt ist seine Rolle beim Weltverband. Das kann er einmal erklären und da wird sicher auch das eine oder andere zur Anti Doping-Angelegenheit und zu den Veränderungen zur Anerkennung des WFDF im international Sport gesagt werden. Das ist für uns alles sehr wichtig.

DFV: Welche Chancen und Risiken siehst Du im kommenden Jahr auf den DFV zukommen?

Volker: Das kommende Jahr wird uns sicher wieder viele schöne Frisbee- Veranstaltungen bringen. Doch ich sehe, dass sich einiges in der internationalen Anerkennung des Frisbeesports tut. Das kann Auswirkung auf unseren Verband haben. Wir müssen da viel tun und die Voraussetzungen schaffen. Unsere Identität werden wir aber nie aufgeben, das ist mein oberstes Ziel.

DFV: Hattest und hast Du in diesem und dem kommenden Jahr auch gewisse sportliche Ambitionen, die Du verfolgst?

Volker: Na ja, wie man unschwer erkennen kann, bin ich nicht mehr der leichteste und schnellste im Ultimate. Doch trainiere ich seit Jahren eine Schulmannschaft. Solange ich da mitspielen und dort etwas zeigen kann, freue ich mich. Außerdem bin ich selten in Söhnstetten beim Golfen gesehen worden. Das könnte im kommenden Jahr wieder öfter sein. Das heißt noch lange nicht, dass dort nur die alten Herren spielen, doch mir gefällt es, mit einem guten Wurf ins Ziel zu kommen. Das ist nicht so einfach und macht einfach Spaß. Mit den Kindern spiele ich das auch immer wieder. Es trainiert die Wurffähigkeiten.

DFV: Abschließend eine etwas provokante Frage: Was treibt Dich an, dem Deutschen Frisbeesport-Verband weiter vorzustehen?

Volker: Die Herausforderung den Verband voranzubringen. Ich denke, wenn ich nicht mehr so der Scheibe hinterher laufen kann, dann sollte ich etwas für den Sport im Ganzen tun. Wir haben im Verband viele in meinem Alter. Wenn die alle aktiv etwas machen, dann kann sich unser Sport weiter entwickeln. 2005 auf den World Games in Duisburg habe ich bei den Faustballern gesehen, dass die Jungen ihren Sport gemacht haben, weil die Älteren sich um die Randbedingungen gekümmert haben. So sollte es bei uns auch werden. Na ja, man darf ja noch träumen...