Interview mit der neuen DFV-Vizepräsidentin Susanne Theimer, mehrfache Deutsche Ultimate-Meisterin mit den „Woodchicas“, neuerdings aus Köln

DFV: Susanne Theimer, Du hast Dich für den Posten als DFV-Vizepräsidentin beworben und diesen auch erhalten. Wie ist es dazu gekommen?

Susanne: Seit vielen Jahren spiele ich aktiv Ultimate Frisbee. Seit 1994 in der Nationalmannschaft. Es gab Jahre, da war der Sport Lebensmittelpunkt. Der Sport, seine Werte haben mich begleitet, geprägt. Viel Zeit ging und geht aktuell noch in die Vorbereitungen von Turnieren. D.h. ehrenamtlich etwas auf die Beine zu stellen, ist mir nicht ganz unvertraut. Mit einem Bein im aktiven Bereich, mit dem anderen im Verband ist eine schöne Verknüpfung von Verantwortung auf dem Spielfeld und Verantwortung in den Gremien.

DFV: Bist Du Dir darüber im Klaren, was da ungefähr auf Dich zu kommt? Was erwartest Du, leisten zu können?

Susanne: Vor meiner Entscheidung mich zur Wahl zu stellen, gab es ad-hoc E-Mails und Telefonate. Vielleicht keine Premium-Vorbereitung, aber ich bin mir schon im Klaren, dass mit der Wahl auch eine gewisse Erwartungshaltung verbunden ist. Deshalb kann ich an dieser Stelle auch noch kein "Wahlprogramm" präsentieren, anhand dessen man meine Arbeit in einem Jahr bewerten kann. Ich werde versuchen, mich schleunigst in die Vielzahl an Themen einzuarbeiten und wir werden sehen, welche Priorisierung sich daraus von alleine ergibt. Das alleinige Top-Thema gibt es nicht.

DFV: Üblicherweise setzt sich ein/e Vizepräsident/in ein eigenes Thema, welches wäre das in deinem Fall?

Susanne: Das ist genau der Punkt Top-Thema. Mein Einsatz sollte einen Mehrwert für alle Abteilungen im DFV mit sich bringen. Hierzu muss ich aber erst einmal einen Einblick in die Arbeit von Disc Golf, Freestyle, etc. bekommen. Momentan habe ich noch einen Ultimate Frisbee-Tunnelblick.

DFV: Wo siehst Du die wichtigsten Aufgabenfelder, wenn es um die Entwicklung des Frauen-Anteils im Frisbeesport geht?

Susanne: Ist das schon ein Versuch, mich in eine bestimmt Richtung zu bewegen? Aus Ultimate-Sicht kann ich pauschal sagen, dass sich das Deutsche Damen-Ultimate in den vergangenen Jahren enorm entwickelt hat. Es gibt Erfolge zu feiern, aber das darf nicht darüber hinweg täuschen, dass wir in der Breite noch mehr Frauen für den Sport begeistern müssen, dass die Qualität besser werden muss. Automatisch landet man bei den Themen: Jugendförderung, Trainingsmöglichkeiten in den Vereinen (Uhrzeiten, Orte), Trainingsqualität/ -Inhalte (Taktik, Spielverständnis, Technik), Fördergeld etc. Du siehst, aus einer harmlosen Frage wird ein Blumenstrauß an Anforderungen und Wünschen.

DFV: Im Ultimate sind die Frauen in diesem Jahr Europameisterinnen geworden - Du warst mit im Team; das ist doch eigentlich eine hervorragende Basis, um darauf und auf der begonnen Juniorinnen-Arbeit aufzubauen, oder?

Susanne: Absolut richtig. Wir wollen die Vize-Europameisterinnen aus Breslau. Wir lernen von den jungen und die von uns. Bestenfalls haben sie so viel Geld in der Tasche, dass sie kommendes Jahr sowohl die WM in Japan als auch die Junioren-WM in Frankreich spielen können. Wie wir dieses Problem anpacken, ist noch nicht ganz klar. Aber vielleicht hilft uns das Zauberwort Sponsoring weiter. Ansonsten geht es aber nicht nur darum die Juniorinnen aus der Nationalmannschaft anzusprechen. Wichtige Themen sind u.a. die Verankerung der Sportarten in den Schulsport, Trainer-/Lehrerausbildung, Öffentlichkeitsarbeit etc.

DFV: Wie sieht es aus, wenn es um Disc Golf geht, hast Du dorthin ebenfalls Beziehungen?

Susanne: Zugegeben, da bin ich ziemlich blank. Ich kenne einige heutige Aktive, aber mit denen stand ich vor ein paar Jahren noch auf dem Ultimate-Feld. Ich könnte nicht sagen, was deren Handicap ist. Aber vielleicht werde ich ja bald mal eingeladen. Scheiben muss ich mir leider leihen, da ich dem Zamperl-Sepp meine Tasche mit ca.10-15 Scheiben vor meinem Umzug nach Köln geschenkt habe. Aber wer konnte damals diese Entwicklungen vorher sehen...?

DFV: Die diesjährige Jahreshauptversammlung war ja nun übervoll beladen mit wichtigen und teilweise neuartigen Themen. Wie hast Du die Versammlung und die ersten Wochen der Aufarbeitung danach erlebt?

Susanne: Die Tagesordnung der JHV war mehr für zwei, als für einen Tag ausgelegt. Viel los. Viel in Bewegung. Viel Engagement, viele Interessierte die sich aktiv ehrenamtlich einbringen. Während ich ein bisschen von der Unterschiedlichkeit der Themen überrollt werde und mehr reagiere, als agiere hoffe ich bald, das Ruder selbst ein bisschen in die Hand nehmen zu können.

DFV: Was wäre für Dich ein konkretes Ziel als DFV-Vizepräsdientin, das Du während des ersten Jahres im Amt erreichen wolltest?

Susanne: Wiederwahl! Dann habe ich wohl zumindest ein Thema ganz ordentlich angepackt. Ob das reicht, werden wir sehen.

DFV: Du bist gleichzeitig auch noch sportlich sehr aktiv. Ist eine Teilnahme im Damen-Nationalteam an der Ultimate-WM in Japan 2012 geplant?

Susanne: Ich sage jetzt mal "ja", obwohl zur Teamstruktur noch nicht viel feststeht und dieser Bereich eindeutig in den Kompetenzbereich von Sara Wickström fällt. Ich werde mein bestes geben.

DFV: Was sind Deine weiteren Ziele im Frisbeesport für das kommende Jahr, administrativ und sportlich?

Susanne: Wenn Du von Frisbeesport redest, meinst Du wohl mehr Ultimate?!  Da steht die WM ganz oben. Gleich danach kommt Köln und der Meistertitel. Nichts anderes wolltest Du hören, richtig (Zur Info: JB, der Interviewer ist der größte Fan der Dominas!)? Ehrlich, das Damentraining hier ist mitreißend, die Rahmenbedingungen sehr gut. Mit uns ist zu rechnen. Administrativ kann ich jetzt nicht so in die Vollen schlagen. Schon alleine, weil mir Erfahrungswerte fehlen und ich für mich erst einmal herausfinden muss, wo am meisten Handlungsbedarf besteht. Ich wünsche mir, dass ich durch meine Arbeit Akzente setzen kann.