Interview mit Jens Schrader, DFV Disc Golf-Vorstand und als Leiter der Disc Golf-Abteilung hauptverantwortlich für die Einführung der zentralen DFV-Online-Mitgliederdatenbank
Geschrieben von: Jörg Benner Dienstag, den 10. Januar 2012 um 16:42 Uhr
DFV: Jens, bei der diesjährigen DFV-Jahreshauptversammlung wurde so einiges angeschoben. Ein wichtiger Punkt ist eine neue online-Mitgliederverwaltung. Wie ist da der Stand der Dinge?
Jens: Die Idee war, dass die Daten der Vereinsmitglieder, die wir für unterschiedliche Aufgaben benötigen, nur einmal zentral abgelegt werden und für alle Prozesse innerhalb des DFV zur Verfügung stehen. So ist es einfacher die Forderungen des Bundesdatenschutzgesetzes einzuhalten und den Prozessen nur die Informationen zur Verfügung zu stellen, die zur Erledigung der jeweiligen Aufgabe unbedingt erforderlich sind.
Der Aufwand war schon recht hoch, um den neuen Ablauf zu entwickeln und die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Die Beschreibung des Ablaufs, der neue Bestandserhebungsbogen und das Formular zur Datenschutzerklärung, das jedes Vereinsmitglied erhält, wird in diesen Tagen an die Vereine verteilt. Die Webseite zur Mitgliederverwaltung wird hoffentlich bis Mitte Januar online sein. Anfang März, wenn die Rückmeldungen der Vereine vorliegen, wird sich dann zeigen, ob der neue Ablauf funktioniert. Darauf bin ich sehr gespannt.
DFV: Wenn ich Dich richtig verstehe, greifen also die Disc Golf- und die Ultimate-Abteilung auf dieselbe Basis-Datenbank zu, zum einen über German Tour-Online, zum anderen über FFindr. Was ist der Vorteil dieser Lösung?
Jens: Ja, das stimmt. Ein Vorteil ist, dass nur noch ein Datenbestand gepflegt werden muss. So werden doppelte Ablagen vermieden, die fehleranfällig und aus Sicht der Datensicherheit auch problematisch sind. Zudem bekommen die Mitglieder, die ihre Email-Adresse angeben, einen direkten Zugang zur Mitgliederverwaltung. Dort können sie sehen, welche Daten über sie gespeichert sind und können diese z.T. auch korrigieren. Die Mitgliederverwaltung wird also transparenter.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Vereine zukünftig auch Mitglieder innerhalb des Jahres nachmelden können. Dies war bisher nicht möglich. In der Vergangenheit hat dies immer wieder zu provisorischen Lösungen und Ausnahmen geführt, die oft sehr zeit- und arbeitsintensiv waren.
DFV: Was ändert sich für den einzelnen Spieler?
Jens: Jedes Mitglied, das von einem Verein gemeldet wird, bekommt eine DFV-Mitgliedsnummer. Diese ist wichtig, um sich bei den Turnierverwaltungen eindeutig ausweisen zu können und wird deshalb in FFindr und GTO abgefragt. Die DFV-Nummer wird zusammen mit den Zugangsdaten per Email verschickt. Wer keine Mailadresse angegeben hat, kann die DFV-Nummer bei seinem Verein erfragen.
DFV: In diesem Zusammenhang ist eine Einverständnis-Erklärung notwendig, dass der DFV die Daten so verwenden darf. Wie sieht hier die Umsetzung aus?
Jens: Die Vereine verteilen das Formular an ihre Mitglieder mit der Bitte es schnellstmöglich ausgefüllt und unterschrieben wieder an den Verein zurückzugeben. Die Formulare verbleiben bei den Vereinen. Im Bestandserhebungsbogen versichern die Vereine dem DFV, dass ihnen für die gemeldeten Mitglieder die Einverständniserklärung vorliegt.
Mit der Einverständniserklärung werden die Mitglieder informiert, welche Daten der DFV zu welchem Zweck benötigt. Die Mitglieder können bestimmen, welche Daten sie dem DFV geben möchten und was damit getan werden darf. Dabei sind einige Angaben für die Organisation der Turniere und die Mitgliederverwaltung unverzichtbar. Andere Informationen sind nicht unbedingt erforderlich, können aber Vorteile für die Mitglieder haben. Zum Beispiel wenn Vergünstigungen bei Mietwagen, Übernachtungen oder Scheibenanbietern aufgrund der DFV-Mitgliedschaft angeboten werden.
DFV: Nun ist es Dir auch gelungen, einen DFV-Datenschu Datenschutzbeauftragten zu finden, der prädestiniert für diesen Posten ist. Um wen handelt es sich dabei?
Jens: Erfreulicherweise hat sich Wighard Mais bereit erklärt, ein Datensicherheitskonzept zu erstellen und dessen Umsetzung zu begleiten. Wighard ist Administrator von discgolf.de und auch beruflich mit derartigen Aufgaben betraut. Er verfügt also über das Know-how. Wer Fragen zur Datensicherheit hat oder Hinweise und Vorschläge machen möchte, kann Wighard unter der Adresse
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erreichen.
DFV: Inwieweit ermöglicht die neue DFV-Mitgliederverwaltung eine bessere Zuordnung resp. Kontrolle der Teilnehmer von DFV-Turnieren?
Jens: Für die Disc Golfer ist es ja inzwischen selbstverständlich, dass bei der Anmeldung für DFV-pflichtige Turniere die Mitgliedschaft überprüft wird. Bisher war diese Prüfung sehr aufwändig, weil die Daten manuell abgeglichen werden mussten. Hier ist die neue Mitgliederverwaltung eine deutliche Verbesserung. Für die Ultimater ist die Prüfung der Mitgliedschaft neu. Deshalb wird es zunächst in FFindr eine Testphase geben. Erst wenn die Tests positiv verlaufen sind, wird die Mitgliederprüfung auch für DFV-pflichtige Ultimate-Turniere zum Standard. Geplant ist dies ab der Indoor-Saison 2012/13.
DFV: Zum Hintergrund: Warum müssen eigentlich alle Teilnehmer von Meisterschaftsturnieren DFV-Mitglieder sein?
Jens: Die DFV-Mitgliedschaft der Spieler bei Meisterschafts-Turnieren hat mehrere Aspekte. Zuerst geht es mir um Zusammengehörigkeit, Solidarität und Fairness. Die meisten Spieler machen sich keine Gedanken darüber, "wie der Laden läuft". Ohne die Dachorganisation gäbe es nicht nur keine Meisterschaften, es würden auch viele andere Prozesse im Hintergrund gar nicht laufen, das reicht von den Homepages bis hin zu den Bemühungen um eine offizielle Anerkennung des Frisbeesports.
Der rechtliche Grund dafür, dass die Spieler registriert sein müssen, ist der, dass der DFV als gemeinnütziger Verband auch nur gemeinnützige Mitglieder - sprich Vereinsmitglieder - unterstützen darf. Ansonsten würde er drohen seinen eigenen, hart errungenen Status zu verlieren. Zuletzt spielen auch versicherungstechnische Komponenten hinein. Der DFV schließt für alle Verbandsturniere Haftpflichtversicherungen ab, Sportunfälle werden hingegen üblicherweise über die Vereine abgedeckt. Wenn es zu einem Schadensfall kommen sollte, was bisher meines Wissens zum Glück noch nicht vorgekommen ist, kann der Verband gegenüber Versicherungen und Gemeinden auskunftspflichtig sein. Wenn wir dann nicht belegen können, wer wann Mitglied war, haben wir ein echtes Problem.
DFV: Beim Disc Golf wurden bereits Spielwillige bei gewissen Turnieren abgewiesen, weil sie nicht spielberechtigt waren. Um das zu relativieren, könntest Du uns bitte erklären, um welche Turniere es sich handelt, und wie das voraussichtlich bei Ultimate-Meisterschaftsturnieren gehandhabt werden soll?
Jens: Das kommt im Disc Golf regelmäßig bei der DM und GermanTour A- und B-Turnieren vor. Diese Turniere sind sehr beliebt. Deshalb gibt es klare Qualifikationskriterien, die vor allem die sportliche Leistung berücksichtigen. Für deutsche Teilnehmer ist zudem die DFV-Mitgliedschaft Pflicht. Das heißt: Bereits bei der Anmeldung in der Turnierverwaltung GT-Online wird die DFV-Mitgliedschaft geprüft und bei negativem Ausgang die Aufnahme in das Teilnehmerfeld, bzw. auf die Warteliste verweigert. Ausländische Teilnehmer können über eine eng begrenzte Zahl von Wildcards einen der begehrten Startplätze bekommen.
Daneben gibt es aber inzwischen eine fast unüberschaubare Vielzahl von GermanTour C-Turnieren, bei denen eine Mitgliedschaft im DFV nicht Pflicht ist und die vor allem für Einsteiger gedacht sind. Aktuell wird darüber nachgedacht, die GermanTour neu zu strukturieren. Aufgrund der enormen Anzahl von Turnieren scheint dies dringend geboten.
Im Ultimate-Spielbetrieb wird über FFindr in Zukunft auch die DFV-Mitgliedschaft geprüft: Nur, wer namentlich über einen Verein gemeldet ist, wird sich auf eine Spielerliste eintragen (lassen) können. Soweit ich die Diskussion verstanden habe, wird es vor Ort bei Ultimate-Turnieren keine Kon
DFV: Noch ein Wort zur Disc Golf-Entwicklung, Du hast bereits A- und B-Turniere der German Tour angesprochen. Wie sieht der Zuwachs an ambitionierten Spielern, Freizeitspielern und Parcours in Deutschland aus?
Jens: Wir können nach wie vor von einem Disc Golf-Boom in Deutschland sprechen. Die GermanTour platzt aus allen Nähten. Schon Ende 2011 waren fast 40 Turniere für 2012 angemeldet. 2011 waren 512 SpielerInnen auf der Tour. Darüber hinaus gibt es inzwischen mindestens vier regionale Touren, die eine stark steigende Zahl von TeilnehmerInnen haben. 'Disc Golf Deutschland' ist mit 152 Mitgliedern inzwischen der größte Verein im DFV, gefolgt von den Ultimatespielern der Fischbees Hamburg mit 126.
Die Zahl der Anlagen hat sich in den letzten drei Jahren auf 45 fast verdoppelt und es sieht ganz danach aus als würden auch in Zukunft mindestens 6-8 Anlagen pro Jahr hinzukommen. Inzwischen sprechen uns viele Städte und private Investoren an und fragen, wie sie denn so eine Anlage bei sich realisieren könnten. Das ist wirklich neu und markiert meines Erachtens einen echten Wendepunkt für die Entwicklung des Disc Golf-Sports in Deutschland.
Inzwischen gibt es neben der Turnier-Szene eine unglaublich hohe Anzahl von FreizeitspielerInnen, die den Sport für sich entdeckt haben. Insbesondere Familien schätzen die Eigenschaft von Disc Golf als Sportart, die in jedem Alter und von nahezu jedem ausgeübt werden kann. Mit gebotener Zurückhaltung würde ich die Anzahl der Menschen in Deutschland, die regelmäßig Disc Golf spielen, auf aktuell mindestens 3000 schätzen.
DFV: Welche Entwicklung siehst Du auf Basis der Wachstumsraten, aber auch auf Basis der neuen Mitgliederorganisation im Frisbeesport allgemein voraus?
Jens: Wir begrüßen in der Disc Golf-Abteilung derzeit jedes Jahr etwa 40% neue Mitglieder. Der DFV wächst insgesamt jährlich um fast 20%. Das ist fantastisch! Und es lässt die „alten“ Sportarten im DOSB aufhorchen. Die Zeichen mehren sich, dass die Aufnahme des DFV in den DOSB schon in absehbarer Zeit erfolgen könnte. Es gibt Verbände, denen dies mit vergleichbarer Anzahl von Mitgliedern gelungen ist. Darauf bereiten wir uns vor. Die neue Mitgliederverwaltung, der Aufbau einer Trainerausbildung nach DOSB-Standard und die Anti-Doping-Aktivitäten sind Beispiele dafür.
Die Aufnahme in den DOSB würde dem Sport noch einmal einen enormen Schub geben. Es stünden Mittel zur Verfügung, um die bisherige, rein ehrenamtliche Struktur des DFV durch neben- oder sogar hauptberufliche Kräfte zu ergänzen. Wir arbeiten alle sehr hart daran, den Sport zu fördern und haben auch großen Erfolg. Aber wir müssen auch erkennen, dass wir viele Dinge aufgrund der begrenzten Ressourcen nicht tun können.
Mit Prognosen bin ich sehr vorsichtig. Bei meinem Amtsantritt 2009 habe ich die Hoffnung geäußert, dass wir in 2019 etwa 70 Disc Golf-Anlagen haben könnten. So wie es im Moment aussieht werden wir dieses Ziel schon drei oder vier Jahre früher erreichen.