Interview mit Tarek Iko Eiben und Steven Eckert, die das deutsche Masters Ultimate-Nationalteam auf die WM vorbereiten
Geschrieben von: Jörg Benner Mittwoch, den 08. Februar 2012 um 19:03 Uhr
DFV: Tarek und Steven, Ihr habt die Organisation für das deutsche Masters Ultimate-Nationalteam 2012 in Hinblick auf die WM in Japan übernommen. Wie ist der aktuelle Stand der Vorbereitungen?
Steven: Im Oktober hat das erste offene Trainingslager stattgefunden. Wir konnten dort einen guten Überblick über einen Teil interessierter Spieler bekommen. Wir wissen nun grob, wo wir stehen und welche Arbeit noch vor uns liegt, um unseren Ansprüchen gerecht zu werden. Wir haben alle Teilnehmer und sonstige Interessierte mit einem groben Fahrplan zur WM und einem Fitnesstrainingsplan versorgt. Parallel planen wir die weiteren Schritte, Trainingslager und Vorbereitungsturniere.
Tarek: Wie Steven schon sagt, sind wir immer noch in der Vorbereitung, und haben auf dem ersten Trainingslager einen Grundstein gelegt, sowohl mit Fitnesstests und -Plänen als auch mit einem taktischen Konzept. Hier gilt es im nächsten Trainingslager weiter zu machen, und auch Spieler auf das selbe Niveau zu führen, die dann vielleicht das erste Mal beim Masters-Trainingslager sind, und alle zusammen dann eine Stufe weiter. Das nächste Trainingslager, welches Anfang März stattfinden soll, wird auch maßgeblich zur Auswahl des Teams führen; wer hier nicht dabei ist, hat keine guten Karten mit uns nach Japan fahren zu können.
DFV: Zu Eurem Hintergrund: Ihr seid beide aus Hamburg und spielt beide schon lange. Was hat Euch dazu motiviert, dieses Projekt anzugehen? Was sind Eure Ziele?
Tarek: Steven und ich sind wirklich schon eine Ewigkeit dabei, wir haben in Hamburg und mit Hardfisch schon ein paar Teams mit aufgebaut, und konnten auch in den Nationalteams Erfahrung sammeln. Wir sehen einfach wie wichtig es ist, das ganze Leistungsspektrum im Ultimate zu kennen und dieses Wissen auch weiter zu vermitteln. Aus dieser Überlegung, unserem Alter und dem Wunsch noch mal eine WM zu spielen, haben wir uns dann entschlossen Masters spielen und das Team auch führen zu wollen. Für die kommende WM möchten wir gerne eine schlagkräftige Truppe entwickeln, mit der es einfach Spaß macht leistungsorientiertes Ultimate zu spielen.
Steven: Wir haben beide schon Teams auf Turniere geführt, aber der große Titel fehlt noch. Warum also nicht mit der WM anfangen? Nein, mal im Ernst. Uns beide reizt es, ein Team zu formen. Bei den Masters, zu denen wir ja inzwischen beide gehören, sahen wir Handlungsbedarf und hielten uns dafür geeignet, daher verfolgten wir diese Idee immer weiter, bis zur Bewerbung. Unser Ziel mit dem Team ist neben der Teilnahme an der WM auch die Zeit danach. Wir hoffen auf einen guten Start und wollen, ähnlich wie in den anderen Nationalteams, längerfristig auf die dann kommenden großen Turniere hinarbeiten. Einen Schulterschluss mit den anderen Nationaltrainern im Bezug auf Trainingslager und Know-How streben wir an.
DFV: Gibt oder gab es neben der administrativen Organisation auch sportliche Termine, also Trainingslager, Turnierteilnahmen? Was ist da geplant?
Steven: Es wird im März ein Wintertrainingslager geben. Außerdem soll das Team beim Hamburg Rumble und Tom's Tourney im April an den Start gehen. Für Ende Mai, Anfang Juni wollen wir noch weitere Aktivitäten starten. Ob Trainingslager oder Turnier ist noch etwas ungewiss, wird aber bald feststehen.
Tarek: Das Administrative steht noch nicht so im Vordergrund, das wird jedoch zunehmen, je näher die WM rückt. Aktuell planen wir die Termine und Örtlichkeiten. Was beispielsweise das taktische Konzept angeht, so haben wir unsere Planung fertig und wollen dies auf den TL's und Turnieren in das Team integrieren. Es besteht auch noch die Möglichkeit für die Masters an einem Sockeye-Trainingslager teilzunehmen, auch das wird bestimmt der Teamfindung und der spielerischen Qualität helfen können.
DFV: Wie sieht die Kaderfindung aus? Bisher gibt es leider wenige Rückmeldungen von älteren Spielern mit 1. Liga-Hintergrund?
Tarek: Ja, leider! An dieser Stelle vielleicht mal ein Gruß nach München, die Hauptstadt gealterter Open-Helden ;-) Es gibt in Deutschland eine Reihe von sehr guten Spielern, die das Mastersalter erreicht haben, leider haben wir besonders aus der 1. Liga nur wenig Kontakt zu diesen Spielern. Wir würden uns wünschen, dass sich dies ändert und hier mehr Zulauf von diesen Spielern besteht. Persönlich möchte ich vielleicht noch anmerken, dass ich ja in meinen Jahren als Open-Spieler immer gern auf eine WM gefahren bin. Wenn ich mich an die Truppen von „damals" erinnere, dann wundert es mich schon ein wenig, dass es besonders meinen damaligen Teamkameraden nicht ordentlich in den Fingern juckt noch mal so ein Ding zu spielen. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Steven: Das stimmt. Wir haben viele Masterspieler der letzten Jahre auf der Liste. Das freut uns sehr, dass das Interesse trotz der großen Distanz zum Turnier so ungebrochen ist. Trotzdem hätten wir gern als Verstärkung noch ein paar Spieler aus der ersten Liga, die das Team um ihre Spielweise und Erfahrung bereichern.
DFV: Die Organisation muss parallel dazu auch vorangetrieben werden, also Flüge, Unterkünfte usw. Gibt es dazu einen konkreten Fahrplan?
Steven: Wir werden die Teamentscheidung leider erst mit dem nächsten Trainingslager, also erst Anfang März, treffen können. Bis dahin schauen wir nach allen Möglichkeiten, haben aber insbesondere die Teamfindung im Blick.
Tarek: Ja, die Zeit drängt. Leider können und wollen wir uns nicht vor dem nächsten Trainingslager festlegen. Wenn die Auswahl getroffen ist, muss auch alles ganz schnell gehen. Ziel ist es eine Mannschaft mit mindestens 18 Leuten auszuwählen. Nach unserer Meinung macht es überhaupt keinen Sinn eine Woche Ultimate auf dem Leistungsniveau mit weniger Leuten zu bestreiten. Sobald es noch mehr Infos über Unterkünfte und Flüge gibt, werden wir versuchen, da auch bereits im Vorfeld uns Optionen zu sichern.
DFV: Was glaubt Ihr, bei der Ultimate-WM in Japan "reißen" zu können? Lassen sich dazu bereits ernsthafte Prognosen erstellen?
Steven: Nein, ehrlich gesagt nicht. Dafür haben wir beiden in den letzten Jahren zu wenig aktiv auf das weltweite Mastersgeschehen geschaut. Wir wissen aber, dass ein fittes und gut eingespieltes Team so manches reißen kann. Aber frag uns noch mal nach dem Turnier in Brügge.
Tarek: Das sehe ich genauso, wir müssen erst mal unser Team zusammenbekommen und sehen wie wir harmonieren. Wenn wir unser Zusammenspiel dann gegen andere Gegner getestet haben, können wir auch einschätzen wo wir leistungsmäßig hingehören. Erst dann würde ich eine vorsichtige Prognose abgeben.
DFV: Welche Ambitionen verfolgt Ihr persönlich mit dem Projekt? Ist es mehr das "Dabei sein" oder spekuliert Ihr evtl. sogar doch auf Edelmetall?
Steven: Ich kann dabei nicht für Tarek sprechen, aber ich möchte insbesondere dabei sein und mit dem Team eine gute WM spielen. Wenn Edelmetall dabei herausspringt ist wohl niemand unglücklich. Wenn das Team dann aber hoffnungslos zerstritten ist, haben wir für die Zukunft auch nichts gewonnen.
Tarek: Eine gute WM zu spielen steht für mich auch im Vordergrund. Der Anspruch ist da, möglichst gut zu sein, allerdings sehe ich da nicht nur Siege sondern auch die Leistung in einem Spiel, diese beiden Dinge gehen nicht immer Hand in Hand, insofern sollten wir uns immer zuerst auf unser Spiel konzentrieren und dann auf den Gegner. Ob dann am Ende eine Medaille raus springt, ist auch immer abhängig von der Turnierform und vom Glück. Insgesamt sind die Chancen bei den Masters natürlich besser in den oberen drei Rangen zu landen als in der Open-Division, man erinnere sich an dieser Stelle mal an die WM 2000 in Heilbronn (Deutschland Vizeweltmeister)
DFV: Die WM in Japan wird sicherlich sehr kostspielig werden. Gleichzeitig stellt sie die Qualifikation für die World Games 2013 dar. Für das Nationenranking (Deutschland müsste fünfter werden) spielt die Masters-Division jedoch keine Rolle. Befürchtet Ihr deswegen weniger Beachtung oder Unterstützung zu erhalten?
Tarek: Die Mastersdivision hat natürlich nicht den Stellenwert, wie die Openspiele, das sieht man in den USA, das wird auf der WM nicht anders sein, und auch hier ist ein Mastersspiel nicht die Hauptveranstaltung. Wir hoffen natürlich das sich dies mit dem neuen Team ändern wird ;-), aber es ist kein Problem für uns, keine Rolle im Nationenranking zu spielen. Was das Finanzielle angeht, so ist es natürlich schade keine Unterstützung zu bekommen, aber im Damen- und Open-Bereich mit ihren jungen Spielerinnen und Spielern (Studenten) ist das Geld dann vielleicht auch besser angelegt.
Steven: Wir stehen ein für ein Mastersteam, dass eine echte Alternative für ältere Openspieler ist. Damit wollen wir 2012 anfangen. Ich denke, dass dies auch bei den Ultimatespielern in Deutschland Beachtung finden wird. Dass auf dem Turnier sicherlich Open und Damenteams mehr im Mittelpunkt stehen werden, ist ganz logisch.
DFV: Was für Spieler sucht ihr, welche Fähigkeiten, welche Voraussetzung müssen National-Spieler im Mastersteam für Euch haben?
Tarek: Einfach gesagt: Wir wünschen uns Spieler die einen riesen Bock haben auf einem großen internationalem Turnier noch mal richtig abzugehen. Natürlich müssen sie werfen, laufen, fangen können, aber wir brauchen nicht nur ehemalige Open-Helden. Wir brauchen teamfähige, erfahrene Spieler, die gewillt sind an ihrer Fitness zu arbeiten und mit uns die WM zu spielen. Ach ja, alt genug müssen sie auch noch sein :-)!
Steven: Dem ist nicht viel hinzu zu fügen. Fitness und die Motivation eine Woche lang Ultimate zu spielen sind unabdingbar. Spielverständnis und die Beherrschung der Grundfähigkeiten sind Voraussetzung.
DFV: Zuletzt noch der Aufruf an potenzielle hochklassige Mitspieler: Bis wann und v.a. warum sollten sich frühere Erstligaspieler melden, um im Deutschen Masters-Nationalteam bei der WM in Japan dabei zu sein?
Steven: Bis zum nächsten Trainingslager. Wir werden dazu noch über die Wurfpost aufrufen. Jeder, der ernsthaft Interesse hat, sollte sich anmelden oder zumindest bei uns beiden dieses Interesse bekunden.
Tarek: Ja, wie Steven schon sagt, wir wollen alle Spieler mit Interesse auf dem nächsten Trainingslager sehen, wenn dies nicht möglich ist, wollen wir von den Leuten hören, damit wir sie unter Umständen berücksichtigen können. Noch mal zur Wiederholung es müssen nicht unbedingt Erstligaspieler sein, wer Lust hat die WM zu spielen und die eben erwähnten Kriterien erfüllt, soll sich bitte bei uns melden. Die nächste WM ist erst wieder in vier Jahren. Wer weiß, ob wir dann überhaupt noch spielen können? Also meldet Euch Masters!!!