Spirit-Irrtümer

Immer wieder einmal treten Situationen auf, in denen wir denken, wir verhalten uns gemäß dem Spirit of the Game, tun dies bei näherer Betrachtung aber gerade nicht. Hier folgt eine erste Liste, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Die meisten Beispiele stammen von Marvin Hörter und Sylvester Pryzbyla.

Sie sind hier angeordnet aufsteigend nach dem Hauptbezug zu den Ultimate-Regeln. Wenn Ihr weitere gute Beispiele, Anmerkungen oder Fragen habt, dann meldet euch bitte beim Spirit-Komitee!

1. Gentleman-Macho: Bei großer Überlegenheit spiele ich überheblich.
Warum falsch? Ich nehme das gegnerische Team nicht ernst oder für voll.

§ 1.4 Hoher kämpferischer Einsatz wird gefördert, sollte aber niemals auf Kosten des gegenseitigen Respekts zwischen den Spielenden, des Festhaltens an den vereinbarten Spielregeln oder der Freude am Spiel gehen.

Alternativ: Ich spiele so gut ich kann, aber nicht übertrieben physisch.

2. Grußzwang: Ich ringe Gegnerin oder Gegner einen Handschlag ab.
Warum falsch? Ich lenke sie oder ihn ab oder verhindere gegebenenfalls ihre oder seine gewünschte Positionierung und störe damit sogar.

§ 1.5.4 Dich Gegenspielerin oder Gegenspieler vorstellen, ist ein Beispiel für guten Spirit!

Das ist voll ok, wenn die Zeit es erlaubt! Alternativ: Falls aber nicht, ist das auch nach dem Punkt oder an der Seitenlinie möglich.

3. Ungefragter Diskussionsbeitrag: Ich mische mich in einen Call ein, weil ich die beste Sicht hatte.
Warum falsch? Ich behindere die Selbstregulierung.

§ 1.10 Die Regeln sollten von den Spielenden interpretiert werden, die direkt an der Aktion beteiligt waren, oder von Spielenden, die die beste Perspektive auf die Aktion hatten. Nichtspielende, abgesehen von Kapitänen, sollten davon absehen sich zu beteiligen. Allerdings dürfen Spielende die Sichtweise von Nichtspielenden erbitten, um Regeln zu klären, und um Spielende dabei zu unterstützen, den angemessen Call zu machen.

Alternativ: Ich lasse die Spielenden die Situation alleine klären und beschreibe meine Sichtweise nur, wenn ich gefragt werde.

4. Über-Spirit: Ich bedränge Mitspielerin oder Mitspieler, einen Call zurückzuziehen.
Warum falsch? Ich setze meine Wahrnehmung über andere und dominiere Mitspielende meines Teams.

§ 1.11 Spielende und Kapitäne tragen die alleinige Verantwortung, alle Calls zu machen.

Alternativ: Ich lasse Mitspielerin oder Mitspieler die Situation alleine klären, außer sie oder er fragt nach meiner Sichtweise. Wenn ich davon überzeugt bin, dass ihr oder sein Call falsch war, kann ich ihr oder ihm dies signalisieren, jedoch ohne sie oder ihn zu bedrängen.

5. Scheibe bringen: Ich bringe eine aus gegangene Scheibe an die Seitenlinie.
Warum falsch? Ich bevorzuge unerlaubt die oder den Werfenden.

§ 11.8 Falls die Scheibe aus ist und mehr als drei Meter vom Pivotpunkt entfernt, dürfen Nicht-Spielende die Scheibe holen. Die oder der Werfende muss die Scheibe die letzten drei Meter zum Spielfeld tragen.

Alternativ: Ich hole eine weit ausgegangene Scheibe und lege sie ca. 3 Meter vor der Auslinie auf den Boden (entsprechend werfe ich sie auch nur ca. max. bis 3 m vor den Brickpunkt).

6. Scheibe überreichen: Nach einem Scheibenverlust nehme ich die Disc und gebe sie meiner Gegnerin oder meinem Gegner.
 Warum falsch? Ich greife in die Entscheidungsfreiheit und das Timing des anderen Teams ein.

§ 13.5 Nach einem Turnover darf jede und jeder Spielende der angreifenden Mannschaft die Scheibe aufnehmen.

Alternativ: Ich lasse die Scheibe liegen oder lege sie auf den Boden und orientiere mich stattdessen zur oder zum eigenen Gegenspielenden. Dies gilt insbesondere nach einem Stall-Out, auch wenn es unhöflich erscheint, die Scheibe dann abzulegen. Das ist aber genau richtig.

7. Eigenfoul-Call: Ich bezichtige mich selbst.
Warum falsch? Ich verursache damit eine unerlaubte Unterbrechung, die laut Reglement nicht vorgesehen ist.

§ 15.4 Nur die gefoulte Spielerin oder der gefoulte Spieler darf ein Foul callen, indem sie oder er „Foul“ ruft.

Alternativ: Ich teile der oder dem Gegenspielenden nach dem Punkt mit, dass ich das für ein Foul hielt und entschuldige mich dafür.

8. Gegenspielenden-Freeze: Vorschneller Injury-Call, vermeintlich zugunsten der oder des Gegenspielenden.
Warum falsch? Ich bevormunde damit die oder den Gegenspielenden (sie oder er wird signalisieren, wenn es etwas wirklich Schlimmes ist, oder ich werde es erkennen) und nehme dem gegnerischen Team vor allem in der Offense den Vorteil.

§ 19.1.1 Eine Verletzungsunterbrechung, „Injury“, kann von einer verletzter Spielerin oder einem verletzten Spieler oder jeder anderen Spielerin oder Spieler ihrer oder seiner Mannschaft gecallt werden.

Alternativ: Ich bleibe zunächst in der Nähe und erkundige mich gegebenenfalls, ob alles in Ordnung ist.

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