Throwback Thursday: Zum zweiten e in Frisbee

Immer donnerstags werden unregelmäßig ältere Beiträge nochmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Hier folgt Teil 2 von 3 einer Rückschau in die Geschichte der Flugscheiben, die genau vor zehn Jahren entstand.

Am 14. Januar 2008 ist Richard Knerr, Mitbegründer der Spielzeugfirma Wham-O, 82-jährig gestorben. Der Erfinder der ersten Plastikscheibe, Walter Frederick Morrison, starb am 9. Februar 2010, nur wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. 1957, an seinem 37. Geburtstag unterzeichnete er mit seiner Frau Lu bei Wham-O den Vertrag über die Rechte an der Flugscheibe gegen vierteljährliche Vergütungsschecks. In Teil 2 der Serie geht es um den Beginn der Frisbeeproduktion bei Wham-O. Bild aus: „Flat Flip Flies straight – True Origins of the Frisbee“, Fred Morrison und Phil Kennedy, USA 2005.

1937 war Fred Morrisons Sternstunde, als er mit seiner Freundin Lu einen Popcorn-Metalldeckel hin und her durch die Luft schnippte. Nach seiner Rückkehr aus Deutschland als Pilot im Zweiten Weltkrieg begann er 1946 zusammen mit seinem Financier Warren Francioni – ebenfalls ein ehemaliger Luftwaffen-Pilot – eine Plastikscheibe zu entwerfen. Im Folgejahr gründeten die beiden ihr Unternehmen „Partners in Plastic“ (PIPCo), 1948 entstand die erste aus Plastik gegossene, flugfähige Scheibe. Aufgrund damaliger Medienberichte über Fliegende Untertassen hielten sie es für folgerichtig sie „Flyin‘ Saucer“ zu nennen.

Die Verkäufe verliefen schleppend: die Verpackung war eintönig, das Konzept nur mit einer Demonstration verständlich und dafür standen zu wenige zur Verfügung, die die Technik des Rückhandwurfes beherrschten. 1950 trennten sich die Partner freundschaftlich. Warren Francioni trat wieder ins Militär ein, wo er weiterhin einige Scheiben verkaufte. Bis in die Mitte der 1960-er Jahre erhielt er Tantiemen für die „Flyin‘ Saucers“ (laut San Antonio Express vom 17. Juli 2007, s. www.mysanantonio.com).

Fred Morrison aber entwickelte 1955 eine fortgeschrittene Version, die wie ein Raumschiff aussehen sollte. Er fand einen neuen, günstigeren Hersteller und nannte das neue Modell nach dem damals jüngst entdeckten Planeten „Pluto Platter“. Der berühmte Schriftzug in der Innenseite der originalen Scheiben geht auf Fred Morrisons Frau Lu zurück:

„Play catch. Invent games. To fly, flip away backhand.
Flat flip flies straight. Tilted flip curves. Experiment!“

Ein Fremder schlug dem Erfinder in einem Park in Los Angeles vor, mit seiner Flugscheibe zu Wham-O zu gehen. Am 23. Januar 1957 unterzeichneten Morrison und seine Frau den Vertrag, während der „Pluto Platter“ sogar bereits zehn Tage zuvor, seit dem 13. Januar 1957, durch Wham-O vertrieben wurde.

Die Geschäftsführer Richard Knerr und Arthur Melin setzten noch im selben Jahr, ab dem 8. Juli 1957, das Wort „Frisbee“ zusätzlich mit auf die Verpackung. Fred Morrison hielt den Namen für unbrauchbar und bezeichnete ihn als „schrecklich“ und „verrückt“. Für die Entstehung des Markennamens gaben Wham-O und Rich Knerr zwei Erklärungen ab, die beide angezweifelt werden dürfen: Zunächst hieß es, Knerr habe auf einem Trip an die Westküste Studenten beim Werfen der „Frisbie-Pie“-Bleche beobachtet und dabei den Warnruf „Frisbie!“ phonetisch falsch übertragen. In einem Interview in Sports Illustrated gab Knerr an (1987), er habe den Namen von der Comicfigur „Mr. Frisbie“ abgeleitet. Diese Version wird auch im Buch „Ultimate – the first four decades“ von Tony Leonardo and Adam Zagoria (Los Altos, USA, 2005) genannt, obwohl Knerrs Kompagnon Arthur Melin dies später bestritten hat.

Tatsächlich war aber bereits vor dem handelsrechtlichen Eintrag des Markenzeichens auch die Schreibweise „Frisbee“ (mit Doppel-„e“, als Synonym für den „Pluto Platter“, u.a. in der Sports Illustrated-Ausgabe vom 13. Mai 1957) gebräuchlich. Daneben bestanden auch Schreibweisen wie „Frizby“, „Phrisbie“, „Frisbey“ und natürlich „Frisbie“. Dies belegt durch umfangreiche Recherchen Victor A. Malafronte in seinem „Complete Book of Frisbee“ (Oceanside, USA 1998, S. 205 ff.) und stellt damit die Legitimität des noch heute gültigen Warenzeichens in den USA für den auch dort umgangssprachlich gebräuchlichen Begriff „Frisbee“ in Frage.

Nachtrag 2018: Nach Auskunft des Marken- und Patentamtes Jena ist ein markenrechtlicher Schutz des Begriffs „Frisbee“ in Deutschland nicht möglich, da er im Duden steht („das Frisbee“) und damit dem allgemeinen Sprachgebrauch zugehört.


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