Doppel-Bronze für deutsche U17-Mädchen und -Jungs, Teil 2 mit dem Nachbericht zum U17-Mädchen Team
Dieser Bericht setzt den EYUC-Nachrichtensplitter vom 10.08.2026 fort.
Für das Mädchenteam begannen die EYUC mit einem Testspiel gegen Belgien am Montagvormittag. Beste Gelegenheit, die sich über die letzten Tage angestaute Nervosität etwas abzubauen, eine Warmup-Routine zu finden und sich mit einem Gegner vertraut zu machen, dem man im Laufe des Turniers gleich zweimal begegnen sollte. Gewöhnungsbedürftig war auch die enorme Hitze, die während der Woche immer wieder Kopfschmerzen, Nasenbluten und heiße Füße verursachte. Zum Glück hatten es sich einige mitgereiste Eltern zur Aufgabe gemacht, das Team so gut wie möglich mit Eis, Drucksprühern und nassen Tüchern zu versorgen. Ein vorgezogenes Dankeschön an dieser Stelle.
Das Auftaktspiel fand gleich auf der großen Bühne statt, im Stadion, unter den Augen des Open-Teams und vieler deutscher Fans, die bereits am Dienstagvormittag fahnenbewehrt die Ränge bevölkerten. Es ging gegen Ungarn, die mit Deutschland, Frankreich und Österreich Gruppe A bildeten. Die Sorge der Coaches, dass die Atmosphäre die Spielerinnen vielleicht unter Druck setzen könnte, verflog nach nur wenigen Punkten. Die gingen nämlich sämtlich an Deutschland. Die Mädchen nutzten jeden Flüchtigkeitsfehler durch schnelle Konter aus und holten sechs Breaks in Folge, bevor Ungarn den ersten Punkt machte. Endstand: 10-2. Leider wurde der Sieg durch die Verletzung einer Schlüsselspielerin des deutschen Teams getrübt. Ein Ausfall, der alle emotional mitnahm und strategisches Umdenken für das Turnier erforderte.
Das zweite Gruppenspiel, gegen Frankreich, stand also unter keinem guten Stern. Dabei hatten sich die Mädchen vor Turnierbeginn viel vorgenommen. Man wollte Revanche für die Finalniederlage auf dem letztjährigen Youth Summit in Lund und wiederholen, was damals in der Gruppenphase glückte: Frankreich 12-2 vom Platz zu fegen. Daraus wurde leider nix. Die Französinnen hatten aus den Fehlern, die sie auf dem Summit gegen die deutsche Zone gemacht hatten, gelernt. Es war auch das einzige Team der Mädchen-Division, dem es gelang, im Gegenwind, welcher auf den Nebenfeldern noch stärker wehte, souverän die Scheibe nach vorn zu tragen. Deutschland geriet früh in einen 0-3-Rückstand, konnte sich nach einem Timeout noch auf 3-4 herankämpfen, bevor Frankreich mit dem Spiel davonzog. Endstand: 4-10.
Die folgenden drei Spieltage gestalteten sich ähnlich dem ersten: Frühstück, Shuttle zu den Feldern, Aufwärmen, erstes Spiel um 10:40 Uhr, Mittagessen, Ausruhen in der Players Lounge, eine halbe Stunde das Open-Team anfeuern, erneutes Warmup, zweites Spiel um 17:50 Uhr, Abendessen, Shuttle zurück zum Hostel und dann versuchen, in der Hitze etwas Kühlung und Schlaf zu finden.
Am Mittwochvormittag stand das letzte Gruppenspiel an. Österreich hatte am Tag zuvor Frankreich bis in den Universe gezwungen. Die deutschen Mädchen waren gewarnt. Zudem überwog auf der Tribüne jetzt das Rot-Weiß des Heimteams. Bis zur dreizehnten Minute war es ein ausgeglichenes Spiel. Dann rissen die Nerven im österreichischen Team. Vermeidbare Turns ermöglichten Deutschland leichte Punkte, neun in Folge. Im Stadion herrschte auch weniger Wind. So konnten die Mädchen den Flow kreieren, der sie bereits durch die gesamte EYUC-Vorbereitung getragen hatte. Die letzten Punkte von Österreich waren Ergebnismakulatur. Mit einem 13-5-Sieg sicherte sich Deutschland einen Spot im oberen Power Pool, zusammen mit Belgien, Frankreich und Italien. Im unteren begegnet sich Großbritannien, Österreich, die Schweiz und Ungarn.
Die Ergebnisse der Power-Pool-Spiele würden über die Zusammensetzung der Viertelfinals entscheiden. Der erste Gegner war Belgien, die Partie ein Tauziehen. Den Belgierinnen gelang es immer wieder, die Scheibe auf schmalem Raum an der Sideline entlangzudrücken. Und die Risiken, die sie mit ihren langen Würfen eingingen, wurden nicht selten belohnt. Die deutschen Mädchen spielten variabler, mit Insides auf die geschlossene Seite, was ein Schwerpunkt auf den Trainingslagern gewesen war. Beim Stand von 8-7 zogen sie auch in der Verteidigung an, markten frontal gegen die Hucks der belgischen Werferinnen und holten so drei Breaks in Folge. Am Ende hieß es 11-7 für Deutschland.
Donnerstag: Das zweite Power-Pool-Spiel, gegen Italien, war keines der technischen Finessen, sondern ein physisches und mentales Ringen um jeden Meter. Allein der zweite Punkt dauerte 17 Minuten. Die Italienerinnen setzten auf den Wind, warfen tief, sobald sie in Scheibenbesitz kamen, darauf bedacht, nach eigenem Turn sofort ihre Zone zu stellen. Gegen eine solche Trap aus vier Personen hatten die deutschen Mädchen bisher nicht gespielt und taten sich entsprechend schwer, ließen sich immer wieder ans Seitenaus drängen, statt den Cup Richtung Breakside zu umspielen. Die Hitze und die Physis ihrer Gegnerinnen taten das Übrige. Nach einem hart erkämpften 4-4 entglitt ihnen das Spiel in der zweiten Halbzeit immer mehr und endete 5-10.
Als Gruppendritter im oberen Pool ging es im Viertelfinale gegen den Gruppenzweiten des unteren, und der hieß Ungarn. Ein Rematch also. Die Ungarinnen wirkten vom ersten Punkt an erschöpft. Sie waren nur mit einem sehr kleinen Kader angereist, in dem zwei U20erinnen (in der Mädchen-Division erlaubt gemäß EUF) die Hauptarbeit verrichteten, was bei 40° natürlich nicht durchzuhalten war. Sie wirkten ratlos gegen die deutsche Zone, swingten die Scheibe viel, ohne in die gegnerische Hälfte vorzustoßen, machten Fehler im Rückraum, die sofort bestraft wurden. So zog Deutschland mit einem schnellen 13-1 ins Halbfinale der EYUC ein.
Das Rückspiel gegen Italien fand am Freitagmorgen statt. Im Stadion herrschte eine aufgeheizte Atmosphäre. Die Tröten der italienischen Fans machten es fast unmöglich, auf und neben dem Feld zu kommunizieren. Das taktische Briefing zur Zone vor dem Spiel musste also genügen. Deutschland startete jetzt mit vier Spielerinnen im Rückraum, um die Swings um den Cup herum zu erleichtern. Leider zerfiel diese Viererkette immer wieder, ließen sich die deutschen Mädchen zu weit auf die Trap-Seite locken. So kam es, dass wenn die Scheibe wanderte, dann oft Richtung eigene Endzone. Sobald sich die Spielerinnen einmal zurückbesannen und das Feld breit zogen, passierte Gutes. Eine Power Line hatte sogar die Chance, zur Halbzeit das Team 5-4 in Führung zu bringen, konnte sie aber nicht verwerten. Dafür ergatterte sich Italien ein Break zum 7-5 und somit zwei Matchpunkte. Der erste wurde noch abgewehrt. Der zweite jedoch verwandelt. So verpasste Deutschland mit einer schmerzhaften 6-8-Niederlage das Finale.
Dies bedeutete: Spiel um Platz drei. Das fand am Freitagnachmittag statt, direkt nach dem Bronze-Sieg des Open-Teams. Die Mädchen wollten unbedingt gleichziehen. Die Partie startete mit fünf unsauberen Holds. Das Spacing im deutschen Team war deutlich besser als im Halbfinale. Die Scheibe lief gut gegen die belgische Zone, man kam vorwärts, wenn auch nicht fehlerfrei. Die Offense war nach ihren Turns allerdings aufgeweckt im Verteidigen und ließ kaum einen Pass zu. Ein Knackpunkt kam in der 29. Minute, als Deutschland ein Break gegen den Wind gelang. Es folgte ein zweites Break, ein drittes, viertes. Mit 7-2 und Jubelstürmen ging es in die Halbzeitpause. Die Coaches warnten vor Übermut. Belgien hatte genau einen solchen Rückstand im Viertelfinale zu einem Sieg gedreht. Nicht nachlassen hieß die Devise. Die zweite Hälfte war ein Schlagabtausch. Die Belgierinnen huckten mit dem Mut der Verzweiflung. Deutschland blieb, bis auf ein paar wohlplatzierte lange Würfe, geduldiger und spielte die belgische Defense müde. Die Zeit war auf ihrer Seite. Noch ein Break konnte Belgien stehlen. Dann war es geschafft. Mit 11-7 holten sich die deutschen Mädchen die Bronze-Medaille der EYUC 2026. Und die wurde gefeiert wie eine goldene.

Dritter wurde das Mädchenteam auch in der Spirit-Wertung, gemeinsam mit der Schweiz. Ein Faktor war sicher die positive, stets er- und nie entmutigende Stimmung im Team, die jeden Gegenpunkt und jede Niederlage schnell vergessen ließ. Der Zusammenhalt war stark. Umso trauriger, dass sieben Spielerinnen des Jahrgangs 2010 zu Saisonende aus dem Team ausscheiden. Die gute Nachricht: Mehrere junge Talente, die bereits dieses Jahr eine tragende Rolle spielten, werden noch zur nächsten EYUC 2028 in der U17 sein. Was für eine Aussicht!