Call-Entscheidung bei Marking Infraction

em-samstag_1144Anfrage an das DFV UA-Regelkomitee zielt auf Möglichkeiten, Violations zu callen oder den Spielfluss zu erhalten – von Katharina Hafer

Ultimate Frisbee wird auf der Basis des „Spirit of the Game“-Prinzips gespielt. Das bedeutet, dass es keine externen Schiedsrichter gibt. So wird den Spielenden selbst die Entscheidung überlassen, ein Foul zu callen oder nicht. Ein besonderer Fall liegt bei Marking Infractions vor, auf die die Markerin oder der Marker nicht richtig reagiert.

handsignal-marking-infractionNach jedem Call gibt es eine in den Regeln vorgesehene Weiterführung des Spiels. Diese und die Regeln selbst müssen von den Spielenden gut beherrscht werden. Solang es bei den Grundregeln bleibt, ist das nicht besonders schwierig. Sobald es aber in die Details geht, gibt es immer wieder Unklarheiten unter den Sporttreibenden.

Um diese zu beseitigen, gibt es Interpretationen und Beispiele, die den Spielerinnen und Spielern helfen sollen die jeweilige Regel richtig anzuwenden. Ein Thema, über das auf dem Spielfeld häufig diskutiert wird, sind die Marking Infractions, also alle Regelverstöße (außer Fouls), die von der Markerin oder dem Marker ausgehend gegen die oder den Werfenden passieren.

Bei einer nicht contesteten Marking Infraction innerhalb des Stallcounts müssen die Verteidigenden die Regelverletzung sofort aufheben und im Anzählstand zwei abziehen:

18.1.3. On the first call of a marking infraction that is not contested, the marker must subtract two (2) from the stall count and continue.

Wird die Marking Infraction bestritten, hält das Spiel an (§ 18.1.2) und geht es nach kurzer Klärung maximal bei 6 weiter. Gibt es jedoch keinen Contest und die Verteidigenden heben die Marking Infraction nicht auf (also trotz des Calls wurde z.B. ein „Straddle“ oder „Wrapping“ nicht behoben), dürfen sie nicht weiterzählen, oder die Angreifenden dürfen erneut eine Marking Infraction callen:

18.1.4. The marker may not restart counting until any illegal positioning has been corrected. To do otherwise is a subsequent marking infraction.

Sobald es während eines Scheibenbesitzes mehr als einen Verstoß von Seiten der Markerin oder des Markers gibt, muss die oder der Verteidigende ab dem zweiten und auch bei jedem weiteren Verstoß den Anzählstand wieder auf 1 zurücksetzen:

18.1.5. For any subsequent uncontested marking infraction called during the same throwers possession, the marker must restart the count at one (1) and continue.

handsignal-violationWie geht es weiter, wenn die Anzählzeit nicht angepasst wird?

Diese Frage wurde dem DFV UA-Regelkomitee gestellt, woraufhin dieses anhand der Regeln und der Interpretationen zwei Möglichkeiten aufzeigte. Durch diese nicht immer bekannte Entscheidungsfreiheit kam es in manchen Spielen zu Verwirrung.

Die erste Möglichkeit der oder des Werfenden ist eine „Violation“ zu callen. Dies kann in § 18.1.6. des Regelwerkes nachgelesen werden:

18.1.6. Wird das Anzählen nach einer Marking-Infraction nicht korrigiert oder wird kein Anzählen durchgeführt, darf eine Violation gecallt und das Spiel unterbrochen werden. (If, after a marking infraction, the stall count is not corrected, or there is no stall count, a Violation may be called and play shall stop.)

In diesem Fall wird das Spiel angehalten, damit Werfende und Verteidigende den Verstoß aufdecken und ggf. die Situation mit kurzen Argumenten klären können.

18.1.1.1.4. bzw. 18.1.1.1.5. aber besagt, dass ein „fast count“ gecallt werden kann, sobald

„der Marker (…) nicht zwei Sekunden vom Anzählstand [abzieht], wenn zum ersten Mal eine Marker-Infraction angezeigt wird, oder [wenn er] das Anzählen mit der falschen Zahl [beginnt]“ (The Marker does not subtract two (2) seconds from the stall count after the first call of any marking infraction, or (18.1.1.1.5.) does not start the stall count from the correct number.)

In diesem Fall muss dann der Marker wieder von 1 mit dem Anzählen beginnen. (s. § 18.1.5.) Der „fast count“ ist somit die zweite Möglichkeit.

Fast Count oder Violation

In den Interpretationen (§ 18.5, Interpretations) wird geraten, dass eher ein „fast count“ gecallt werden sollte, damit der Spielfluss erhalten bleibt. Wenn dann die Markerin oder der Marker immer noch mit der falschen Anzählzeit anfängt, kann immer noch eine „Violation“ gecallt werden und der Spielstopp ermöglicht es Unklarheiten zu beseitigen. Trotzdem bleibt aber die erste Möglichkeit vorhanden, auch direkt „Violation“ zu callen.

Alle Möglichkeiten der Ultimate-Regeln im Umgang mit Marking Infractions werden derzeit als deutsches Entscheidungsdiagramm dargestellt, das nach Rücksprache mit dem WFDF Ultimate-Subkomitee Regeln veröffentlicht wird.


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