Die stärkste Tryout-Performance jemals

Erstes Tryout für den World Games-Kader von „Flying Disc Deutschland“ in Darmstadt – Hochklassige Wiederaufnahme des Präsenztrainings eines DFV-Nationalteams inklusive wissenschaftlichem Projekt

Das erste von zwei Tryouts zum World Games-Kader von „Flying Disc Deutschland“ fand Anfang Juli in Darmstadt statt. Die Coaches Stefan Rekitt (2.v.r), Marco Müller (r.), Max Leibersberger (l.) und Stephanie Sauer (Fotos: Jacoby) sowie DFV-Bildungsvorstand Ralf Simon, der die Leistungsdiagnostik im Rahmen eines Forschungsprojekts der Technischen Universität Darmstadt durchgeführt hat, standen anschließend zum Interview bereit. Details zum Auswahlprozess und zur Forschung ganz unten.

Extrem hohe sportliche Qualität

Stefan Rekitt ist begeistert von der extrem hohen sportlichen Qualität, die die Spielerinnen und Spieler gezeigt haben:

„Das konnten wir so nicht erwarten. Wir sind schon nach dem ersten von zwei Tryouts sehr zuversichtlich, dass wir für die weitere World Games-Kampagne ein hervorragendes Team zusammenstellen werden. Das wird auch nötig sein. Denn die anderen Nationen haben zum Teil mehr Erfahrung und einen größeren Talentpool. Deshalb versuchen wir die Vorbereitung so optimal wie möglich zu gestalten.“

Auch Marco Müller hielt es nicht für möglich, nach der langen Corona-Pause unmittelbar ein solches Niveau auf dem Platz zu erleben:

„Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben über Monate, wenn nicht über Jahre, nicht sportartspezifisch trainieren können. Umso erstaunlicher ist es, dass davon nichts zu sehen war. Im Gegenteil: Das Niveau war eher höher als bei früheren Tryouts. Erfreut hat uns außerdem auch das hervorragende Zusammenspiel zwischen den beiden Geschlechtern, das man bereits am Samstagmorgen sehen konnte.“

Stefan Rekitt legt nach: „Alle Spielerinnen und Spieler haben uns positiv überrascht. Ich organisiere seit fast 30 Jahren regelmäßig Tryouts für Nationalteams. Früher für Junioren, später für das Open-Team. Ich habe aber noch nie eine so starke Performance auf einem Tryout gesehen. Teilweise ist die Leistung sogar noch stärker gewesen als ich es aus der Zeit vor Corona in Erinnerung hatte.“

Begeistert von der professionellen Einstellung

Neben der Leistung auf dem Feld waren die Trainer*innen am Wochenende vor allem auch von der positiven Energie und der professionellen Einstellung der Sportler*innen begeistert. Alle Teilnehmer*innen hatten schon zu Beginn des Tryouts alle nötigen organisatorischen Dinge abgeschlossen. Marco Müller ergänzt:

„Auf dem Feld herrschte eine Stimmung, die man sonst nur von Finalspielen bei internationalen Großereignissen kennt. Bezeichnend dafür war das magische Gefühl im Universe-Point im Abschlussspiel am Sonntagnachmittag, das bei mir noch heute Gänsehaut hervorruft.“

Das Trainer*innen-Team betrachtet die Chance, aus den besten Spielerinnen und Spielern in Deutschland eine Auswahl treffen zu können, als schwierige Herausforderung und zugleich als ein Privileg. Sie sind sehr froh, mit so vielen taltentierten jungen Menschen zusammenarbeiten zu können. Zugleich können sie – in Hinblick auf die professionelle Organisation – auch auf die Hilfe einiger weiterer Kräfte zählen.

Von links: Max Leibersberger, Stefan Rekitt und Philipp Hartmann.

In sportlicher Hinsicht sind die beiden Trainer des Mixed-Nationalteams, Heiko Walldorf und Philipp “Hardi” Hartmann zu nennen, die bei der Selektion der Bewerber*innen, bei der Vorbereitung auf die Tryouts und auch bei der Beobachtung und Bewertung der Spieler*innen auf den Tryouts sehr intensive Unterstützung leisten. Weiter hat Ralf Simon die Genehmigung für die Studie beantragt und erhalten, ohne die die Tryouts nicht in Darmstadt laufen könnten. Er wird das Trainer*innen-Team auch im Anschluss als Video-Scout bei der taktischen Vorbereitung auf die möglichen Gegner begleiten.

Max Leibersberger hebt zudem die Hilfe von Robin “Bobi” Jacoby und Mark Kendall hervor:

„Bobi füllt unsere Social Media-Kanäle auf Instagram und Facebook mit Inhalten. Durch seine Berichterstattung vom Wochenende können auch die Daheimgebliebenen einen sehr guten Eindruck von den Geschehnissen gewinnen. Zudem kümmert er sich zusammen mit Mark Kendall auch um das Thema Marketing und Sponsoring für das World Games-Team. Zusätzlich dazu wird uns Mark bei der Organisation der Vorbereitung und unserer Reise zu den World Games in den USA unterstützen.“

V.l.: Rekitt, Walldorf, Sauer, Leibersberger, Müller, Hartmann

Hygiene-Konzept entspricht höchsten Standards

Für das erste Tryout waren aber auch besondere Sicherheitsvorkehrungen in Hinblick auf pandemiebedingten Einschränkungen zu beachten. Steffi Sauer erklärt, dass das Hygiene-Konzept für die Tryouts höchsten Standards entspricht:

„Die Gesamtheit aller Maßnahmen trug aus unserer Sicht dazu bei, eine bestmögliche Sicherheit für alle Beteiligten zu garantieren. Vor Ort haben wir Kontakte fast ausschließlich auf den Außenbereich beschränkt, indem Vorgaben zur Übernachtung, zum Essen und zur Verwendung sanitärer Anlagen gemacht wurden. Zusätzlich mussten überall, wo ein Aufenthalt in Innenräumen unvermeidbar war, Masken getragen werden.“

Zusätzlich dazu mussten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits im Vorfeld einen Corona-Test durchführen oder eine Bescheinigung über einen vollständigen Impfschutz, bzw. eine Bescheinigung des Genesenen-Status vorlegen. Vor Ort wurden schließlich alle Anwesenden zwei weiteren Tests unterzogen, um die Sicherheit weiter zu erhöhen. Damit sah das Hygiene-Konzept sogar noch strengere Regeln vor, als sie derzeit in anderen Lebensbereichen üblich sind. Das war den Trainer*innen besonders wichtig, um bei einem Event, bei dem Menschen aus allen Teilen Deutschlands für ein ganzes Wochenende zusammenkommen, das potenzielle Infektionsrisiko so gut es geht zu minimieren.

Weiter berichtet Marco Müller: „Im Vorfeld zu dem Wochenende fanden bereits zwei Online-Calls statt, in denen das Konzept ausführlich erläutert wurde. Vor Ort waren wir begeistert von der Disziplin aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die nicht nur alle notwendigen Unterlagen parat hatten, sondern auch alle Auflagen angenommen und sich zu eigen gemacht haben. Dafür wollen wir uns auch hier nochmal ausdrücklich bedanken!“

Forschung zum Anforderungsprofil im Ultimate

Beim Fokus auf das deutsche Spitzen-Ultimate leistet die durchgeführte Studie eine große Hilfe. Das Forschungsprojektdes Instituts für Sportwissenschaft der TU Darmstadt versucht herauszufinden, welches Anforderungsprofil Spielerinnen und Spieler für Ultimate haben sollen oder müssen. Das ist auch in Hinblick darauf zu betrachten, wer es ins Deutsche World Games-Team schafft. Ralf Simon schildert die dazu beim ersten Tryout durchgeführten Arbeiten:

Bisher haben wir Interviews mit den Coaches geführt, um einen Eindruck vom Anforderungsprofil zu bekommen. Weiter haben wir das aktuelle Befinden der Spielerinnen und Spieler zu verschiedenen Zeitpunkten des Tryouts abgefragt. Hier interessiert uns die Belastung für die Spielerinnen und Spieler während solch eines zweitägigen Tryouts. Zusätzlich haben wir eine Leistungsdiagnostik durchgeführt, mit den für die Coaches relevanten konditionellen Fähigkeiten, wobei wir auf die (Schnelligkeits-) Ausdauerfähigkeit aus Effizienzgründen noch verzichtet haben.“

Im Einzelnen wurden folgende Tests durchgeführt: 30m Linearsprint, Counter Movement Jump (CMJ) und Illinois Agility. Beim 30m-Sprint können Kraftfähigkeit und Schnelligkeit (Laufkoordination) beurteilt werden, beim CMJ die Kraftfähigkeit und beim Agility-Test zusätzlich die Fähigkeit, schnell die Richtung zu wechseln.

„Teamwork makes the dream work“

Eine der studentischen Hilfskräfte, die bei der Studie unterstützt haben, sagte: „Ich finde es voll cool, wie die sich gegenseitig unterstützen. Die sind ja eigentlich Konkurrentinnen und Konkurrenten.“ Genau diese Einstellung ist auch den Coaches aufgefallen, wie Max Leibersberger erläutert:

Über das gesamte Wochenende war die Stimmung durchweg positiv und die Spielerinnen und Spieler haben sich gegenseitig zu Höchstleistungen angetrieben. Eine derartig positive Stimmung bei einem Tryout habe ich in meiner Karriere als Spieler und Trainer noch nicht erlebt. Und gerade durch die positive Stimmung war vom Konkurrenzkampf um die Plätze im World Games Kader wenig zu spüren. Man könnte auch sagen, das Wochenende stand unter dem Motto: Miteinander statt gegeneinander.“

Marco Müller fügt an: „Das Schöne an Teamsportarten wie Ultimate ist, dass man als Einzelperson nie bestehen kann. Spiele und Turniere gewinnt man nur als Einheit. Die Top-Spieler*innen aus Deutschland haben diese Einstellung verinnerlicht und wissen, dass das Ganze mehr als die Summe der Einzelteile ist. Auch wenn beim Tryout alle auch um einen ganz individuellen Platz kämpfen, schien es uns, als sei allen völlig klar, dass niemand das mit Einzelaktionen erreichen kann. Hierfür ist es notwendig mit seiner eigenen Leistung zu der Gesamtleistung einer Gruppe von Top-Athleten beizutragen.“ 

Steffi Sauer fasst ihre Eindrücke zusammen: „Teamwork makes the dream work. Jede und jeder hat am Wochenende einen Anteil daran erarbeitet, dass das Zusammenspiel aller einen solchen Start ermöglich hat, der unsere Erwartungen übertroffen hat!“

#TeamGermany ist mehr als ein Hashtag

Auch Stefan Rekitt bestätigt, dass sich der Konkurrenzkampf nicht negativ auf das Miteinander ausgewirkt hat. Das hat er am Ende des Tryouts auch den Spieler*innen gesagt:

„Wir haben nicht Spielerinnen und Spieler aus den drei Nationalteams Open, Women und Mixed gesehen. Wir haben eine homogene Gruppe von top-motivierten Athletinnen und Athleten gesehen, die sich miteinander zu Höchstleistungen gepusht hat. Die gemeinsame Arbeit der drei Nationalteams in den vergangenen Jahren hat sich ausgezahlt, beginnend mit dem GUTC in 2018 und später auch mit gemeinsamen Trainingslagern in 2019 und 2020. Die Spielerinnen und Spieler haben am Wochenende gezeigt, dass Team Germany kein bloßes Hashtag für uns ist.“

Max Leibersberger bezeichnet das erste Tryout sogar als einen der wahrscheinlich wichtigsten Termin in der Planung:

„Bis dahin konnten wir nur in Video-Calls mit den Spielerinnen und Spielern zusammenkommen. Nun war die erste Gelegenheit, alle auf dem Spielfeld zu sehen und einen direkten Eindruck über die Leistungsfähigkeit zu bekommen, und wie wir als Coaching-Team wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite war das erste Tryout aber nur ein kleiner erster Schritt auf dem langen Weg in der Vorbereitung. Wir sind gespannt auf das zweite Tryout im August und sind optimistisch, dass der positive Eindruck von den Spielerinnen und Spielern sich bestätigen wird!“

Nach dem zweiten Tryout im August wird das Trainer*innen-Team bis Anfang September den Cut machen und einen erweiterten Kader mit ca. 26 Spielerinnen und Spielern auswählen. Diese sollen dann bis zu den World Games zusammen trainieren. Der finale World Games-Kader von sieben Frauen und sieben Männern wird im Frühjahr 2022 nominiert.

Weiterführende Informationen:

Das DFV Trainer*innen-Team für die World Games 2022 in Birmingham, Alabama (USA), hat im April 2021 die Bewerbungsphase für deutsche Ultimate-Spielerinnen und -Spieler gestartet, woraufhin sich rund 140 Spielerinnen und Spieler meldeten.

Die Coaches Stefan Rekitt, Marco Müller, Max Leibersberger und Stephanie Sauer haben rund 80 Personen (40 Frauen und 40 Männer) in die engere Auswahl gezogen und führen mit diesen zunächst zwei Tryouts durch. Die beiden Tryouts werden am DFV-Leistungsstützpunkt im Hochschulstadion der TU Darmstadt im Rahmen des Forschungsprojekts „Anforderungsprofil für Spielerinnen und Spieler im Ultimate Frisbee“ abgehalten. Das Institut für Sportwissenschaft der TU, das das Forschungsvorhaben in Kooperation mit dem DFV leitet, führt dabei Studien zur Leistungsdiagnostik, Videoanalysen und Interviews durch.

Zur Kampagne des DFV für das Team „Flying Disc Deutschland“ für die World Games 2022 wurden ein neuer Menüpunkt auf der Homepage sowie neue Social Media-Kanäle erstellt. Auf einer Homepage-Unterseite sind alle Teilnehmer*innen des ersten Tryouts aufgelistet. Über die neuen Social Media-Kanäle können sich alle Fans und Interessierten über die Aktivitäten der Nationalteams des DFV und insbesondere des World Games-Kaders auf dem Laufenden halten.

Beiträge zum ersten Tryout in Ton und Bild:


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