Persönlichkeit zählt

Hoch interessante Masterarbeit zum Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und dem Spirit of the Game von Severin Pimer aus Frankfurt

Severin Pimer hat im Jahr 2017 im Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt am Main seine Masterarbeit geschrieben zum Thema “Der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und dem “Spirit of the Game” im Ultimate Frisbee”. Darin stellt er fest, „dass es gewisse Persönlichkeitseigenschaften gibt, die mit der Ausprägung des SotGs zusammenhängen“.

Die Arbeit untersucht den Zusammenhang verschiedener Persönlichkeitseigenschaften mit dem SOTG. Dabei werden folgende Modelle von Persönlichkeitsmerkmalen berücksichtigt: die Big Five (Extraversion, Neurotizismus, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für neue Erfahrungen), Empathie und Perspektivenübernahme, Ärgerkontrolle, Social Value Orientatioon (prosozial, altruistisch individualistisch oder kompetitiv) sowie Wohlbefinden.

Am Anfang der Masterarbeit werden die Sportart Ultimate Frisbee und der „Spirit of the Game“ beschrieben. Anschließend werden die verschiedenen Persönlichkeitseigenschaften kurz vor- und Hypothesen dazu aufgestellt, inwiefern diese Eigenschaften mit dem SotG in Verbindung stehen könnten. Weiterhin werden explorative Fragestellungen zum Zusammenhang von Alter, Geschlecht, Spielerfahrung und Spiellevel mit Fremd- und Selbsteinschätzung untersucht.

Dazu haben 96 Ultimate Spielende (w = 41, m = 54), die an der 1. Liga der Mixed Ultimate-DM Outdoor 2016 teilnahmen, einen Online-Fragebogen ausgefüllt. Stichprobe, Durchführung und verwendete Materialien in Form von Fragebögen werden dann im Methodenteil behandelt, ehe der Ergebnisteil zunächst allgemeine Erläuterungen zur Auswertung sowie deskriptive Statistiken der erhobenen Skalen liefert, wonach eine Diskussion der Ergebnisse die Arbeit abschließt.

Perspektivenübernahme und Ärgerkontrolle

Bezüglich der Big Five Persönlichkeitsmerkmale konnte ein positiver Zusammenhang mit Verträglichkeit und ein negativer Zusammenhang mit Neurotizismus gefunden werden. Dazu heißt es unter anderem:

„Merkmale wie Vertrauen, Entgegenkommen, Verständnis und Nachgiebigkeit scheinen wichtig für die Ausprägung des SotGs zu sein, sodass der gefundene Zusammenhang gut nachvollziehbar ist.“  Sowie: „Schaut man sich die Facetten von Neurotizismus an, stechen vor Allem Aspekte wie Reizbarkeit, Impulsivität und Verletzlichkeit ins Auge, die in Bezug auf Diskussionen auf dem Spielfeld beim Ultimate eher hinderlich sind.“ (S. 40)

Weiterhin korrelieren Empathie und Perspektivenübernahme positiv mit dem SotG. Der Fragebogen erfasste diese Konstrukte jedoch im Allgemeinen, ohne Bezug auf eine spezifische Situation, daher schlussfolgert der Autor: „Für weitere Untersuchungen würde sich ein Fragebogen empfehlen, welcher explizit auf den sportlichen Kontext abzielt oder eventuell sogar direkt auf Situationen im Ultimate Frisbee.“ (S. 41)

Die Fähigkeit zur Ärgerkontrolle weist die höchste Korrelation (positiv) mit dem SotG auf. In der Diskussion der Hypothesen schreibt Severin Pimer (S. 42):

„Je besser eine Person also aufkommenden Ärger unter Kontrolle hat, desto besser sind die Werte beim SotG. (…) Dass hier die größte Korrelation vorliegt, lässt vermuten, dass dieser Aspekt einer der wichtigsten ist, wenn es um die Ausprägung des individuellen SotGs geht. Dies ist auch nachvollziehbar, denn auch nach der WFDF (2016) ist einer der zentralen Aspekte des SotGs, dass man in kritischen Situationen und Diskussion stets die Ruhe bewahrt, also sich und seine Emotionen unter Kontrolle hat.“

Ultimate und SOTG als Wohlfühl-Komponenten

Die Annahme der Studie, dass Lebenszufriedenheit positiv mit dem SotG zusammenhängt, konnte bestätigt werden. Bei der Diskussion der Hypothesen bleibt zunächst offen, in welcher Wechsel­wirkung die beiden Attribute stehen: Macht SotG glücklich oder führt Zufriedenheit zu gutem SotG? Jedoch wird dies weiter unten in Verbindung gebracht mit dem explorativen Ergebnis, „dass die Lebenszufriedenheit mit steigender Spielerfahrung erhöht ist und Neurotizismus-Werte mit steigender Spielerfahrung reduziert werden.“ Zitat:

„Aufgrund dieses Ergebnisses kann man annehmen, dass Ultimate auf Dauer zum individuellen Wohlbefinden beiträgt. Weiter oben wurde schon genannt, dass der SotG mit Wohlbefinden im Zusammenhang steht. Nun könnte man aber auch sagen, dass die Sportart Ultimate an sich der Grund für diesen Zusammenhang ist.“ (S. 47)

Hinsichtlich der weiter explorativen Fragestellungen rund um den SotG wird festgehalten, dass das Alter, die Spielerfahrung sowie der Spiellevel positiv mit der Selbsteinschätzung des SotGs korrelieren, nicht aber mit der Fremdeinschätzung. Geschlechterunterschiede liegen nur in sehr geringem Maße vor. Es bestehen jedoch Unterschiede hinsichtlich des SotGs zwischen den verschiedenen Rollen im Team, wobei es hier zusätzlich einen Unterschied zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung gibt. Letztendlich spielt auch die zugeschriebene Wichtigkeit des SotGs eine entscheidende Rolle für die Ausprägung des SotGs an sich, als auch für Persönlichkeitseigenschaften.

Die gefundenen Korrelationen sind dabei aber nur gering bis mittelmäßig hoch, sodass der Autor davon ausgeht, dass es noch andere Faktoren gibt, die einen Einfluss auf den SotG haben. Dennoch hält er fest: „Die Persönlichkeit spielt aber prinzipiell eine Rolle.“ Weiter vermutet er, dass „das soziale Umfeld oder die Gruppendynamik im Team eine weitere zentrale Rolle spielen“ könnte.

Die Masterarbeit von Severin Pimer ist auf der Literatur-Seite im Bereich Ausbildung dieser Homepage hinterlegt.


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