U23-Damen mischen London auf

von: Inga Narjes

Nach endlosen Infomails, Erinnerungen, Papierkram und Trainingslagern fuhr das U23-Damen Nationalteam gemeinsam mit der Open-Nationalmannschaft nach London, um sich mit dem Rest der Welt zu messen. Eine öde Beschreibung der langen (aber trotzdem recht lustigen) Reise erspare ich euch hiermit und komme direkt zum Tag der Eröffnungszeremonie.

U23_London15Bei den gut gepflegten Feldern auf englischem Rasen trafen wir uns mit dem dritten Teil der deutschen Delegation (Mixed), präsentierten uns in nigelnagelneuen Trikots natürlich von unserer besten Seite und schauten uns das Eröffnungsspiel an. Großbritannien gegen USA! Ein starkes Spiel, doch von vielen Scheibenverlusten durchzogen – könnte das unter Umständen mit dem sehr böigen Wind und einer gewissen Nervosität auf beiden Seiten zu tun gehabt haben?! Egal, die WM war eröffnet und alle hatten eine riesen Vorfreude auf die kommenden Spieltage.

Eine kurze Info zu unserem Spielplan: Da nur neun Mannschaften für unsere Division gemeldet waren, wurde im sogenannten Round-Robin-Format gespielt. Folglich: Jeder spielt gegen Jeden. Das hieß für uns im Klartext eine harte Woche vor uns zu haben, denn einfache Gegner gab es de facto nicht. So kann man den ersten Spieltag folgendermaßen am besten beschreiben: Nichts für schwache Nerven!

Unser erstes Match gegen Kolumbien war hart umkämpft, doch wir führten über lange Zeit das Scoreboard an. Kurz vor Ablauf der Zeit kämpften die Südamerikanerinnen sich aber wieder heran und es kam zum Universe Point. Leider hatten die Kolumbianerinnen in diesem Fall das kleine bisschen mehr Glück auf ihrer Seite und konnten das Spiel für sich entscheiden (11-12). Die Enttäuschung über die knappe Niederlage überschattete noch einige Zeit die Tatsache, dass wir hier ein wirklich gutes erstes Spiel abgeliefert hatten. Nach der Mittagspause trafen wir anschließend auf Großbritannien und auch diese Begegnung wurde nicht einfacher. Stärker werdender Wind und Regen machten beiden Seiten das Leben oder besser: das Spielen schwer. Trotzdem kamen sowohl Defence- als auch Offence-Line immer besser ins Spiel, konnten aber noch nicht den nötigen Vorsprung gegen unseren Gastgeber erringen. Und es kam, wie es kommen musste: wieder entschied der letzte Punkt über Sieg oder Niederlage. Nach zehn dramatischen und nervenaufreibenden Minuten schafften wir dann doch noch den Abschluss trotz Gegenwind (9-8) und konnten guter Dinge das fürstliche Abendessen in unserem Hotel genießen.

Am Dienstag Morgen begann unser Tag auf dem Arena-Feld, da das Spiel gegen Neuseeland live vom Skyd-Magazine übertragen werden sollte. Etwas aufgeregt, aber mit viel positiver Energie starteten wir so unser Warm-up und konnten stark in die Partie starten. Unsere Offence-Line spielte jeden Punkt in die gegnerische Endzone und auch die Defence konnte hohen Druck aufbauen, der Turnover provozierte, welche uns die Dominanz und letztendlich auch einen verdienten Sieg in diesem Spiel sicherten (17-9).

Hochmotiviert stellten wir uns so am Nachmittag einer echten Herausforderung: Japan. Wir wussten, dass wir nur mit einer sicheren Offence eine Chance gegen die ungewohnte Spielweise der Japanerinnen hatten. Zusammen mit einer starken Defence gelang uns das in der ersten Halbzeit sehr gut und wir konnten mit einer 9-7 Führung positiv gestimmt in die zweite Spielhälfte starten. Doch nun drehten die flinken Asiatinnen noch einmal richtig auf, spielten eine unglaublich sichere Partie und bestraften jeden Fehler sofort. Mit nur zwei Turnovern ihrerseits in der gesamten zweiten Halbzeit konnten sie das Spiel doch für sich entscheiden (13-17). Auch wenn man dem diesjährigen Weltmeister klar zugestehen muss, dass sie das bessere Spiel gemacht hatten, fuhren wir recht geknickt zurück ins Hotel. Dank der Unterstützung vom Open-Team war die Stimmung bis zum Abendessen aber wieder hergestellt und wir konnten uns über eine weitere Überraschung freuen. Noch ein Spiel von uns sollte gestreamt werden, diesmal gegen Australien.

Nachdem das Warm-up am Mittwoch für eben jenes Spiel sehr nass vonstatten ging, konnten wir eine starke Defence an den Tag legen. Leider hatte Australien das mit ihrer wirklich sehr guten Zonenverteidigung genauso gut drauf und provozierte immer wieder Turnover auf unserer Seite. Mit einer 16-10 Niederlage mussten wir uns letztendlich geschlagen geben. Nicht ganz das, was wir uns erhofft hatten zumal unser nun kommendes Spiel gegen die USA nicht gerade mit einem Sieg winkte.

Trotz des Frusts über die morgendliche Niederlage legten wir uns gegen die Amerikaner richtig ins Zeug und fanden den Spaß am Spiel schnell wieder. Spätestens, als der amerikanische Coach beim 5-4 Zwischenstand (für Amerika) ein Timeout nehmen musste, weil unsere Verteidigung seinen Spielerinnen die Scheibe abgeluchst und dann auch noch den Punkt erzielt hatte, waren alle negativen Gedanken vergessen und wir konnten ein befreites, schön mitzuerlebendes Spiel gegen den überlegenen Gegner bieten. Mit einer 17-6 Niederlage aber viel Lob und einem guten Gefühl genossen wir den Rest des Tages im Hotel(-pool).

Der Donnerstag startete mit einem recht böigen Spiel gegen Schweden. Mit einer überragenden Verteidigung schafften wir es, auch Punkte gegen den Wind zu erzielen und so einen gewissen Vorsprung zu erspielen. Und obwohl die Schwedinnen in der zweiten Halbzeit mit einer deutlich sichereren Offence als zuvor spielten, konnten wir das Spiel recht ungefährdet für uns entscheiden (14-8).

Im zweiten Spiel des Tages mussten wir gegen Kanada ran. Ein starker Gegner und wir wollten ihnen so viel Gegenwehr wie möglich bieten. Dies gelang uns auch recht gut, nur leider scheiterte viel zu oft der entscheidene Pass in die gegnerische Endzone. So mussten wir uns mit einem 5-17 zufrieden geben, auch wenn sich das Spiel weitaus knapper angefühlt hatte.

Das abendliche Essen war von der hauchdünnen Niederlage des Open-Teams im Viertelfinale gegen Großbritannien überschattet, aber wir konnten unseren Blick dennoch mit Vorfreude auf unseren letzten Spieltag richten. Zusammen im Pool mit Schweden und Kolumbien würden wir um Platz 5 spielen.

So begann der Freitag mit einem echten Deja-vu Erlebnis, denn es stand zur gleichen Uhrzeit auf dem gleichen Feld noch einmal Schweden auf dem Plan. Es war schnell klar, dass die Schwedinnen es uns diesmal nicht so leicht machen würden, wie am Vortag und so entbrannte ein enges Spiel. Kleine Änderungen in der Verteidigung führten dann zu den wohl spielentscheidenen Defence-Punkten und so rückte der 5te Platz nach einem 14-12 Sieg in greifbare Nähe.

Im nun letzten Spiel traten wir noch einmal den Kolumbianerinnen entgegen. Eine mögliche Revanche vielleicht? Wir starteten hochmotiviert in die – ebenso wie das erste Spiel – hart umkämpfte Partie. Lange konnte sich kein Team vom anderen abheben und wir spielten auf Augenhöhe. Kurz vor der Halbzeit gelang es unserer Defence dann doch noch, den Druck zu erhöhen und zu punkten. Spätestens nach der Halbzeit konnte man leider eine deutliche Verschlechterung des Spirits auf dem Spielfeld beobachten. Aus unserer Sicht verlangsamte die zunehmende Anzahl von Calls und regelmäßige Diskussionen mit leider meist nicht englisch sprechenden Spielerinnen das Spiel erheblich. Letztendlich gelang es uns aber, weiterhin aufs Spielerische fokussiert zu bleiben und nach einem wahren Mammutpunkt (18 Minuten!) einen verdienten Sieg und den 5. Platz einzufahren (14-10).

Rückblickend kann man eine deutliche Steigerung der spielerischen Leistung im Team über die Woche hinweg notieren. Von Wind und Regen haben wir uns nicht beeindrucken lassen und trotz einer recht kurzen Vorbereitungsphase einen starken Auftritt als bestes europäisches Team hingelegt.


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