#30JahreDFV: Der symbolische Wurf durch die Mauer

Historisches Foto zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls hängt sogar im Kanzleramt

Nach einem Hallen-Ultimateturnier besuchte Ralf Dentzer gemeinsam mit Freunden der Aachener „Frizzly Bears“ am 22. Januar 1990 die Mauer und das Reichtagsgebäude, noch bevor Berlin gemäß Einigungsvertrag wieder deutsche Hauptstadt wurde. Dabei kam es zu dem symbolischen Schnappschuss, der seitdem viele Veröffentlichungen zierte.

Bei ihrem Besuch der Berliner Mauer warfen die Spieler durch und über die Mauer, bis sie der Ostdeutsche Grenzsoldat Thomas Müller höflich bat, die Ostdeutsche Seite zu verlassen. Ralf Dentzer fragte ihn daraufhin, ob er nicht auch mal werfen wolle, weil die Mauer doch bald weg sei. Nach anfänglichem Zögern warf Thomas Müller mit der Frisbeescheibe durch das Loch in der schon brüchigen Berliner Mauer.

Nachdem Ralf Dentzer diese Aufnahme gelang, ist sie noch im selben Jahr in vielen Zeitungen und Magazinen veröffentlicht worden, darunter

  • auf der Titelseite des „Landessportbund NRW“ (April 1990)
  • beim Washington Frisbee Club (mit 2700 eingeschriebenen Mitglieder, Sommer 1990)
  • in der UPA Amerika unter dem Titel „East Block Ultimate“ (September 1990)
  • in der Aachener Zeitung mit dem Zusatz: „Ein Sportfoto von historischem Wert“ (11.10.1990).

Weitere Veröffentlichungen folgten in Japan, Australien, Neuseeland, Belgien, der Niederlande, Finnland, Dänemark, Großbritannien und den USA. Daraufhin brachte es die Aachener Zeitung noch einmal mit dem Zusatz „Ein Foto geht um die Welt“ (18.12.1990). Im November 1990 wird die nationale Ultimate-Meisterschaft der USA der Freiheit gewidmet aufgrund des Fotos, das die amerikanische Spielerin Julie Halpern in den Wettbewerb eingeschickt hatte.

1996 nimmt das Deutsche Zollmuseum in Aachen-Horbach (Sammlung Friedrich) das Foto als Dauerexponat im Themenraum „Ostdeutsche Grenze“ aus, 1998 das Deutsche Sport- und Olympiamuseum in Köln. Das ZDF mit der Sendung „Lass Dich überraschen“ hat es im Juni 2001 geschafft, dass das Foto als Dauerausstellungsobjekt ins Museum „Story of Berlin“ aufgenommen wurde.

Zahlreiche weitere Museen folgten und haben das Foto inzwischen ebenfalls in ihre Sammlungen aufgenommen, so das Stadtmuseum Eilenburg, das DeutscheZollmuseum in Hamburg, das Deutsche Historische Museum in Berlin (siehe deutsche-digitale-bibliothek.de), das Haus der Geschichte in Bonn, das Grenzmuseum „Schifflersgrund“ und das „Cold War Museum“ in Los Angeles.

Readers Digest berichtete 2005 über das Foto und seine Geschichte. 2009 diente es neuerlich als Titelbild für die Premiere des Stückes „1-2-3“ am Stadttheater Aachen sowie für die Aachener Ausstellung „20 Jahre Mauerfall“. Weltweit hatte Ralf Dentzer bereits vor 10 Jahren etwa 7.000 Abzüge des Fotos verteilt. Der Weltflugscheibenverband WFDF hat das Bild im „Ultimate History Book“ veröffentlicht.

Eine besondere Erwähnung erhielt die Aufnahme, als sie im Oktober 2011 Dauerausstellungsobjekt im damals neu eröffneten Militärhistorischen Museum in Dresden wurde. 2013 überreichte Ralf Dentzer im Kanzleramt sein gerahmtes Mauerfoto an Kultusstaatsminister Bernd Neumann.

Die Symbolik bezieht das Foto aus der Diskrepanz zwischen den bewaffneten, uniformierten Soldaten, die für ein sich in Auflösung befindliches System stehen, und der aus den USA stammenden Plastikscheibe, die den „American way of life“ verkörpert. Mit dem Hin- und Herpassen der Frisbeescheibe durch die Mauer wird auch die im „Spirit of the game“ verankerte Eigenverantwortlichkeit der Ultimate-Spieler als ein demokratisches Grundprinzip von West nach Ost und zurück transportiert. In Kalifornien wird in verschiedenen Schulen im Geschichtsunterricht dieses Fotos gezeigt, wenn es um die DDR und die Mauer geht. Denn jedes amerikanische Kind wächst mit der Frisbeescheibe auf.


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