Hickhack um Kompetenz behutsam beheben

DKE-SpruchAuswirkungen des Dunning-Kruger-Effekts auf Ultimate Frisbee

Würzburg – Marvin Horter, Ultimate-Spieler und -Trainer bei Disc-O-Fever-Würzburg und „Die 7 Schwaben” Stuttgart, hat sich mit dem „Dunning-Kruger-Effekt” im Ultimate Frisbee beschäftigt. Dabei geht es um Fragen der Selbsteinschätzung und der Vermittlung von Kompetenz, die gerade für den Teamsport Ultimate von besonderer Bedeutung sind. Sein Credo: Die Ansprache innerhalb des Teams dem Grad der Spielerkompetenz entsprechend anpassen.

Die Hauptaussage des Dunning-Kruger-Effekts lautet, dass inkompetente Menschen die Tendenz haben, das eigene Können zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen. Kurz gefasst lautet das Prinzip: Dummheit bewahrt vor dem Bewusstsein der Dummheit. Wie in anderen Teamsportarten gilt jedoch auch im Ultimate die Regel, dass eine Mannschaft dann am besten spielt, wenn jeder einzelne genau seinem Können entsprechend spielt, d.h. seine Fähigkeiten zutreffend einschätzen und einsetzen kann.

Inkompetente Mitspieler (die sich dessen tendenziell nicht bewusst sind) neigen dazu, durch ihre Ansichten auch die Selbsteinschätzung anderer Mitspieler negativ zu beeinflussen. Im schlimmsten Fall verhindern sie dadurch, dass Mitspieler ihre Kompetenz verbessern. Die Schlussfolgerung, die sich gemäß Dunning-Kruger daraus ergibt, lautet, dass die Trainer – als die vermutlich kompetentesten Teammitglieder – für ein Korrektiv fehlerhafter Selbsteinschätzungen sorgen müssen.

An diesem Punkt stellt sich die Frage nach der Kompetenz und Akzeptanz der Trainer. Die Trainerin oder der Trainer ist entweder durch das Team eingesetzt oder – jedenfalls gewöhnlich – vom Team anerkannt. Sie sollten sich auszeichnen durch Erfahrung im Sport, aber auch im Umgang mit anderen Menschen. Zudem müssen sie über eine Vielzahl an Übungen und Methoden verfügen, um ihre Kenntnisse erfolgreich zu vermitteln.

Hinzu kommt nun die Fähigkeit dem Dunning-Kruger-Effekt entgegen zu wirken. Hilfreich dabei erscheint eine individuelle Ansprache der Mitspieler, die dafür sorgt, dass jeder einzelne sich seiner Fähigkeiten und Grenzen bewusst wird und in der Folge genau das spielt, was er kann. Hierzu muss der Trainer einschätzen können, mit welchem Grad von Kompetenz er es bei seinem jeweiligen Gesprächspartner zu tun hat. Ein besonderes Fingerspitzengefühl erfordert der Umgang mit denjenigen Spielern, die als inkompetent einzustufen sind. Dies sollte ihnen nur „durch die Blume” vermittelt werden.

Marvin Horter fasst zusammen: „Wer sich als Trainer selbst als kompetent einstuft, sollte sich nicht beirren und von seinen taktischen Wegen abbringen lassen. Indem ich aber die Diskussion ernst nehme, erhöhe ich damit gegebenenfalls die eigene Kompetenz.” In Sachen Kompetenz-Richtlinien erarbeitet der DFV derzeit mit dem Vorstand Bildung und Wissenschaft Ralf Simon die Lizenzierungs-Vorgaben für Trainerscheine C für Ultimate, Disc Golf und Frisbeesport Breitensport.

Erklärung des Dunning-Kruger-Effekts bei Wikipedia, stern.de, 10.08.2010: „Zu dumm, um das zu begreifen“, s. auch DFV-Interview mit Marvin Horter zur Regel-Vermittlung im Ultimate aus dem Mai 2012.



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