Der DFV lehnt THC im Leistungssport ab

Aufklärung des DFV zu Haschisch- und Marihuana-Konsum auf offiziellen Turnieren – von DFV Anti Doping-Beauftragten Dr. Jascha Wiechelt

Die NADA bewertet THC als Dopingsubstanz und ordnet es als eine im Wettkampf verbotene Substanz ein. Zwar gilt ein erhöhter THC-Gehalt in Trainingskontrollen ähnlich wie bei diversen Asthmamitteln offiziell nicht als eine positive Doping Probe. Der DFV hält sich jedoch ganz klar an die NADA-Empfehlung, wonach THC als Doping gilt und damit verboten ist.

Jede Sportlerin und jeder Sportler muss selbst verantworten, wie sie und er damit umgeht, ob sie oder er in der Trainingsphase Joints und Haschpfeifen raucht oder nicht. Bei einer positiven Wettkampfprobe sind die Konsequenzen eindeutig, dies kann in der Folge auch das gesamte Team betreffen.

Weitergehende Vergleiche mit der Einnahme von Asthmamitteln oder von Alkohol greifen jedoch kaum. Bei Asthmamedikamenten erreicht man die Grenzwerte für positive Wettkampfproben nur bei unsachgemäßem Gebrauch (z.B. bei viel zu häufigem Sprühen bzw. Inhalieren). Bei sachgemäßem Gebrauch ist auch ein Asthmaspray im Wettkampf erlaubt, insbesondere die „modernen“ Substanzen (siehe dazu jeweils die NADA-App).

Beim Alkohol bestehen sportartenspezifische Grenzwerte, die diese Subtanz zu einem Dopingmittel machen. So gilt z.B. bei Bogenschießen, Luftsport, Motorbootsport und  Motorsport max. 0,1 g/l. Sowohl beim Alkohol als auch beim THC-Konsum sind die Halbwertzeiten der potenziell kritischen Wirkstoffe zu beachten. Ansonsten gilt für Alkohol die gleiche Aussage: Wer angetrunken oder betrunken einen Frisbeesport betreibt, gefährdet Mit- und Gegenspielende.

Für THC im Frisbeesport existieren noch keine Grenzwerte. Da es sich bei THC um eine Naturdroge handelt, lässt sich die jeweilige Konzentration der eingenommenen THC-Menge nicht vorhersagen. Daher gibt der DFV auch keinerlei Empfehlung für eine “zu pausierende” Zeit, ab wann auf den Konsum zu verzichten wäre, um sicherzugehen nicht positiv getestet zu werden.

Vielmehr gilt grundsätzlich: Mit THC-Konsum gefährdet man sich selbst (u.a. vermehrte Rate an Psychosen) sowie seine Gegenspielenden. Dies ist mit dem im Frisbeesport verankerten „Spirit of the Game“ nicht vereinbar. Daher hält es der DFV für komplett unverantwortlich, THC zu konsumieren und gleichzeitig Frisbeesportarten insbesondere auf Leistungsniveau spielen zu wollen. Alle Diskussionen dazu würden von einem Psychologen als „Entschuldigungs- und Ausfluchtverhalten“ eines Abhängigen gewertet.

Die DFV-Empfehlung dazu lautet daher, den THC-Konsum komplett zu unterlassen. Entweder Leistungssport oder THC-Konsum. Das geht nicht miteinander einher, zumindest nicht, wenn man es ehrlich meint.

Es geht um die saubere Performance bei Spielen und Turnieren und nicht darum, Sportlerinnen und Sportlern ein Privatleben an spielfreien Wochenenden zu verbieten. Gegen ein Bier nach den Spielen, am Abend oder an spielfreien Wochenenden ist nichts einzuwenden. Beim THC bestehen längere (und oft unklare) Halbwertzeiten, daher ist ein Konsum unmittelbar vor oder während eines Turniers als Dopingverstoß zu interpretieren.

2 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Dr. Wiechelt,

    ich finde Ihre Hexenjagd auf THC fahrlässig und antiquiert. Anstatt eine offene Diskussion über einen verantwortungsvollen Umgang mit THC (und/oder anderen Drogen und Dopingmitteln) anzuführen, ziehen Sie dogmatisch über THC her. Gerade weil ich der grundsätzlichen Idee eines harten Vorgehens gegen THC durch den DFV zustimme, möchte ich mit diesem Kommentar auf einige Aspekte Ihres Beitrages noch einmal eingehen. Zunächst möchte ich aber klarstellen, dass sich mein Beitrag lediglich auf Ultimate beschränken wird, da ich allein in dieser Scheibensportart hinreichend Erfahrungen habe. Ich betone dies ausdrücklich, weil viele ihrer Argumente nur sportartspezifisch zu gelten scheinen, Sie aber in Ihrem Beitrag einen Allgemeinanspruch auf alle Scheibensportarten erheben.

    Angesichts der Tatsache, dass THC auf der NADA-Liste steht, ist es zunächst folgerichtig, den Gebrauch im Wettkampf zu verbieten. Hätte der Artikel nach den ersten zwei Absätzen geendet, wäre er hinreichend deutlich, präzise und hilfreich gewesen. Wir Spieler hätten eine klare Aussage zum Standpunkt unseres Verbandes mit einer stichhaltigen Argumentation, an der es zunächst wenig zu rütteln gäbe, gehabt. Angesichts der prominenten Rolle, die Spirit of the Game (SOTG) beim Ultimate spielt, finde ich Ihr Argument bezüglich der erhöhten Gefährdung von Mit- und Gegenspielern auch sehr treffend. Dieses Argument sollte allerdings ausgeweitet werden auf jegliche Form von Doping oder Drogen, die einen solchen negativen Einfluss haben können.

    Hier beginne ich Diskrepanzen zwischen Ihrer Einstellung gegenüber THC und gegenüber anderen Drogen oder Dopingmitteln wahrzunehmen. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich ein Vergleich mit Alkohol nicht anbietet. Ein weiteres Studieren der NADA-Liste lieferte mir übrigens eine ganze Reihe an ungeeigneten Vergleichen. Dennoch bin ich im Gegensatz zu Ihnen der Meinung, dass der Vergleich mit Alkohol höchst zutreffend und bereichernd ist.

    Grundsätzlich steht Alkohol meiner Lesart nach nicht so explizit für alle Sportarten auf der NADA-Liste, weil dies angesichts der Auswirkungen von Alkohol unnötig wäre. Ich stelle die Hypothese auf, dass genau diese Beobachtung auch auf THC-Konsum während des Ultimate-Spielens zutrifft. In keiner Situation des Spiels, behaupte ich, ist es im Ultimate nützlich und sinnvoll die akuten Symptome von THC-Konsum (Hall, 2015), wie etwa kognitive (Aufmerksamkeit und Gedächtnis) oder psychomotorische Einschränkungen hinzunehmen. Stattdessen verschlechtern diese das individuelle Spiel und tragen schlimmstenfalls zu einer erhöhten Verletzungsgefahr der eigenen Person wie eben auch der Mitspieler bei. Allerdings gelten diese Argumente noch viel deutlicher für Alkohol, wie Sie das im vierten Absatz kurz andeuten. Die Befunde, dass Alkohol die bei Weitem gefährlichere Droge auf verschiedenen Dimensionen ist, sind gut etabliert (Nutt, King, & Phillips, 2010; Nutt, King, & Blakemore, 2007).

    Vor diesem Hintergrund finde ich die Vorgehensweise des DFV, basierend auf Ihren Argumenten, Dr. Wiechelt, noch verbesserungswürdig. Es findet in meinen Augen eine diffuse Angstmache gegenüber THC statt, während Alkohol parallel verharmlost wird (vgl. “ein Bier nach den Spielen” in ihrem Beitrag). Es ist ja nun einmal so, dass Alkohol eine kulturell akzeptierte Droge und der Konsum weit verbreitet ist – auch im Leistungssport, aber besonders auf den Spaßturnieren. Da fällt es natürlich schwer einen starken Standpunkt gegen den Alkoholkonsum einzunehmen, insbesondere angesichts der persönlichen Erfahrungswerten der meisten Konsumierenden mit den Symptomen nach dem Alkoholkonsum. Ich möchte mich hiermit auch nicht für ein generelles Alkoholverbot aussprechen. Stattdessen möchte ich Ihre Äußerung bezüglich eines “sachgemäßen Gebrauchs” (siehe oben) dahingehend verallgemeinern, dass dies für jegliche eingenommene Substanz gelten soll. In dem Maße, wie Sie THC verbieten, sollten Sie auch eine Null-Toleranz-Politik gegenüber Alkohol und jeglichen anderen Drogen verfolgen. Gleichzeitig darf Nachweisbarkeit nicht das maßgebliche Kriterium für ein Verbot sein (vgl. das von Ihnen angeführte Argument der Halbwertszeit). Ich möchte darauf hinweisen, dass ihr Gebrauch schwammiger Definitionen oder dem Heraufbeschwören wager Spätfolgen ohne klarer Quellenarbeit weniger seriös und professionell ist, als Sie das ganz sicher könnten. Ein solches Vorgehen ist zwar möglicherweise erschreckend zeitgemäß, aber genügt doch sicherlich nicht Ihren Ansprüchen eines wissenschaftlich fundierten Vorgehens?

    Ich möchte nicht den Anschein erwecken, dass ich ein verklärtes Bild von THC habe, oder dessen Wirkungen verharmlosen möchte. Deshalb möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich auf weitere Nebenwirkungen (meistens bei langfristigem Konsum) hinweisen: es gibt etablierte Befunde, die nahelegen, dass THC einen negativen Einfluss auf kognitive Funktionen hat (Arbeitsgedächtnis, Aufmerksamkeit, IQ, uvm.) und das Risiko für psychische Störungen (insbesondere Psychosen) erhöht (Renard, Krebs, Le Pen, & Jay, 2014; Hall, 2013). Man muss jedoch auch einschränkend hinzufügen, dass gleichzeitig debattiert wird, ob etwa THC die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Psychosen erhöht, oder eine genetische Veranlagung für Psychosen die Wahrscheinlichkeit des THC-Missbrauchs erhöht (Michaels & Novakovic, 2015) und auch die zunehmenden medizinischen Zulassungen nicht gänzlich unbegründet sind (Andreae, 2015).

    Im letzten Teil meines Beitrages möchte ich noch einmal abseits des konkreten Inhalts bezüglich der Gefahren durch THC auf ihr argumentatives Vorgehen eingehen. Mein Vorredner hat bereits einige Punkte angesprochen, deshalb möchte ich mich auf ihre Aussage bezüglich der Psychologen konzentrieren. Mit Ihrem Zitat eines Psychologen postulieren Sie eine Dichotomisierung und Dramatisierung, dass mir beim Lesen das Hören und Sehen verging. So plakativ, so schwarz und weiß muss man sich erst einmal ausdrücken können. Sie schieben Jeden, der sich nicht gänzlich hinter Sie stellt in die Schublade des uneinsichtigen Abhängigen. Sind damit Länder wie die Niederlande auch uneingeschränkt Abhängige, die Entschuldigungs- und Ausfluchtsverhalten zeigen? Zunächst ist eine Person, die THC oder eine beliebige andere Droge (denken Sie an Ihr Feierabendbier!) konsumiert, noch nicht direkt abhängig. Zum Anderen ist nicht jedes Widersprechen oder jeder Versuch einer Diskussion gleich Entschuldigungs- oder Ausfluchtsverhalten. Ich widerspreche Ihnen bereits seit einigen Paragraphen und habe noch nie THC konsumiert – eine Abhängigkeit meinerseits wäre mir neu. Gerne würde ich diesen Psychologen (wobei es schon sehr danach klingt, als wollten Sie auf wirklich alle Psychologen verallgemeinern) kennen lernen! Das wäre fachlich höchst spannend – ich bin selber Psychologe – und ich wäre an einer Stellungnahme zu diesem Zitat entsprechend äußerst interessiert. Mindestens bitte ich Sie jedoch, diese Aussage in Bezug zu stellen und eine (versehentliche?) Verallgemeinerung auszuschließen, da kein Einziger der von mir in einem Convenience Sample (Anforderung: Abschluss Psychologie M.Sc., gleichwertiger, oder höherer Abschluss) befragten Kollegen und Kolleginnen dieser Aussage zugestimmt hat.

    Ich möchte nochmals ausdrücklich darauf hinweisen, dass ich dem Verbot von THC im Wettkampfumfeld zugeneigt bin und das generelle Vorgehen des DFVs dahingehend unterstütze. Das argumentative Vorgehen wie im obigen Artikel formuliert, empfinde ich jedoch als noch zu schwammig, inkonsequent und in Bezug auf ihr Psychologie-Zitat stümperhaft und möchte deshalb eine Überarbeitung des Artikels anregen. Insbesondere schlage ich vor, eine schärfere Abgrenzung der Wettkampfperiode zu definieren, um den Spielern und Spielerinnen einen verantwortungsvollen Umgang zu erleichtern.

    Mit freundlichen Grüßen
    
C. Harris, Heidelberg

    Andreae, M. H., Carter, G. M., Shaparin, N., Suslov, K., Ellis, R. J., Ware, M. A., … Sacks, H. S. (2015). Inhaled cannabis for chronic neuropathic pain: A meta-analysis of individual patient data. The Journal Of Pain, 16(12), 1221-1232. doi:10.1016/j.jpain.2015.07.009

    Hall, W. (2009). The adverse health effects of cannabis use: What are they, and what are their implications for policy? International Journal of Drug Policy, 20(6). 458-466. doi: 10.1016/j.drugpo.2009.02.013.

    Hall, W. (2015). What has research over the past two decades revealed about the adverse health effects of recreational cannabis use? Addiction, 110. 19–35. doi:10.1111/add.12703

    Michaels, T. & Novakovic, V. (2015). Can Cannabis cause psychosis? Clinical Neurpharmacology, 38(2). 63-4. doi: 10.1097/WNF.0000000000000066

    Nutt, D. King, L., & Phillips, L. (2010). Drug harms in the UK: a multicriteria decision analysis. Lancet, 376. 1558-65. doi:10.1016/S0140-6736(10)61462-6

    Nutt, D, King, LA, Saulsbury, W, & Blakemore, C. (2007). Development of a rational scale to assess the harm of drugs of potential misuse. Lancet, 369. 1047–1053. doi: 10.1016/S0140-6736(07)60464-4

    Renard, J., Krebs, M.-O., Le Pen, G., & Jay, T. (2014). Long-term consequences of adolescent cannabinoid exposure in adult psychopathology. Frontiers in Neuroscience, 8:361. 1-14. doi: 10.3389/fnins.2014.00361

  2. Zuerst: Ich unterstütze die Aussage, dass es ein Dopingverstoß ist, wenn bei Wettkämpfen THC im Blut nachgewiesen wird mit allen Konsequenzen, einfach aus dem Grund, weil (oder wenn?) es von der NADA so vorgegeben wurde.

    Aber:
    Die letzten drei Absätze sind aus einer anderen Welt – Respekt. In immer mehr Teilen der Welt wird THC vor allem auch medizinisch legalisiert, aber in diesem Artikel wird der Wirkstoff gerade zu verteufelt („Mit THC-Konsum gefährdet man sich selbst (u.a. vermehrte Rate an Psychosen)“).

    Den Satz „Alle Diskussionen dazu würden von einem Psychologen als „Entschuldigungs- und Ausfluchtverhalten“ eines Abhängigen gewertet.” habe ich einer Psychologin vorgelesen, die ist bei der Aussage an die Decke gegangen. Was sie mir entgegnet hat lasse ich lieber ungeschrieben.

    Und zuletzt widersprechen sich der zweite und dritte Absatz doch auch, oder nicht?

    Meiner Meinung hätte man sich von Seiten des DFV gegen den Konsum von THC-haltigen Produkten an Wettkämpfen aussprechen können, ohne sich direkt auf eine Seite dieser Grundsatzdiskussion zu schlagen.

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