Testlauf für Gender-Regelung zum Anwurf im Mixed-Ultimate

Regelkomitee der DFV UA beschließt Testlauf für die nächste Indoor- und Beach-Saison – Ein­führung auf Rasen erfolgt nach weiterem Erfahrungsaustausch frühestens zur Outdoor-Saison 2022

Im Rahmen der Neuregelung zur Gender-Zusammensetzung im Mixed Ultimate (s. Meldung zu angepasstem DFV Ultimate-Appendix) hat das Regelkomitee der DFV Ultimate-Abteilung seit mehreren Monaten die Frage diskutiert, ob auch der Pull neu geregelt werden sollte. Der Hintergrund ist, dass im Mixed Ultimate derzeit fast nur Männer pullen.

Dies geschieht teilweise, weil einige Männer gut pullen können, allerdings spielt dabei auch ein dominanteres Auftreten von Männern eine Rolle. Durch eine geregelte Verpflichtung, im Mixed-Ultimate auch Frauen anwerfen zu lassen, soll die Rolle von Frauen in Mixed-Teams aufgewertet und Geschlechtergerechtigkeit gefördert werden. Das Ziel ist es, Frauen zur Übernahme einer Aufgabe in den Teams zu ermutigen, die bisher überproportional von Männern wahrgenommen wird.

Der nun geplante Testlauf sieht vor, dass immer das Geschlecht pullen muss, welches im aktuellen Punkt die Mehrheit stellt. Bei 3 Frauen und 2 Männern muss demnach eine Frau pullen, bei 3 Männern und 2 Frauen ein Mann. Der Testlauf soll in den nächsten stattfindenden Indoor- und Beach-Saisons des DFV für wenigstens ein Jahr getestet werden, ehe die dabei gemachten Erfahrungen ausgetauscht werden und über das weitere Vorgehen entschieden wird. Der Test findet absichtlich auf kleineren Feldern statt, auf denen die reine Kraft des Anwurfs eine sehr geringe Rolle spielt.

Durch die Neuregelung sollen Frauen im Mixed Ultimate gestärkt werden und auch nach außen sichtbar eine wichtige Rolle im Spiel übernehmen. Die Gründe für Schwierigkeiten mit Geschlechtergerechtigkeit in Form von inklusivem Mixed-Spiel sind vielfältig. Sie haben meist mit typisch männlicher und weiblicher Sozialisation und damit verbundenen Verhaltensweisen auf allen Seiten zu tun und spiegeln sich bei vielen Teams in fest verankerten Strukturen wider.

Das DFV UA-Regelkomitee mit seinem Vorsitzenden Max Winkelmann ist sich darüber bewusst, dass eine simple Regeländerung alleine sicher nicht das Ziel einer verbesserten Geschlechtergerechtigkeit erreichen kann. Es hat zu dem Thema auch die DFV Frauenbeauftragte Sandra Tietjens befragt, die innerhalb der Diskussionsgruppe „Frauen im Frisbeesport Deutschland“ Reaktionen dazu gesammelt hat. Auch aus diesem Kreis gab es mehrheitlich positive Rückmeldungen. Gegenüber der Befürchtung, dass eine solche Regeländerung abschreckend wirken könnte, überwiegt die Aussicht, dass sie im Gegenteil den Stellenwert von Frauen in Mixed Ultimate-Teams fördert. 

Das Regelkomitee bittet die Clubteams bereits jetzt, diese Regel auch bei Rasenspielen auszuprobieren und nach mehreren Tests Rückmeldungen zu den Erfahrungen an das Regelkomitee weiterzugeben. Die Hoffnung ist, dass Teams infolge der Regel Frauen vermehrt für Anwürfe ausbilden und als wichtige Anwerfende einsetzen werden. Dies kann langfristig bei Personen aller Geschlechter zu einer geänderten Wahrnehmung führen, wozu Frauen im Allgemeinen imstande sind, und zu mehr Spieleinbindung von Frauen auf allen Ebenen führen. 

Am 24. August 2020 findet eine Ausgabe von „Wie im Flug“, die Youtube-Liveshow des DFV, mit Max Winkelmann statt. Die Show bietet eine gute Gelegenheit sich über die Arbeit des Regelkomitees zu informieren.


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