Turnover oder Rethrow nach Travel Call

DD Samstag_048Ultimate Regelkunde-Beitrag von Katharina Hafer und Julian Bushe (Leiter UA-Regelkomitee)

Im Ultimate darf mit der Scheibe in der Hand nicht gelaufen werden. Die oder der Werfende muss ihren oder seinen Standfuß (Pivot) am Pivotpunkt setzen und darf den Pivot dann bis zum Abwurf der Scheibe nicht mehr vom Pivotpunkt wegbewegen.

Wenn dies jedoch der Fall ist, oder der Pivot falsch gesetzt wurde, kann ein Travel gecallt werden, § 18.2.8.

„Wenn die oder der Werfende nach einem Schrittfehler einen erfolgreichen Pass wirft, ohne vorher den Pivot korrigiert zu haben, kann die oder der Verteidigende eine Travel-Violation rufen. Das Spiel wird angehalten und die Scheibe geht zurück zur oder zum Werfenden.“

In mehreren Fällen wurde bereits das Regelkomitee im Ultimate Frisbee hinzugezogen, um den Ausgang von verschiedenen Situationen im Nachhinein zu analysieren, damit in Zukunft Unstimmigkeiten vermieden werden können. In jedem dieser Fälle ging es um einen Travel Call während oder nach dem Wurf, also als die Scheibe schon abgeworfen wurde. Darauf bezieht sich auch der oben genannte § 18.2.8.

In diesem Fall überschneidet sich die Travel-Regel mit einer anderen wichtigen Vorgabe. In § 16.3 steht:

„Unabhängig davon, wann ein Call gemacht wurde, bleibt das Ergebnis des Spielzugs bestehen, sofern sich die Spielenden beider Mannschaften einig sind, dass das Foul, die Violation oder der Call dieses Ergebnis nicht beeinflusst haben“

16.3 bezieht sich jedoch ausschließlich auf Foul und Violation Calls und kann nicht auf andere Calls angewendet werden. Hier ist es so, dass ein Travel ohne Wurf zunächst eine Infraction ist, die das Spiel nicht unterbricht. Jedoch stellt das Werfen nach einem Travelcall ohne vorheriges Korrigieren des Pivots eine Violation dar.

26-1280Wenn also die oder der Fangende der Scheibe nach dem Travel den Call nicht mitbekommen hat, und die ganze weitere Spielsituation wurde durch den Call, bzw. durch die Violation nicht beeinflusst, „bleibt das Ergebnis des Spielzuges bestehen“.  Ein mögliches „Ergebnis“ wäre ein Punkt, wenn ein geringfügiger Travel gegen einen ungemarkten Werfer gecallt wurde.

Auch möglich ist ein Turnover, wenn die Receiverin oder der Receiver die Scheibe nicht gefangen hat. In diesem Fall ist auch egal, ob jemand durch den Call oder die Violation beeinflusst wurde oder nicht. Wenn aus dem Wurf nach dem Travel ein Turn resultiert, bleibt dieser bestehen (18.2.9).

Eine andere Situation ist es, wenn die Scheibe im Aus landet und dann an der falschen Stelle der Pivot gesetzt wird. Laut Regelwerk ist die Scheibe nach einem Turnover so lange „dead“ („tot“), bis sie an dem Punkt angelangt ist, wo sie wieder ins Spiel gebracht werden muss (§ 8.1.2). Bis dahin kann kein Turnover passieren (§ 8.1).

34-1280Wenn also im Fall der toten Scheibe die oder der Werfende die Scheibe schon abgeworfen hat, obwohl die Markerin oder der Marker die Position des Pivots als nicht korrekt erachtet und das anzeigt bzw. callt, muss die Scheibe zur/zum Werfenden zurück, egal wie das Spiel fortgelaufen ist. Dabei muss der Call allerdings unmittelbar gerufen werden und auf jeden Fall vor dem Anzählen, denn sobald die Markerin oder der Marker die Werfende oder den Werfenden anzählt, akzeptiert sie oder er den falschen Pivot und die Scheibe gilt als „live“ („lebendig“). In diesem Fall kann die Markerin oder der Marker den Pivot der oder des Werfenden nicht mehr bestreiten. Falls dann die Scheibe verworfen wird, zählt der Turnover.


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