DFV feiert im Stillen 30-jähriges Jubiläum

Das Foto des Frisbeewurfs eines ostdeutschen Grenzsoldaten durch die Berliner Mauer im Jahre 1990 von Ralf Dentzer ist Dauerausstellungsobjekt im Militärhistorischen Museum in Dresden.

Kein Festakt zum 30-jährigen Bestehen des Verbandes aufgrund der Corona-Pandemie

Am 25. Oktober 1990 wurde der DFV erstmals ins Vereinsregister der Stadt Aachen eingetragen. Seither hat der Verband zahlreiche sportliche als auch organisatorische Erfolge erzielt.

Die Gründung des Verbandes im Jahr 1990 fiel nur zufällig in den Zeitraum der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Es dauerte mehrere Jahre, ehe diese Gründung vollzogen werden konnte. Die ersten Frisbeesport-Events in Deutschland, Deutsche Meisterschaften im Overall Frisbee 1979 und 1980, waren durch ein von Wham-O autorisiertes Unternehmen durchgeführt worden. 1980 wurde aus diesem Umfeld eine IFA Deutschland (International Frisbee Disc Association) mit Sitz in München gegründet. Nach dem Rückzug von Wham-O aus dem Geschäft wurde 1983 in Weilheim der Deutsche Frisbeesport Flugscheiben Verband (DFFV) gegründet. Dieser wurde jedoch nie offiziell als Verband eingetragen.

Gerd-Rosenowski

1987 übernahm Gerd Rosenowski aus Oldenburg den Geschäftsführer-Posten im DFFV (Foto). Er behielt diesen Posten auch nach Gründung des DFV bis 2004 insgesamt 18 Jahre lang inne. Gerd Rosenwoski lässt im Rückblick keinen Zweifel daran, dass die verstärkte und verbesserte Organisation, die sich erstmals stärker an den Anforderungen an einen Sportverband orientierte, nur dank der gemeinschaftlichen Arbeit möglich war. Namentlich nennt er unter anderem Hartmut Wahrmann aus Weilheim, Eva Roth und Thomas Griesbaum aus Karlsruhe, Heinz Auferodt aus Tuttlingen, Hans-Jürgen Runge und Franz Reisgies (mit Schul-AG) aus Hamburg, Bernd Platzek aus Dortmund, die Essener Marcus Pieper und Thomas Siepmann sowie aus Aachen Harald Brieck und Alex Klötzel.

In der Zeit bis zum Frühjahr 1989 hat Harald Brieck die Satzung des DFV entworfen, diese wurde bei der Gründungssitzung am 8. April 1989 mit nur marginalen Änderungsvorschlägen verabschiedet. Harald Brieck hatte offenbar bereits Erfahrungenen bei der Gründung eines Unterwasser-Rugbyverbands gesammelt. Als „Vater“ der DFV-Sitzung ist er bald darauf aus dem engeren Verbandskreis ausgeschieden, blieb aber bis 2000 Disziplinchef für Ultimate Frisbee beim Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverband.

Nach der Gründungssitzung dauerte es weitere eineinhalb Jahre, ehe der Verband endlich ins Vereinsregister eingetragen werden konnte. Das wird belegt durch das Protokoll der Jahreshauptversammlung des DFFV vom 12. Mai 1990 in Darmstadt. Zu diesem Zeitpunkt konnte der DFV immer noch nicht ins Vereinsregister eingetragen werden, weil noch immer eine geforderte Anzahl von wenigstens 400 Beitrittsabsichtserklärungen fehlte. In Zeiten noch vor dem allgemeinen Gebrauch des Internets dauerte es einfach ziemlich lange, bis aus allen Mitgliedsvereinen diese geforderte Anzahl an schriftlichen Erklärungen vorlag.

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Noch als DFFV wurden 1990 folgende Posten verteilt: 1. Vorsitzender wurde Thomas Griesbaum (Foto), 2. Vorsitzender Bernd Platzeck, Geschäftsführer Gerd Rosenowski, Kassenwart Michael Wachtmann. Pressewart Ralf Dentzer. Disc Golf-Koordinatoren wurden Thomas Ackermann und Jochen Heinz, als Ultimate-Nationalkoordinator*innen wurden benannt für Frauen Helga Kunkel, für Junioren Hansi Friede, für die Masters Olaf Labrenz, und als Ultimate Open-Komitee Markus Pieper, Alex Klötzel, Thomas Griesbaum und Mark Kendall.

Als Initiator des Frisbeesports in der DDR wird Dr. Wolfgang Bartel genannt, Dozent der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig, der bereits 1970 eine Anleitung zum Werfen von Frisbees herausgegeben haben soll. 20 Jahre später hatte er demnach zunächst bei der Deutschen Sporthochschule in Köln angefragt, die sein Schreiben an das DFV-Büro in Oldenburg bei Gerd Rosenowski weiterleitete. Dieser fuhr daraufhin im April 1990 zusammen mit Bernd Platzek nach Leipzig, wo sie Wolfgang Bartel trafen. Bereits für den November 1990 wurde das erste Ultimate-Turnier in Leipzig geplant.

Die Eintragung ins Vereinsregister am Amtsgericht Aachen erfolgte schließlich erst am 25. Oktober 1990. Darüber wird berichtet im Protokoll der ersten DFV-Jahresversammlung, die am 12. und 13. Januar 1991 in Wolfenbüttel stattfand. Von 1991 an führten die „Funatics“ in Hannover an fünf aufeinanderfolgenden Jahren Overall-Turniere durch, deren letzte beide offiziell als (bislang letztmaligen) Deutschen Meisterschaften im Overall Frisbee galten. Die offizielle Verbandsgründung des DFV im Jahr 1989 und die erstmalige Eintragung ins Vereinsregister 1990 markieren auch einen Wandel des Schwerpunkts von Einzeldisziplinen im ersten Frisbeesport-Jahrzehnt in Deutschland hin zum Teamsport Ultimate Frisbee, der ein stärkeres Wachstum mit sich brachte.

Über die sportlichen und organisatorischen Errungenschaften der vergangenen 30 Jahre unter dem Dach des DFV berichtet ein gesonderter Beitrag.


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